Der gefährliche Reiz der Optionen
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 05.04.2011 24 Kommentare
Artikel zum Thema
- Rihs hat Sonova-Aktien zurückgekauft
- «Wirklich brisant ist der Verdacht auf Insiderhandel»
- Früherer Enron-Manager muss ins Gefängnis
- JPMorgan-Chef erhält Aktien und Optionen für 17 Millionen Dollar
SwissquoteExklusiver Trading-Partner
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Der Skandal um mögliche Insidervergehen bei Sonova (SOON 89.35 2.94%) macht auf eine besondere Art von Bonuszahlungen aufmerksam: Jene in Optionen. Nicht in Aktien, sondern in diesem Kapitalmarktinstrument wurde das Management des Hörgeräteherstellers offenbar bisher vor allem entschädigt. Optionen beinhalten das Recht, eine Aktie zu kaufen («Call») oder zu verkaufen («Put»). Für Bonusprogramme kommen nur Call-Optionen auf die eigenen Titel in Frage.
Diese Art von Entschädigung könnte einen wichtigen Einfluss darauf haben, dass Sonova-Manager ihre Anteile verkauft haben, als sie im Februar erkannten, dass der ursprünglich budgetierte Jahresgewinn für das laufende Jahr kaum mehr zu erreichen ist. Bei Optionen ist der Anreiz zu Insidergeschäften noch weit grösser als bei Aktien, denn letztere verlieren zum Beispiel bei einer Gewinnwarnung wie im Fall von Sonova viel weniger von ihrem Wert und es besteht die Chance, dass sie sich über kurz oder lang wieder erholen. So hat die Sonova-Aktie im März rund einen Drittel ihres Wertes verloren, seit dem Tiefpunkt aber wieder mehr als 6 Prozent zugelegt. Das ist kein Vergleich zu den Verlusten, die mit Optionen drohen.
Was Optionen gefährlicher als Aktien macht
Optionen haben drei Charakteristiken, die sie wesentlich riskanter als Aktien machen. Erstens haben sie ein Ablaufdatum, zweitens verändert sich ihr Wert stark überproportional im Vergleich zu den ihnen zugrundeliegenden Aktien und drittens bezeihen sie sich auf einen sogenannten Ausübungspreis. Das ist der Preis, zu dem die Aktie vom Unternehmen erworben werden kann. Sinkt der Wert der Aktie bis zum Ablaufdatum unter diesen Ausübungspreis, wird die Option wertlos, da man die Aktie ohne Option billiger haben kann.
Für das Management bedeutet das, dass der Wert ihres Bonus im Vergleich zum direkten Aktienbesitz überproportional steigt, wenn die Aktien des eigenen Unternehmens bis zum Ablauf der Optionsfrist zulegen. Die finanziellen Anreize orientieren sich daher viel stärker daran, kurzfristig an den Kapitalmärkten zu glänzen, als an einer langfristig nachhaltigen Entwicklung des Unternehmens.
Für den Gesamtverlust braucht es wenig
Zeichnen sich dagegen Entwicklungen ab, die diesen Glanz an der Börse in Mitleidenschaft ziehen, sind auch die drohenden Verluste auf dem Bonus sehr viel höher als bei Aktien. Ein grosser Teil der in den letzten Jahren dem Sonova-Management zugeteilten und bald auslaufenden Optionen haben einen Ausübungspreis, der durch den Kurssturz der Aktie in den letzten Wochen unterschritten wurde. Das heisst, mit jedem Tag steigt das Risiko, dass die früher zugeteilten Boni beim Ablauf der Optionsfrist gänzlich wertlos werden. Die Anreize für Manager sind daher besonders gross, solche Optionen noch rechtzeitig zu verkaufen, wenn sie wissen, dass der Aktienkurs wegen enttäuschenden Informationen bald einen deutlichen Taucher macht - umso mehr als man in der Schweiz bisher mit Insidervergehen international gesehen recht grosszügig umgegangen ist.
Optionen als Bonus- oder sogar direkt als Lohn hatten ihre grosse Zeit während der Internet-Blase Ende der 1990er Jahre. Neu startende Unternehmen haben ihre Beschäftigten teilweise nur oder zu einem grossen Teil bloss in Optionen bezahlt. Für das Unternehmen hatte das den Vorteil, dass scheinbar auch die Personalkosten sehr tief liegen. Das alleine kam dem Aktienkurs und damit auch den Optionen zugute. Tatsächlich bezahlen die bestehenden Aktionäre die Zeche. Denn bei der Einlösung der Optionen werden normalerweise neue Aktien geschaffen, was den Wert der alten verwässert.
Die Geschichte als Warnung
Das Hauptproblem mit den Optionen war allerdings schon damals, dass diese Entschädigungsform zu allerlei unsauberen Geschäftspraktiken geführt hat. So haben Manager die Lage ihrer Unternehmen in weit besserem Licht dargestellt, als es tatsächlich war und zu diesem Zweck auch die Rechnungslegung manipuliert – das berühmteste Beispiel dafür ist jenes des letztlich untergegangenen Energieriesen Enron. Selbst die Optionsprogramme haben damals immer absurdere Formen angenommen, so wurde zuweilen der Ausübungspreis bereits ausgegebener Optionen gesenkt, wenn sich der Aktienkurs nicht wie gewünscht nach oben entwickelt hat. Die Entschädigung in Optionen bekam nach all diesen Entwicklungen einen schlechten Ruf. Dass sie gefährliche Anreize bieten, zeigen nicht nur theoretische Überlegungen, sondern vor allem auch die Entwicklungen in der Praxis. Sonova könnte dafür ebenfalls ein weiteres Beispiel liefern. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.04.2011, 14:19 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
24 Kommentare
Ich werde nie begreifen warum es immer mehr Menschen gibt die nicht wissen dass das letzte Hemd keine Taschen hat. Die Pharaonen haben das damals noch nicht wissen können, darum haben sie ihre Güter mit ins Grab genommen. Heute müsste es eigentlich Pflichtfach in der 1. Klasse sein. Antworten
Damit sich Optionen auszahlen müssen die Geschäftszahlen 'stimmen', d.h. die Börse muss der Meinung sein, dass die Firma einen bestimmten Börsenkurs wert ist. Das kann durch eine gute Managementleistung genauso erreicht werden, wie durch Bilanzmanipulationen. Diese Gefahr besteht vor allem bei Finanzunternehmen, kann sich aber auch bei industriellen oder Handelsbetrieben manifestieren. Antworten
Wirtschaft
- 16:18Noch mehr Konkurrenz für Nespresso
- 13:54Spanien will seine Banken selber sanieren
- 20:38Novartis-Präsident Vasella kritisiert die Einwanderungspolitik
- 16:29Swisscom-Chef: «Den Meisten sind Roaming-Gebühren egal»
- 13:17So günstig zum Eigenheim wie nie
- 26.05.2012Bund prüft Abschottung des Schweizer Kapitalmarkts
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!


Bitte warten
