Wirtschaft

Der erfolgreichste Schnäppchen-Jäger der Schweiz

Von Mathias Morgenthaler. Aktualisiert am 05.03.2011 14 Kommentare

Amir Suissa verkauft über Deindeal.ch Angebote mit mindestens 50 Prozent Rabatt. Der Gründer und Chef der Plattform sagt, wieso sich das Geschäft auch für die Anbieter rechnet.

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Gründete als 39-Jähriger die Internetplattform Deindeal.ch: Amir Suissa.

In Rekordzeit zum Rekordumsatz

Das Geschäftsmodell von Deindeal.ch ist einfach: Das Unternehmen bietet Gutscheine für Produkte und Dienstleistungen von Drittanbietern mit Rabatten von 50 Prozent und mehr an. Machen genug Kunden mit, kommt der Deal zustande. Deindeal.ch kassiert als Vermarkter 40 Prozent des Betrags, 60 Prozent gehen an den Drittanbieter. Neben den nationalen gibt es viele regionale Angebote: in Zürich zum halben Preis in die Massage, in Basel zur Fett-weg-Behandlung, in Bern zum Coiffeur.

In der Schweiz konkurrenzieren sich derzeit Deindeal.ch und Groupon (vormals Citydeal). Deindeal-Gründer Amir Suissa, ein 39-jähriger israelisch-schweizerischer Doppelbürger, hat bei Swissinvest.com und Xing Erfahrungen mit E-Commerce-Unternehmen gesammelt. Zudem war er Mitgründer von First Tuesday, einem Netzwerk für Unternehmer, Investoren und Dienstleistungsanbieter.

Als erstes Unternehmen hat Groupon («Group» und «Coupon») in den USA den Online-Gutschein-Dienst lanciert. Was mit einem Zwei-für-eins-Angebot für eine Pizzeria in Chicago begann, wurde innerhalb von neun Monaten ein Milliardengeschäft. So schnell ist zuvor kein anderes Unternehmen gewachsen. Im Dezember hat Google Insidern zufolge erfolglos versucht, Groupon für 6 Milliarden Dollar zu kaufen – angeblich plant der Suchmaschinengigant nun, einen Konkurrenzdienst zu lancieren. Groupon will im Frühling an die Börse, der Wert des Unternehmens beläuft sich nach Analystenschätzungen auf 15 Milliarden.(mmw)

Korrektur-Hinweis

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Herr Suissa, sind Sie ein Schnäppchenjäger?
Ich habe gerne gute Qualität zu einem guten Preis. Mit Schnäppchen assoziiere ich minderwertige Qualität. Wir bieten hochwertige Produkte und Dienstleistungen zu einem Kennenlern-Preis an – das ist für mich kein Schnäppchen.

Im Rabattanspruch sind Sie rigoros: Angebote mit 10 oder 20 Prozent Rabatt interessieren Sie nicht.
Das stimmt, unser Markenversprechen lautet: 50 Prozent Rabatt oder mehr. Es gab schon Deals, bei denen der Rabatt 90 Prozent betrug.

Das ist toll für die Kunden, aber schlecht für die Unternehmen, die über Ihren Vertriebskanal verkaufen und kaum Geld bekommen für ihre Produkte.
Dieser Ansatz ist grundsätzlich falsch. Die meisten unserer Partner betreiben profitables Marketing über unseren Kanal. Unser Geschäft begann in der Dienstleistungsbranche. Im Vordergrund steht das Ertragsmanagement, die Preis- und Kapazitätssteuerung sowie die Neukundenakquisition. Man kennt das von Fluggesellschaften wie Easyjet, die je nach Auslastung die Preise flexibel gestalten. 100 Prozent Auslastung erreicht man nie – es ist besser, die nicht gebuchten Plätze billig zu vergeben, als sie leer zu lassen.

Ihre Partner sind aber nicht Fluggesellschaften, sondern Coiffeurgeschäfte, Massagepraxen und Hotels.
Auch die haben hohe Fixkosten und möchten eine möglichst gute Auslastung. Ein leerer Stuhl oder ein leeres Bett ist teuer. Wir wandeln dieses Geld in Marketinggeld um. Ein Beispiel: Ein Wirt weiss, dass pro Abend zehn Zweiertische frei bleiben. Das sind 300 Tische im Monat à durchschnittlich 120 Franken Konsumationskosten, macht 36 000 Franken Einnahmeausfall in einem Monat. Wenn er über uns 300 Gutscheine für ein Nachtessen für 2 Personen à 60 statt 120 Franken verkauft, erhöht er die Auslastung markant und hat zusätzlich einen gigantischen Marketingnutzen: Eine knappe Million Menschen in der Schweiz sehen unsere Deals, auch lokale Anbieter erreichen neue Kundschaft, die vorher nichts von ihnen wusste.

Aber die Rechnung geht nicht auf. Der Wirt gewährt ja nicht nur 50 Prozent Rabatt, sondern deutlich mehr, weil Sie daran mitverdienen wollen. Wie hoch ist Ihr Anteil?
60 Prozent gehen an unsere Partner, 40 Prozent decken unsere Marketingkosten. Der Wirt nimmt beim Deal 300-mal 36 Franken, also 10 800 Franken, ein und ist immer noch profitabel. Ohne uns wären seine Tische leer geblieben.

Und nach dem Rabatt-Angebot werden sie wieder leer bleiben.
Nein. Unsere Befragungen zeigen, dass zwei Drittel der Kunden, die vom Kennenlern-Angebot profitieren, danach zu regulär zahlenden Kunden werden. Es lohnt sich also in der kurz- und der mittelfristigen Betrachtung.

Sie haben innerhalb weniger Tage rund 500 2-Tages-Arrangements für zwei Personen in Luxushotels für 400 statt 1200 Franken verkauft. Da denkt doch der Kunde: Dieses Haus muss komplett leer stehen, und es ist enorm überteuert.
Ich kenne kein Hotel, das eine Auslastung von 100 Prozent hat, 80 Prozent ist in der Regel ein sehr guter Wert. Ein Beispiel: Ein Viersternhaus mit 110 Zimmern und einer 75-Prozent-Auslastung hat im Jahr 10 000 Nächte, die es nicht verkaufen konnte. Eine Übernachtung kurzfristig zu vergeben, kostet vielleicht 30 Franken für Strom, Reinigung und Frühstück. Was spricht dagegen, dass Hoteliers über uns zu einem Drittel des regulären Preises 1000 Übernachtungen verkaufen? Es bringt ihnen Profitabilität, Liquidität und zusätzliche Kundschaft sowie Marktpräsenz.

Die Frage ist, ob die Kunden, die bei Ihnen den Deal erwerben, während der Laufzeit des Gutscheins auch ein Zimmer bekommen.
Viele Kunden buchen zuerst im Hotel und erwerben dann den Deal bei uns. Wenn es Probleme gibt, den Gutschein termingerecht einzulösen, sind wir kulant und suchen nach einer guten Lösung. Wenn wir die nicht finden, erstatten wir den Betrag zurück.

Einige Partner sollen nicht sehr glücklich mit der Kooperation sein. Sie haben über Ihr Portal so viele Gutscheine für Massagen oder Kosmetikbehandlungen verkauft, dass sie monatelang «Rabattkunden» abarbeiten müssen und kaum noch Kapazitäten für voll zahlende Kundschaft haben.
Das wäre theoretisch möglich, wenn man die Deals nicht richtig aufbaut. Wir prüfen immer im Voraus, was die verfügbaren Kapazitäten des Partners sind, und richten die Anzahl verfügbarer Gutscheine danach aus. Wenn ein Masseur im Tag zwei Kunden mehr bedienen könnte, sind das im Monat 40 Massagen. Da macht es keinen Sinn, 500 Gutscheine zu vergeben mit einer Laufzeit von drei Monaten. Die Laufzeit beträgt in 99 Prozent der Fälle zwölf Monate.

Wirtschaftlich interessant sind für Sie Deals ohne obere Begrenzung. Wenn die Gutscheine nicht eingelöst werden, bleibt der ganze Betrag bei Ihnen. Kommt das oft vor?
Dazu haben wir noch keine Zahlen, weil erst zwei Deals ausgelaufen sind. In einem Fall habe ich selber einen Gutschein verfallen lassen. Natürlich sind unlimitierte Deals für uns besser, weil wir dann mehr Einnahmen auf unsere Fixkosten abwälzen können.

Bei der Lancierung von Deindeal vor knapp einem Jahr haben Sie lediglich die in den USA sehr erfolgreiche Firma Groupon kopiert. War das Herausforderung genug?
Ich hörte in der gleichen Woche aus den USA, aus Australien und Deutschland von diesem neuen Geschäftsmodell. Das war im Dezember 2009. Ich fragte mehrere Internetkenner, ob der Ansatz auch in der Schweiz funktionieren könnte. Die meisten rieten mir, das bleiben zu lassen. Ich war aber begeistert von der einfachen Idee, die voll den Zeitgeist trifft. Am 2. Februar 2010 gründeten wir das Unternehmen, am 24. März gingen wir online.

Ist Deindeal eine Goldgrube?
Wir stecken das Geld vollumfänglich in den Aufbau des Unternehmens. Wir sind heute klarer Marktführer und das am schnellsten wachsende Internetunternehmen in der Schweiz. Wir verdienen seit Oktober Geld und setzen jeden Monat mehr als eine Million um.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.03.2011, 19:19 Uhr

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14 Kommentare

Philipp Wehrli

05.03.2011, 20:37 Uhr
Melden

Diese "Rabatt-Plattform" grenzt an Betrug: Es werden völlig überrissene Preise verlangt. Auf diese wird dann eine Reduktion gewährt. Wer darauf reinfällt, ist selbst schuld. Antworten


Daniel Hauser

06.03.2011, 10:29 Uhr
Melden

Man kann ja mal bei Möbelmn mit mindestens 30% beginnen. Geht bei allem Marken-Möbelhändlern. Fordern und dann abwarten. Der Anruf nach Hause kommt dann auch noch am Sonntag. Beste Zeit: Kurz vor Jahresende. Dann ruft der Umsatzbonus! Antworten



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