Wirtschaft

Der Stachel im Fleisch der UBS

Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 13.09.2010 2 Kommentare

Igor Olenicoff, der wegen Steuerbetrugs verurteilte US-Milliardär, geht hartnäckig gegen seine Ex-Bank vor.

Soll Vergeltung erfahren: Die UBS wird von einem wegen Steuerbetrug Verurteilten verklagt.

Soll Vergeltung erfahren: Die UBS wird von einem wegen Steuerbetrug Verurteilten verklagt.
Bild: Reuters

Igor Olenicoff hatte lange Zeit den amerikanischen Traum geträumt, bevor er wegen Steuerbetrugs verurteilt wurde. Nun sinnt der 68-jährige Milliardär auf Vergeltung und hat seine ehemalige Bank UBS im Visier.

Den ersten und bisher wichtigsten Erfolg erzielte der schwerreiche Immobilieninvestor im März: Ein Gericht in Südkalifornien erklärte seine Klage gegen die Schweizer Grossbank für gerechtfertigt. Es diene dem Schutz anderer Investoren, wenn er die angeblich Kunden schädigenden Praktiken der Bank beweisen könne. Olenicoff behauptet, die UBS und deren früherer Angestellter Birkenfeld, der später zum Whistleblower wurde, hätten ihn hinters Licht geführt, weil sie Anlagen gegen seinen Willen illegal am US-Fiskus vorbei getätigt hätten.

«Erneut blaues Auge verpassen»

Die UBS habe somit ihren treuhänderischen Auftrag verletzt, zudem seien die Mittel von rund 200 Millionen Dollar zu spekulativ angelegt worden. Bewiesen hat Olenicoff seine Anschuldigungen bisher nicht; aber der Richter erlaubte ihm, den Fall vor Gericht ausbreiten zu können. «Das war ein wichtiger Sieg für uns», sagte William King, der Anwalt Olenicoffs. «Mein Klient erhielt damit eine Menge Glaubwürdigkeit.»

Den zweiten Erfolg verbuchte Olenicoff am Freitag. Der zuständige Richter Andrew Guilford erteilte grünes Licht für eine Anhörung von Bradley Birkenfeld, dem inhaftierten ehemaligen UBS-Banker und Olenicoff-Vermögensverwalter. Von dieser Anhörung erwarte er wichtiges Beweismaterial, sagte King. «Das blaue Auge, das der UBS schon einmal verpasst wurde, wird von Neuem erscheinen.» Wann der in einem Gefängnis in Pennsylvania einsitzende Birkenfeld einvernommen wird, muss Richter Guilford noch entscheiden. Bereits klar ist, dass nicht nur Olenicoff, sondern auch die UBS-Anwälte den Whistleblower befragen wollen. Auch soll diese Beweisaufnahme nicht vor dem Gericht in Kalifornien geschehen, sondern im Gefängnis selber, wie King sagte.

UBS bestreitet alles

Ein Ende des Falls ist nicht absehbar. Die Bank bestreitet sämtliche Vorwürfe. Die von Olenicoff geforderte Entschädigung von 500 Millionen Dollar ist fast zehnmal höher als seine wegen Steuerbetrugs bezahlte Busse, allerdings ist die Bank kaum an ewigen Rechtshändeln interessiert.

Die russischstämmigen Olenicoffs lebten im 2. Weltkrieg im Norden des Irans, bevor Stalin seine brutale Repatriierungskampagne startete. Die Familie flüchtete nach Kalifornien, wo Vater Olenicoff, ein ausgebildeter Ingenieur, als Hauswart arbeitete. Sohn Igor verdiente sein erstes Geld in einem Eisenwarengeschäft, bevor er in den frühen 70er-Jahren ins Immobiliengeschäft einstieg. Die Steuerbehörde IRS vermutete schon bald, dass er Profite am Fiskus vorbeizuschleusen suchte. Erst als ein Mitarbeiter auspackte, kam sie ihm aufdie Schliche. Olenicoff bekam eine Busse von 52 Millionen, eine der höchsten bisher, dafür entging er einer Haftstrafe und bot der Justiz seine Zusammenarbeit an.

Ein Leben wie ein Märchen

In Orange County, einem der reichsten Bezirke des Landes, gilt er nach wie vor als einflussreicher Geschäftsmann. Die Immobilienfirma Olen Properties, die er heute zusammen mit seinem Sohn führt, erzielt einen Umsatz von über 250 Millionen Dollar. Sein Vermögen schätzt das «Forbes Magazine» auf 1,5 Milliarden Dollar. Er fliegt in seiner eigenen Cessna und steuert eine eigene 40-Meter-Jacht. Er sagt: «Wirtschaftlich gesehen war mein Leben wie ein Märchen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.09.2010, 22:36 Uhr

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2 Kommentare

Beat Gerola

13.09.2010, 07:33 Uhr
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Wer viel Geld besitzt kann sich auch viel erlauben. Und wo stehen heute die "normalen" Kunden, die auch viel Geld verloren haben? Antworten


julian meinert

13.09.2010, 13:27 Uhr
Melden

Na klar, der Igor macht genau das Richtige. Die UBS hat zu viele Fehlleistungen mit Vermögen mächtiger Menschen gemacht. Das rächt sich nun. Antworten



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