Wirtschaft
Der Schweiz droht ein Chauffeurmangel
Von Olivia Raths. Aktualisiert am 27.04.2012 128 Kommentare
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Schon im Frühling 2011 schlug der Schweizerische Nutzfahrzeugverband (Astag) Alarm, dass im Jahr 2020 rund 25'000 Chauffeure im Güter- und Personentransport fehlen werden. Und die Zahlen scheinen dem Astag recht zu geben: Seit am 1. September 2009 eine neue Verordnung bei der Ausbildung gilt, fällt die Anzahl bestandener Prüfungen mit 380 Stück bisher bescheiden aus. Dies ergaben Recherchen der «Handelszeitung». Was ist los?
Die sogenannte Chauffeurzulassungsverordnung (CZV) ist laut der «Handelszeitung» ein Grund für den drohenden Personalmangel. Zusätzlich zur herkömmlichen Ausbildung müssen Chauffeure neu einen speziellen Fähigkeitsausweis erwerben, zu dem sie auch regelmässig Weiterbildungskurse zu besuchen haben. Und dies kostet mehr als 15'000 Franken. «Viel zu hoch» seien diese Kosten, zitiert die «Handelszeitung» potenzielle Chauffeure.
Schlechtes Image der Lastwagenfahrer schreckt ab
Einige Unternehmen tragen die Ausbildungskosten teilweise. Die Hälfte der Grundausbildung bezahlt zum Beispiel das Transportunternehmen von SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner in Rothrist. Zwar sei die Anzahl Lehrlinge in seiner Firma in den letzten Jahren gleich geblieben, wie er auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet sagt. Branchenweit gebe es insgesamt jedoch zu wenig Nachwuchs. «Immer weniger wollen Lastwagenchauffeur werden.» Giezendanner führt dies unter anderem auf die negative Berichterstattung in den Medien zurück: «Haben Sie dort schon einmal etwas Positives über Lastwagen und ihre Chauffeure entdeckt?»
Ist also das schlechte Image der LKW-Fahrer ein Problem? Adrian Herzog von der Astag-Sektion Aargau, verantwortlich für die Lastwagenführerlehre, bestätigt: «Die Akzeptanz des Berufsstandes leidet unter diesem Image. Das schreckt viele Berufsanwärter ab.» Die langen Fahrzeiten oder das Alleinsein in der Fahrerkabine sieht Herzog, der auch in der Firma Herzog Transporte im Aargau tätig ist, kaum als Problem: «Die Chauffeure machen immer wieder Pausen und treffen auf den Raststätten ihre Berufskollegen. Zudem sind sie beim Fahren ständig im Kontakt mit der Zentrale.»
«Verdammt, etwas falsch zu machen»
Ein gewichtiges Problem sind die Bussen, die Chauffeure von der Polizei erhalten. Wenn sie die maximal erlaubten neun Stunden Arbeitszeit pro Tag überschreiten, werden sie gebüsst. Auch wenn der Stau schuld ist. «Das ist wohl die einzige Busse der Welt, die wegen zu viel Arbeit erteilt wird», ärgert sich Giezendanner. Können die Fahrer denn nicht einfach eine zusätzliche Pause einlegen, um nicht zu lange am Stück zu fahren? «Keine Chance. Versuchen Sie einmal, im Feierabendverkehr einen LKW-Parkplatz auf einer Schweizer Autobahn-Raststätte zu finden», so der Transportunternehmer. «Man ist verdammt, etwas falsch zu machen.» Herzog doppelt nach: «Wir bezahlen für etwas, was wir nicht verursachen.»
Die Chauffeure stünden unter einem enormen Druck. Dies könne Berufskandidaten ebenfalls abschrecken, meint Herzog. «Die Fahrer müssen die Lieferzeiten einhalten, aber auch ihre maximal erlaubten Arbeitszeiten und dazu natürlich die Verkehrsregeln.
«Wer dabei ist, bleibt gerne»
Trotz der Schwierigkeiten betont Herzog, der auch selbst Lastwagen fährt: «Der Beruf macht grundsätzlich Spass. Wer mal dabei ist, bleibt gerne.» Zumindest in Herzogs Unternehmen gebe es viele langjährige Mitarbeiter. Auch in der Branche herrsche keine höhere Fluktuation als in anderen Berufszweigen des Landes.
Wenn der Beruf also Spass macht: Sollte man ihn nicht dem potenziellen Nachwuchs und den möglichen Quereinsteigern schmackhaft machen? «Doch», sagt Herzog, der auch in der Berufsbildungskommission (BBK) des Astag sitzt. «Wir setzen uns für ein positives Image des Berufs ein.» So sei kürzlich etwa dessen Namensbezeichnung geändert worden von «Lastwagenführer/in» auf «Strassentransport-Fachmann/-frau».
Chauffeure aus dem Ausland rekrutieren?
Ein Anreiz für die Ausbildung als Lastwagenfahrer ist auch, wenn Arbeitgeber einen Beitrag an die Kosten leisten. Laut der «Handelszeitung» übernimmt Planzer Transport die Weiterbildungskosten für die Chauffeure und hat vor wenigen Jahren massiv in die Infrastruktur des firmeneigenen Schulungszentrums investiert.
Was, wenn in ein paar Jahren trotz Engagement zu wenige Chauffeure in der Schweiz zu finden sind? Werden dann Arbeitskräfte aus dem Ausland rekrutiert? «Das wäre ein Thema, wenn uns nichts anderes übrig bleibt», meint Herzog. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.04.2012, 06:34 Uhr
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128 Kommentare
Arbeitnehmer haben sich längst davon verabschiedet auszubilden. Für alles braucht man Zertifikate, Diplome die man durch teure fragwürdige Bildungsinstitute erhält. Geförderte von Kanton und Bund! In der Bildungsindustrie wird auf Kosten der Arbeitnehmer ungebildet ausgebildet, ein Bsp. eidg. dipl. Hauswart, früher reichte ein Allrounder. Wann gibt es Diplome für Politiker? Wann? Es wird Zeit! Antworten
Es ist wie in allen Berufen, die Arbeitgeber wollen die Ausbildungs- und Weiterbildungskosten nicht mehr (voll) übernehmen. Danach wird gejammert, dass es keinen Schweizer Nachwuchs gibt.
Es werden dann junge billigere Ausländer importiert, billiger weil Lohnansprüche niedriger sind und die Ausbildungskosten wegfallen, für die Arbeitgeber eine Win-Win Situation.
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