Wirtschaft

Der Finanzchef der Bâloise muckt auf

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 23.03.2011 5 Kommentare

Viele Versicherer machen die Faust im Sack. Aus Basel kommt die Kritik an der Finma hörbar.

Ihr Finanzchef gehört zu den profiliertesten Kritiker der neuen Spielregeln: Die Balôise redet in Sachen Finma klartext.

Ihr Finanzchef gehört zu den profiliertesten Kritiker der neuen Spielregeln: Die Balôise redet in Sachen Finma klartext.
Bild: TA-Archiv

Abrupter Abgang

Basler wechselt Schweiz-Chef aus

Olav Noack, zwei Jahre lang Chef des Schweizer Geschäfts der Basler Versicherungen, scheidet per sofort aus – «wegen unterschiedlicher Auffassungen in Fragen der Führung». Er wird ersetzt durch Michael Müller (40), der seit seinem Studienabschluss bei der Bâloise ist.

Die Gruppe hat 2010 ihren Gewinn um 3,7 Prozent auf 437 Millionen Franken gesteigert. Sie wuchs gemäss Konzernchef Martin Strobel in fast allen Geschäftsfeldern über dem Marktdurchschnitt. In der Bilanz schlug sich das wegen der Abschwächung des Euro gegenüber dem Schweizer Franken aber nur beschränkt nieder.(bsi)

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Wenn Schüler ihren Lehrer kritisieren, ist das ein heikles Unterfangen. In einer ähnlichen Rolle sind Versicherer, die gegen den Regulator aufmucken. Deshalb halten sich die meisten zurück.

Wenn in diesen Wochen die Gesellschaften ihre Bilanzen präsentieren, taucht immer auch die Frage nach dem Schweizer Solvenztest (SST) auf. Dieser zu Beginn des Jahres verbindlich eingeführte Test soll Auskunft darüber geben, ob die jeweilige Gesellschaft, gemessen an ihren eingegangenen Risiken, über genügend Kapital verfügt. Test im Griff? Die Antworten auf diese Gewissensfrage ähneln sich wie ein Ei dem andern: «Wir sind im grünen Bereich. Wir erfüllen die Anforderungen problemlos.»

Kritik am Regulator

Auch die Basler Versicherung sei im grünen Bereich, sagt Finanzchef German Egloff. Dass sich der SST problemlos umsetzen lasse, wolle er aber nicht behaupten. Egloff ist einer der profiliertesten Kritiker des neuen Regelwerks – wohl wissend, dass er sich beim Regulator, der Finanzmarktaufsicht Finma, damit nicht beliebt macht. «Als Vertreter der beaufsichtigten Branche steht es mir eigentlich nicht zu, den Regulator zu kritisieren», sagt Egloff. Er tut es dennoch: «In der Finanzkrise ist kein einziger Versicherer wegen Versicherungsprodukten in Schwierigkeiten geraten. In Schwierigkeiten gerieten nur Versicherungen, die Bankprodukte vertrieben.»

Konkret kritisiert Egloff etwa, dass der SST Immobilien wie Aktien behandelt – «als Hochrisikoanlagen». Er bemängelt auch, dass der SST die Zinskurve der eidgenössischen Obligationen zugrunde lege: «Die sind illiquid und nach zwölf Jahren nicht mehr existent. Wir müssen aber Risiken über eine Dauer von 40 Jahren abdecken.»

Die Nutzen-Kosten-Frage stellen

Die eigentliche Kritik Egloffs zielt aber ins Grundsätzliche: «Der Regulator einer Branche, in der in den letzten 100 Jahren nie ein Kunde Geld verloren hat, sollte auch eine volkswirtschaftliche Sicht nicht aus den Augen verlieren.» Die Frage nach dem Nutzen und den Kosten von Regeln müsse gestellt werden. Kundenschutz sei notwendig. Aber: «Die Regulierungskosten steigen gewaltig an. Ich kann nicht sagen, dass es deswegen auch nur einem unserer Kunden besser geht.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.03.2011, 11:13 Uhr

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5 Kommentare

Dan Horber

23.03.2011, 11:50 Uhr
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Wo er recht hat, hat er recht!
Die Finma lebt derzeit einen Aktivismus aus, der mehrheitlich nur Kosten, aber keinen Nutzen für den Aktionär/Kunden verursacht. Der Fokus hat primär auf der Eigenmittelquote sowie den Investment- und Derivativgeschäften zu liegen. Hier liegt die Ursache der Bankenpleiten.
Antworten


Roland Peter

23.03.2011, 12:39 Uhr
Melden

Genau, Bankenpleiten. Und deshalb sollte man daraus schon längst gelernt haben. Dann wäre ein solcher Artikel nämlich gar nicht erst in der Zeitung zu finden. Antworten



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