Wirtschaft

Der Feuerwehrmann auf dem Finanzplatz

Von Ralph Pöhner. Aktualisiert am 09.03.2009 6 Kommentare

Der neue CS-Präsident fällt auf durch seine Unauffälligkeit. Aber Hans-Ulrich Doerig erlebte mehr Krisen als jeder andere Banker im Land – und in der grössten Krise gelangt er vollends an die Spitze.

Hans-Ulrich Doerig, seit 1973 bei der Credit Suisse.

Hans-Ulrich Doerig, seit 1973 bei der Credit Suisse.
Bild: Keystone

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Doerigs Stationen

Geboren 1940, Eltern aus Appenzell, Vater HSG-Professor.

Studium in St. Gallen

1968 zu J.P.Morgan in New York.

1973 Eintritt in die SKA.

1981 Interims-CEO bei der Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB).

1993 Vize-Präsident der Geschäftsleitung.

1997 CEO von CSFB

1998 Group Chief Risk Officer, Vize-Präsident der Geschäftsleitung.

2003 Vizepräsident des Verwaltungsrates.

Wer ihm böse will, schildert ihn einfach als weitere Spitzenfigur des so genannten Zürcher Wirtschaftsfilzes: freisinnig, Rotarier, Präsident der Vereinigung Zürcher Kunstfreunde, einst im Verwaltungsrat von Thomas Bechtlers Hesta-Holding – und seine Karriere machte er im Windschatten von Rainer E. Gut.

Wer ihm gut will, erkennt in ihm den «krisenerprobtesten Banker der Schweiz» (so ein Spitzenmann der Credit Suisse). Hans-Ulrich Doerig, der neue Präsident, stieg 1973 ein in die damalige SKA, er erlebte den Chiasso-Skandal 1977 als Manager im Kapitalmarktgeschäft, er durchlitt die Japankrise 1990 als Leiter des Kommerzgeschäfts in Asien, er war während der Russlandkrise 1998 oberster Risikomanager der Credit Suisse, und als die Paradeplatz-Bank in der Dotcom-Krise nach 2001 an den Abgrund geriet, stieg er bei den Aufräumarbeiten auf zum Vizepräsidenten der Geschäftsleitung. Zugleich vertrat er damals die Credit Suisse in den Verhandlungen über die Swissair-Zukunft – sein Chef, Lukas Mühlemann, musste wegen seines eigenen Verwaltungsratssitzes bei der Airline in den Ausstand.

Noch ein Pensionär, der aufräumen soll

«Doerig holte immer wieder die Kohlen aus dem Feuer», sagt einer, der eng mit ihm gearbeitet hat; die «SonntagsZeitung» nannte ihn einmal «Rainer E. Guts Mann für alle Fälle», und die «Weltwoche» fasste seine Karriere mit dem Satz zusammen: «Hans-Ulrich Doerig wird in der Regel immer dort eingesetzt, wo Not am Mann ist.» So also auch jetzt.

Seine Wahl an die Spitze der Credit Suisse erinnert in manchem an die Wahl von Kaspar Villiger bei der UBS. So soll auch hier ein Mann im Pensionsalter, aber mit wenig beschädigter Reputation die Bank in ruhigere Fahrwasser steuern. Wie Villiger, 68 und Innerschweizer, gilt Doerig, 69 und Appenzeller, als No-Bullshit-Typ, als «Chrampfer mit Anstand», als «kein Blender», wie CS-Kaderleute sagen.

Dies wiederum trug dazu bei, seine Karriere zu bremsen. Denn viele waren bereits erstaunt, dass Hans-Ulrich Doerig nach Rainer E. Guts Rücktritt im Jahr 2000 nicht zum CS-Chef aufstieg – sondern dass er von Lukas Mühlemann überholt wurde. Jetzt aber wurde er fast zum logischen Kandidaten für den Job: Nicht nur, weil er Krisen und Aufräumarbeiten kennt; sondern auch, weil Hans-Ulrich Doerig der einzige Verwaltungsrat ist, der selber in der Credit Suisse Karriere gemacht hatte. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.03.2009, 12:11 Uhr

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6 Kommentare

rudolf lehnherr

09.03.2009, 13:24 Uhr
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Ich kenne den Doerig vom Militär her; er war der Macher, bei ihm gings vorwärts. Antworten


Georg Bregy

09.03.2009, 13:39 Uhr
Melden

Fakt ist, dass Dörig bereits dabei war als das CS-Schiff in den Sumpf gefahren wurde... er ist ein Mann der alten Garde und des Wirtschaftsfilzes... Punkt ... auch die CS hat es verpasst, einer neuen Managergeneration die Türe zu öffnen... Antworten



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