Wirtschaft

Thomas Ley
Stv. Ressortleiter Reporter


«Das wird weltweit Signalwirkung haben»

Aktualisiert am 11.09.2012 108 Kommentare

Die US-Steuerbehörde belohnt Bradley Birkenfeld, ihren Informanten im UBS-Steuerskandal. Ein Fortschritt, findet Zora Ledergerber von Integrity Line. Sie hilft Firmen beim Aufbau interner Meldesysteme für Missstände.

Damals winkte noch Strafe statt Belohnung: Bradley Birkenfeld an einer Pressekonferenz am 8. Januar 2010 – bevor er selber in Pennsylvania ins Gefängnis musste wegen angeblicher Steuerdelikte.

Damals winkte noch Strafe statt Belohnung: Bradley Birkenfeld an einer Pressekonferenz am 8. Januar 2010 – bevor er selber in Pennsylvania ins Gefängnis musste wegen angeblicher Steuerdelikte.
Bild: AP Photo/Carolyn Kaster/Keystone

Die Zürcher Whistleblowing-Spezialistin Zora Ledergerber ist Geschäftsführerin der Firma Integrity Line und berät Unternehmen und Verwaltung bei der Einrichtung von internen Meldesystemen.

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Frau Ledergerber, der UBS-Whistleblower Bradley Birkenfeld kriegt 104 Millionen Dollar Prämie dafür, dass er der US-Steuerbehörde IRS half, der UBS (UBSN 17.92 0.56%) ihre Steuerhinterziehung nachzuweisen. Ihre Reaktion?
Eine Sensation. Und eine grosse Überraschung. Birkenfeld sass ja gerade noch im Gefängnis. Für die weltweite Whistleblower-Bewegung stellt diese Wendung nun ein massiver Fortschritt dar. Das wird Signalwirkung auf der ganzen Welt haben.

Inwiefern?
Jede Firma mit Geschäftstätigkeit in den USA muss sich nun schleunigst überlegen, wie sie ein anständiges internes Meldesystem einrichtet. Um Mitarbeiter die Möglichkeit zu geben, Missstände zu melden, bevor diese zu einer Behörde gehen und der Fall in der Öffentlichkeit auffliegt. Zudem ist jedem potentiellen Whistleblower nun klar, dass er in der IRS einen potentiellen Verbündeten hat und Aussicht auf Belohnung besteht.

Aber Bedingung ist, dass die Firma in den USA wirtschaftet.
Das stimmt. Für einen vergleichbaren Fall muss ein Bezug zu den USA bestehen. Aber das gilt für viele internationale Firmen. Hier ging es ja unter anderem auch um Bankkonten in der Schweiz, nicht in den USA selbst. Darum ist der Fall für uns so wichtig. Es gilt nun weltweit: Kein Konzern kann mehr damit rechnen, mit Betrug in diesem Ausmass davonzukommen.

Aber sind 104 Millionen nicht so viel, dass sich künftig nicht mehr aufrechte Whistleblower, sondern selbstsüchtige Verräter und Spione melden?
Ich weiss, diese Befürchtung wird immer wieder geäussert. Aber Birkenfeld bekam seine Belohnung ja nicht dafür, dass er einen unschuldigen Freund der Steuerbehörde auslieferte. Oder dass er der Bank etwas Falsches unterschob. Am Anfang stand, das darf man nicht vergessen, massives Fehlverhalten seitens der Bank: Nämlich illegale Geschäfte in der Höhe von 20 Milliarden Dollar. Die 104 Millionen müssen deshalb im Verhältnis zur Höhe des aufgedeckten Fehlbetrages betrachtet werden, dabei sind sie nur ein kleiner Prozentanteil, eine kleine Beteiligung.

Trotzdem: Sie empfehlen ein internes Meldesystem. Aber welches Meldesystem kann es mit der Aussicht aufnehmen, hundertfacher Millionär zu werden?
So funktioniert es ja in der Regel nicht. Erstens wird der Fall Birkenfeld in seiner Dimension eine grosse Ausnahme bleiben. Und zweitens versuchen die meisten Whistleblower, den Missstand zuerst intern zu melden. Das sind häufig loyale Menschen. Erst, wenn sie ignoriert oder bestraft werden, wenden sie sich dann an externe Stellen.

Wird Whistleblowing jetzt einfacher?
Nicht in der Schweiz. Gerade dieser Fall zeigt die riesige Diskrepanz zwischen dem Schicksal von Whistleblowern in den USA oder in der Schweiz. Bei uns existiert nach wie vor kein richtiger Schutz für solche Leute. Sie werden meist entlassen und haben auch nach ihrer Rehabilitierung keine Chance auf Wiederanstellung oder angemessene Entschädigung. Wir haben hierzulande immer noch grosse Angst vor einem anständigen Whistleblowing-Gesetz.

Warum ist das so? Haben Sie eine Theorie?
Es ist wohl eine Mentalitätsfrage. In den USA gelten Whistleblower in der Öffentlichkeit als mutige Menschen. Sie deckten in der Vergangenheit oft nicht nur Betrug, sondern auch Sicherheitslücken auf. In manchen Fällen hätte man Unglücke verhindern können, wenn man auf sie gehört hätte. Das hat die Amerikaner sicher sensibilisiert. Die Schweizer dagegen belohnen nicht gerne Leute, die sich kritisch neben die Gemeinschaft stellen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.09.2012, 18:37 Uhr

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108 Kommentare

Ernst Dittmar

11.09.2012, 18:44 Uhr
Melden 181 Empfehlung 0

Hallo Unternehmer. Wenn der Staat Ihre Mitarbeiter gegen Sie aufwiegelt, ist es dann noch interessant Unternehmer zu sein? Gibt es noch einen Grund, in den USA tätig zu sein? Oder entziehen wir den USA die Leistungen unserer Unternehmen? Noch nie konnte ein Ausländer in den USA langfristig Gewinne erzielen, ohne dass die USA das Geld in irgendeiner unfairen Form wieder zurückholten. Antworten


Gilbert Kuster

11.09.2012, 18:58 Uhr
Melden 160 Empfehlung 0

Für solche Leute, finde ich keine Worte mehr. Um reich zu werden, benötigt es lediglich nur noch den Verrat, wo auch immer. Die Vertrauensbasis unter den Menschen wurde wieder geschmälert, damit sich einzelne bereichern können. Meili wurde mit 1 Mio$+ Aufenthaltsrecht in den USA abgespiessen für knapp denselben Betrag und Herr Birkenfeld erhält das 100 Fache. Viel Erfolg mit den Securitys. Antworten



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