Wirtschaft

Das schwierige Mandat von Hummler

Von Christian Lüscher. Aktualisiert am 31.01.2012

Seine Bank musste Hummler notverkaufen. Die USA nehmen den St. Galler Privatbankier in die Mangel. Was heisst das für sein Mandat bei der NZZ?

In einer schwierigen Situation: Privatbankier und NZZ-Verwaltungsratspräsident Konrad Hummler. 
Bild: Keystone.

In einer schwierigen Situation: Privatbankier und NZZ-Verwaltungsratspräsident Konrad Hummler. Bild: Keystone.

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Erst seit letztem April 2011 ist Konrad Hummler Verwaltungsratspräsident der NZZ-Gruppe. Aber bereits nach weniger als einem Jahr stellt sich die Frage: Wird der Privatbankier für das Medienunternehmen zur Hypothek? Kann sich die NZZ einen Mann an dessen Spitze leisten, der nach dem Fall UBS amerikanische Kunden von der Grossbank übernahm?

Offiziell sieht man im NZZ-Verwaltungsrat, von ihm wird der VR-Präsident gewählt, offenbar kein Problem. «Wir haben uns informiert und sehen keinen unmittelbaren Handlungsbedarf», sagte Verwaltungsrat Franz Steinegger am Freitag gegenüber «10vor10».

Lösung gefordert

Kommunikations- und Medienexperten sehen das allerdings anders. «Es ist eine extreme Situation», sagt ein PR-Profi hinter vorgehaltener Hand. Für das Unternehmen NZZ sei der Fall Hummler schlecht. «In ein bis zwei Wochen muss eine Lösung her», sagt ein Senior Partner einer renommierten PR-Agentur. Im «SonntagsBlick» lässt sich der bekannte PR-Experte Aloys Hirzel zitieren: «Es wäre der Sache wahrscheinlich dienlicher, wenn er sich bei der NZZ zurücknehmen würde.»

Während die Image-Experten dem Privatbankier einen Rücktritt nahelegen, kann Hummler derzeit auf die Unterstützung der Aktionäre zählen. Auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet sagt Edwin van der Geest von der Interessengemeinschaft «Freunde der NZZ» - sie hält über 10 Prozent der stimmberechtigten Aktien der NZZ -, man wolle sich nicht zu Rücktrittsforderungen äussern. Van der Geest verweist auf die Ziele der IG, die derzeit allesamt erfüllt seien. Der Verwaltungsrat als auch die Unternehmensleitung mache einen «hervorragenden Job». Man überlasse die Beurteilung von Hummlers Integrität als Präsident dem Verwaltungsrat.

Schwarz sieht keinen Handlungsbedarf

Ebenfalls Unterstützung bekommt Hummler von Gerhard Schwarz, Chef der Denkfabrik Avenir Suisse und ehemaliger Wirtschaftschef der NZZ. Schwarz sagt: «Solange Konrad Hummler weder verdächtigt noch angeklagt noch verurteilt ist, gegen schweizerische Gesetze verstossen zu haben, sehe ich keinerlei Handlungsbedarf.» Schwarz sieht in Hummler eine starke Persönlichkeit. Für die NZZ sei er von grossem Nutzen.

Der ehemalige NZZ-Journalist denkt nicht, dass Hummler das gleiche Schicksal ereilt wie Eric Honegger im Jahr 2001. Damals trat der VR-Präsident zurück, weil Honegger als Verwaltungsrat der Swissair in die Kritik geraten war. Honegger begründete seinen Rücktritt damit, dass er die publizistische Glaubwürdigkeit und die Handlungsfähigkeit der NZZ nicht gefährden wolle.

«Der Fall Wegelin hat nicht die gleiche nationale Bedeutung wie eine Swissair», meint Schwarz. Auch wenn der Wegelin-Verkauf ebenfalls Schweizer Wirtschaftsgeschichte schreibt, sieht Schwarz keine Parallelen zum Fall Honegger. Ganz ausschliessen will Schwarz einen Rücktritt nicht. «Sollte Hummler über Wochen ständig in den Medien sein, könnte sich die Frage stellen, ob das nicht zu negativ auf die NZZ abfärbt.» Nach derzeitigem Wissensstand würde es Schwarz sehr überraschen, wenn Hummler an der nächsten Generalversammlung im April zurücktreten würde.

NZZ-CEO bald Nachfolger von Konrad Hummler?

NZZ-intern wird bereits ein Nachfolger gehandelt. In der Belegschaft ist zu hören, dass Albert Polo Stäheli, CEO der NZZ-Mediengruppe, Hummler als VR-Präsident ablösen wird. Auf Anfrage kommentiert Unternehmenssprecherin Bettina Schibli: «Das Gerücht ist völlig aus der Luft gegriffen.» Der Verwaltungsrat sehe keinen Handlungsbedarf, beurteilt die weiteren Entwicklungen aber laufend.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.01.2012, 20:37 Uhr

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