Das lange Schweigen des UBS-Präsidenten

Seit zwei Wochen werfen deutsche Politiker der grössten Schweizer Bank Beihilfe zur Steuerhinterziehung vor. Weshalb äusserte sich UBS-Präsident Axel Weber erst jetzt?

UBS-Präsident Axel Weber liess lange auf sich warten, ehe er zu den Vorwürfen aus Deutschland Stellung nahm. Weber bei der Generalversammlung der UBS im Mai 2012.

UBS-Präsident Axel Weber liess lange auf sich warten, ehe er zu den Vorwürfen aus Deutschland Stellung nahm. Weber bei der Generalversammlung der UBS im Mai 2012. Bild: Keystone

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Fast zwei Wochen hat es gedauert, bis UBS-Präsident Axel Weber endlich das Wort ergriff. «Die UBS (UBSN 16.75 -0.30%) leistet keine Beihilfe zur Steuerhinterziehung», sagte der ehemalige Chef der Deutschen Bundesbank schliesslich der deutschen Wirtschaftszeitung «Handelsblatt». Auf ein klares Wort des obersten UBS-Bankers an die Adresse seiner Landsleute haben viele schon lange gewartet. Mehrere Schweizer Wirtschaftsjournalisten fragten, warum Weber nicht selbst zu den Vorwürfen von deutscher Seite Stellung nehme.

Die Pressesprecher an der Front müssen sich seit fast zwei Wochen mit dem Auftauchen einer neuen Steuer-CD herumschlagen. Man wisse von nichts, hiess es. Kurze Zeit später warfen deutsche Steuerfahnder und Politiker der UBS vor, sie schaffe das Geld der deutschen Kunden noch rasch nach Singapur, bevor das Steuerabkommen in Kraft tritt. Jetzt musste Jürg Zeltner, Chef des Vermögensverwaltungsgeschäfts, den Kopf hinhalten. «Wir verschieben keine Gelder nach Singapur», erklärte Zeltner am Dienstag.

Zeitaufwendige Abläufe in Grossunternehmen

Für den PR-Berater Christian König von der Farner Communications gehört die «hierarchische Eskalation» in Krisensituationen zum normalen Vorgehen von Kommunikationsfachleuten. «Zudem müssen sich auch Chefs erst mal schlaumachen und abklären, was sie sagen können», so König. Als Kenner grosser Konzerne hat der PR-Berater für die mitunter zeitaufwendigen Abläufe in internationalen Grossunternehmen Verständnis.

Bis die Kommunikations- und Vermögensverwaltungsfachleute der UBS den Wortlaut der Statements ihres neuen Chefs klären konnten, hat es dann noch etwas länger gedauert. «Wir leisten keine Beihilfe zur Steuerhinterziehung», sagt nichts über Geschehnisse in der Vergangenheit. Auch nicht darüber, wie weit diese schon zurückliegen oder noch an die Gegenwart heranreichen. Denn wenn das Datenmaterial auf den neuen CDs tatsächlich Beweise für aktive Beihilfe zur Steuerhinterziehung enthält, wäre ein falscher Satz des neuen Präsidenten fatal.

Aura der Glaubwürdigkeit

Als ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank hat Axel Weber viel zu verlieren. Sein ehemaliger Job als Inhaber eines öffentlichen Amtes verleiht ihm eine Aura der Seriosität und Glaubwürdigkeit. Gerade bei deutschen Journalisten, die Weber sieben Jahre lang als Bundesbankpräsidenten erlebten, haben seine Worte Gewicht. Seine Glaubwürdigkeit mit einem nicht hundert Prozent wahren Satz zu verlieren, wäre für ihn und die UBS fatal. Den hundertprozentigen Überblick über die Vorgänge in der Bank zu haben, für die er erst seit Mai arbeite, sei zudem nicht ganz einfach, gibt ein anderer PR-Profi zu bedenken.

Auch Ralph Spillmann von der Zürcher Agentur Communicators kennt die mitunter zähen Abläufe in «grossen Gebilden» wie der UBS. «Man kann nicht überstürzt etwas sagen, man muss es auch belegen können.» Dazu seien interne Abklärungen nötig, alles was nach aussen gesagt werde, müsse in Vernehmlassungen koordiniert werden, «bis alle zufrieden sind mit dem Wording». Ob die Abkehr von der Schwarzgeldstrategie bei der UBS bereits Realität ist, bedurfte offenbar längerer Recherchen.

Direkter Kontakt mit den Kunden

Spillmann geht davon aus, dass «die Umsetzung der Weissgeldstrategie, der sich die UBS verschrieben habe, noch Jahre in Anspruch nehmen wird». Die herkömmliche Bankenpolitik könne man nicht von heute auf morgen ändern. Das eigentliche Problem sieht Spillmann weniger in CDs, die den Vorwurf der Beihilfe zur Steuerhinterziehung belegen könnten, als im Vertrauensverlust, der bei den Kunden durch das Auftauchen der Steuer-CDs entsteht.

Dass Daten überhaupt aus den Banken herausgelangen konnten, entsetzt Spillmann am meisten. «Jetzt muss die Bank dafür sorgen, dass die Kunden, die ihr über die letzten Jahre treu geblieben sind, ihr Vertrauen nicht verlieren.» Spillmann geht davon aus, dass die UBS nach dem Auftauchen der Steuer-CDs direkt mit ihren Kunden Kontakt aufgenommen hat. Das sei wichtiger als die Kommunikation gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit. (DerBund.ch/Newsnet)

(Erstellt: 17.08.2012, 17:02 Uhr)

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