Wirtschaft

«Das könnte zum Bruch des Vereinigten Königreichs führen»

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 10.12.2011 176 Kommentare

Im Gespräch mit DerBund.ch/Newsnet erklärt Henning Meyer, Experte der London School of Economics, warum Grossbritannien sehr wahrscheinlich aus der EU austreten wird.

1/18 Er hat seine Zustimmung verweigert: Der britische Premierminister David Cameron forderte Spezialregelungen für den britischen Finanzplatz – und blitzte damit ab. (9. Dezember 2011)
Bild: Keystone

   

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«Cameron ist die Geisel seiner eigenen europaskeptischen Parlamentsfraktion», sagt Henning Meyer, Experte für internationale Beziehungen der renommierten Universität London School of Economics (LSE) in London. Im Gespräch mit DerBund.ch/Newsnet zeichnet Meyer ein düsteres Bild für die ökonomische und politische Zukunft des Inselstaats. Er geht davon aus, dass Grossbritannien das erste Land sein könnte, das aus der EU austreten wird.

Zu gross sei der Druck auf Cameron geworden, er müsse jetzt die politischen Nationalinteressen auf Gedeih und Verderb verteidigen. Damit steht es 26 zu 1 in der EU: Das Vereinigte Königreich gegen Resteuropa. «In Grossbritannien sieht man das so, dass die europäische Integration nur dazu da ist, der britischen Rolle mehr Gehör zu verschaffen», erklärt Meyer die mauernde Haltung von Premier David Cameron heute in Brüssel. Es gehe ausschliesslich um die Durchsetzung des nationalen Interesses. «Das führt entweder zum Austritt aus der EU oder dazu, deren Integrationsprozess zu lähmen.» Diese Tendenz sei durch Camerons Veto jetzt noch stärker geworden. Cameron sei vom Typ her eher «pragmatisch angehaucht» und «kein Herzeuropäer», so Meyer. Mit der Konsequenz: «Alles, was jetzt aus Brüssel kommt, wird umso mehr infrage gestellt und die Gräben zwischen der EU und Grossbritannien werden tiefer.»

Die exklusive britische Haltung gehe auf Churchills Kolonialpolitik zurück, so der Experte. «Der einzige gemeinsame Nenner ist Grossbritannien selbst, das kann man durchaus als Kolonialkomplex bezeichnen.» Dem Gemeinschaftsgedanken der EU und dem Prinzip einer supranationalen Macht steht das diametral entgegen. Deswegen habe Grossbritannien seine Beziehungen zu den USA so intensiv gepflegt. Doch US-Präsident Barack Obama sei «ein pazifischer und kein atlantischer Präsident». Das nage an den «special relations politics» der Briten.

Schottland spaltet Königreich

Meyers Ansicht nach werde es in nicht allzu ferner Zukunft ein Referendum geben, das zum besagten Austritt aus der EU führe. Denn die Bevölkerung sei schon lange gegen einen Verbleib in der Europäischen Union. Dann habe Grossbritannien aber auch ein innenpolitisches Problem: «Die schottische Regierung will ein Referendum über Schottlands Unabhängigkeit abhalten. Mittelfristig will Schottland zur EU und auch den Euro einführen. Das könnte zum Bruch des Vereinigten Königreichs führen.»

Meyer glaubt, dass Grossbritannien langfristig dem Beispiel der Schweiz folgen werde. Und damit zwar Teil der Freihandelszone Efta bleiben, aber nicht mehr der EU angehören werde. «Die UK Independence Party wurde nur aus dem Grund gegründet, um dieses Anliegen durchzusetzen.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.12.2011, 17:19 Uhr

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176 Kommentare

Michael Wyss

09.12.2011, 17:38 Uhr
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Ich glaube nicht, dass Schottlands Bevölkerung in die EU will. Man kämpft nicht jahrhundertelang für die Unabhängigkeit um sich dann innert kürzerer Zeit sich dem nächsten "Unterdrücker" an zu schliessen. Dafür sind die Schotten zu stolz. Antworten


Roman Fenner

09.12.2011, 20:44 Uhr
Melden 92 Empfehlung

Schon seltsam. Das Argument nur Grossbritannien sei unzufrieden mit der Mitgliedschaft in der EU kann ich nicht nachvollziehen. Von allen mir bekannten EU-Bürgern (Deutsche, Österreicher, Italiener) spricht keiner, wirklich keiner nur im Geringsten positiv über dieses Konstrukt. Würde in der EU endlich mal das Volk befragt wären wohl einige nicht mehr dabei. Antworten



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