Wirtschaft

Reto Knobel
Ressortleiter Digital


«Das ist ein historischer Entscheid»

Aktualisiert am 22.04.2010 26 Kommentare

Nach der Ablehnung der Fusion zwischen Orange und Sunrise besteht die Gefahr, dass eines der beiden Unternehmen die Schweiz verlässt, sagt Liberalisierungsexperte Matthias Finger. Und zwar nicht dasjenige, das damit gedroht hat.

Wenig Spielraum: «Es gab für die Weko nur zwei Möglichkeiten: Die Fusion ablehnen oder ein starkes Unternehmen Orange/Sunrise genehmigen – ohne Auflagen», sagt Matthias Finger.

Wenig Spielraum: «Es gab für die Weko nur zwei Möglichkeiten: Die Fusion ablehnen oder ein starkes Unternehmen Orange/Sunrise genehmigen – ohne Auflagen», sagt Matthias Finger.
Bild: Keystone

Der Schweizer Matthias Finger ist Liberalisierungsexperte und Professor für Netzwerk-Dienstleistungen an der ETH Lausanne.

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Matthias Finger, die Schweizer Telekomkonzerne Orange und Sunrise dürfen nicht fusionieren, die Wettbewerbskommission (Weko) verbietet den Zusammenschluss. Hat Sie der Entscheid überrascht?
Absolut. Das ist ein historischer Entscheid.

Ist es auch ein guter Entscheid?
Das weiss man jetzt noch nicht. Die Weko jedenfalls geht ein grosses Risko ein.

Weshalb?
Was passiert jetzt? Die Muttergesellschaft der Sunrise möchte sich auf Skandinavien konzentrieren. Sie wollte Sunrise verkaufen. Jetzt steht zu befürchten, dass Sunrise die Schweiz verlässt. Denn Sunrise kommt in der Schweiz nicht richtig vom Fleck. Es ist schwierig, sich gegen die dominante Swisscom (SCMN 405.5 0.25%) auf dem Markt zu etablieren.

Es war das Unternehmen Orange, das gedroht hat, sich bei einem Platzen der Fusion aus der Schweiz zurückzuziehen.
Auch das ist möglich, aber wenig realistisch. Die Schweiz ist ein interessanter Markt für Orange. Orange hat sich schon lange damit abgefunden, dass die Swisscom nicht ernsthaft gefährdet werden kann. Im Vergleich zu Sunrise hat Orange wenig investiert und von den hohen Preisen hierzulande profitiert.

Darum muss man eigentlich der Weko recht geben, wenn sie sagt, dass sie die Fusion wegen der Gefahr einer kollektiv marktbeherrschenden Stellung ablehnt.
Ja. Der Entscheid ist so gesehen konsequent. Es gab für die Weko nur zwei Möglichkeiten: Die Fusion ablehnen oder ein starkes Unternehmen Orange/Sunrise genehmigen – ohne Auflagen.

Warum ohne Auflagen?
Auflagen jeder Art hätten die Konkurrenz geschwächt und die Swisscom nur noch dominanter gemacht.

Was bedeutet der Entscheid für die Swisscom denn?
Vorerst ändert sich nichts. Auch, was das Preisniveau betrifft. Erst wenn Sunrise oder Orange die Schweiz aufgeben oder Sunrise einen anderen Käufer findet, kommt Bewegung in den Markt. Die Weko ist sicher frustriert über die Swisscom, denn die Weko ist sehr interessiert an guten Preisen in der Schweiz. Und die haben wir nicht, weil Swisscom der alles dominierende Player ist.

Werden die beiden Unternehmen den Entscheid anfechten?
Sie können den Weko-Entscheid weiterziehen. Die Swisscom hat ja bis jetzt fast jeden Weko-Entscheid angefochten. Aber ich bezweifle, dass auch die Konkurrenz so handelt. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.04.2010, 10:56 Uhr

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26 Kommentare

Ronnie König

22.04.2010, 11:15 Uhr
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Na und? Geht der eine kommt der andere. Bei diesem kleinen Markt, aber doch satten Gewinnen, dürfte sich schnell ein Anbieter finden lassen. Antworten


Peter Graf

22.04.2010, 13:52 Uhr
Melden

Ich finde den Entscheid absolut stossend. Die Swisscom hat im CH-er Mobilfunkmarkt einen Marktanteil > 60%. Da kann man der Konkurrenz die Fusion nicht verbieten. Wenn man das logisch durchdenkt, müsste man die Swisscom zerschlagen, weil sie eine marktdominierende Stellung einnimmt. Im Sinne der Konsumenten ist der Entscheid der WEKO nicht! Wir werden weiterhin eine Hochpreisinsel bleiben. Antworten



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