Wirtschaft

Das Oberland hofft auf einen Boom

Von Olivia Raths. Aktualisiert am 21.04.2012 13 Kommentare

Der TGV kommt nach Interlaken: Ab Dezember fährt er direkt von Paris dorthin. DerBund.ch/Newsnet wollte von der Tourismusbranche und von Experten wissen, was das für den Tourismus bedeutet.

1/3 Auf ins Berner Oberland: Der TGV Lyria fährt ab Dezember 2012 entlang des Thunersees nach Interlaken.
Bild: Bildmontage Robertus Laan, Jungfrau Tours

   

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Gepäck durch den überfüllten Bahnhof schleppen, Gleis suchen, Gepäck im nächsten Zug verstauen, endlich absitzen: Umsteigen beim Reisen ist oft mühsam, umso mehr für Ortsunkundige. Der Umsteigerei wird bald ein Riegel geschoben, zumindest auf der Zugstrecke von Paris in die Tourismusregion Berner Oberland. Ab dem 9. Dezember wird die TGV-Verbindung Paris–Bern bis nach Interlaken verlängert, und so bleibt den Reisenden dorthin das Umsteigen in der Bundeshauptstadt erspart.

Reisen von Paris nach Interlaken sind vor allem bei asiatischen Touristen beliebt. Was heisst das für die Tourismusregion Berner Oberland? «Wir erwarten einen Boom bei den Touristen aus Asien», meint Daniela Bär, Mediensprecherin von Schweiz Tourismus, auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet. «Bereits heute ist Interlaken bei den Gästen aus Japan die drittbeliebteste Schweizer Destination nach Zermatt und Grindelwald. Bei den Besuchern aus China rangiert Interlaken ebenfalls auf Rang drei, allerdings nach Luzern und Zürich.»

Die Logiernächte chinesischer Gäste in Interlaken seien 2011 um 80 Prozent gestiegen, zitiert Bär aus der Beherbergungsstatistik 2011 des Bundesamts für Statistik (BFS). Generell sei der Markt China 2011 enorm gewachsen. «Durch die Anbindung von Interlaken ans TGV-Lyria-Netz wird diese positive Entwicklung wohl weiter verstärkt», ist sich Bär sicher.

Mehrere Zehntausend Passagiere pro Jahr

«Ein touristischer Hotspot wird erschlossen», meint Christian Lässer, Professor für Tourismus und Dienstleistungsmanagement an der Universität St. Gallen, gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Er rechnet durch die neue Direktverbindung zwar mit einer Zunahme an Touristen, jedoch nicht mit einem Boom. Für Lässer steht vor allem im Vordergrund, dass die Gäste an Komfort gewinnen, indem sie auf der Reise nach Interlaken nicht in Bern umsteigen müssen. Die Nachfrage nach einer solchen Verbindung sei gross, so der Professor.

«Die Region Berner Oberland ist schon heute sehr gut besucht von Touristen etwa aus Indien, China, Japan und Korea», erklärt Stefan Otz, Direktor von Interlaken Tourismus, gegenüber DerBund.ch/Newsnet. «Jetzt geht es vor allem um den Komfortgewinn.» Laut dem Tourismusdirektor, der mit seiner Arbeitsgruppe bei der Umsetzung dieser Direktverbindung eine zentrale Rolle spielt, besteht jährlich ein Potenzial von mehreren Zehntausend Passagieren auf der direkten TGV-Linie. Nicht zuletzt, weil die Route Paris–Interlaken–Florenz populär sei bei den Touristen. Interlaken sei zudem beliebt als Ausgangspunkt für Ausflüge nach Thun, Grindelwald, Gstaad oder Mürren, führt Otz weiter aus.

«Lötschbergtunnel ist eine Erfolgsgeschichte»

Gute Erfahrungen machte Interlaken bereits mit einer Direktverbindung des deutschen ICE aus Berlin. Wegen ihres Erfolgs sei das Angebot auf dieser Strecke ausgebaut worden, so Otz. Dass eine direkte respektive schnellere Bahnverbindung für mehr Touristen sorgt, zeigen auch Zahlen aus dem Wallis: «30 Prozent mehr Gäste besuchten kurz nach der Eröffnung des Lötschbergtunnels den Kanton», sagt Bruno Huggler, Vizedirektor und Leiter Gästemarketing von Wallis Tourismus. «Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, investieren die lokalen Verkehrsbetriebe in weitere Infrastruktur. Auch das zeigt, dass der Lötschbergtunnel eine Erfolgsgeschichte ist.»

Seit der Inbetriebnahme im Juni 2007 habe der Verkehr auf der neuen Lötschbergstrecke rund 40 Prozent gegenüber der alten Bergstrecke zugenommen, wie SBB-Sprecher Christian Ginsig gegenüber DerBund.ch/Newsnet darlegt. Exakte Passagierzahlen geben die SBB jedoch nicht bekannt. Die Hotellerie im Wallis verzeichnete im Jahr nach der Eröffnung der neuen Route über acht Prozent mehr Gäste aus der Schweiz, danach sanken die Zahlen wieder auf das vorherige Niveau. Dies legt den Schluss nahe, dass zahlreiche Tagestouristen die neue Strecke benutzen.

Nicht nur die Bahn, sondern auch die Luftfahrt sorgt für touristische Aufschwünge, ist HSG-Professor Lässer überzeugt. Ihm zufolge sorgte etwa Anfang der Nullerjahre die neue Ryanair-Strecke London–Pisa für neue Touristenströme. Auch in Australien habe er ähnliche Phänomene beobachtet, sobald ein Ort besser zugänglich gemacht worden sei, so Lässer. «Zugänglichkeit», das ist für ihn das magische Wort. Darum ist er der Ansicht, dass Bern besser mit den grossen Flughäfen der Welt wie etwa London verbunden werden soll. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.04.2012, 07:14 Uhr

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13 Kommentare

Markus Berner

21.04.2012, 11:49 Uhr
Melden 26 Empfehlung 0

Zum Sitzenbleiben ein Fortschritt. Aber der "train à grand vitesse" verkommt mit der Bahntechnik-Infrastruktur in der Schweiz wohl definitiv in der Schweiz zum Bummelzug. Antworten


Damian Meier

21.04.2012, 08:41 Uhr
Melden 23 Empfehlung 0

Doch mal zur Ausnahme "good news" für die Tourismusbranche! Weiter so!!! ; ) Antworten



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