Das Fertighaus von Coop – eine Mogelpackung?
Von Peter Schaad. Aktualisiert am 28.09.2009 24 Kommentare
Freiwilliger Baustandard
Minergie ist ein freiwilliger Baustandard in der Schweiz, der den rationellen Energieeinsatz und die breite Nutzung erneuerbarer Energien ermöglicht und gleichzeitig den Wohnkomfort erhöht. Die Marke Minergie ist weltweit geschützt und gehört dem Verein Minergie. Dem Verein gehören rund 380 Mitglieder aus Bund, Kantonen, Wirtschaft, Fachhochschulen und Universitäten sowie rund 880 Minergie-Fachpartner an.
Minergie-Gebäude sind besser gedämmt, haben bessere Fenster als ein Bau nach dem Stand der Technik und haben stets eine Komfortlüftung. Diese stellt sicher, dass die Gebäudenutzer jederzeit frische und gute Luft atmen können und Pollen, Feinstaub und Lärm draussen bleiben. Die Zertifizierung eines Objektes ist kostenpflichtig und erfolgt auf Antrag eines Architekten oder Ingenieurs bei einer der 27 kantonalen Zertifizierungsstellen oder – im Falle des 2001 eingeführten, mit höheren Anforderungen verbundenen Minergie-P-Standards – bei einer zentralen Zertifizierungsstelle an der Fachhochschule Luzern in Horw. In einem ersten Schritt werden provisorische Zertifikate erteilt, die es ermöglichen, ein Minergie-Objekt zu bewerben und zu verkaufen. Im Nachgang zur Baubestätigung durch die ausführenden Fachleute wird das Minergie-Zertifikat dann definitiv ausgehändigt.
Gegenwärtig sind in der Schweiz über 13'800 Gebäude nach Minergie- und über 430 nach Minergie-P-Standard zertifiziert. Die beheizte Nutzfläche in diesen Objekten liegt bei 14,4 Millionen Quadratmetern. (ps)
Rezession, Stellenabbau, Aussichten auf steigende Energiepreise: Das Umfeld für junge Familien, die sich ein Eigenheim mit gutem Wohnkomfort und niedrigem Energieverbrauch anschaffen möchten, ist trotz tiefen Hypothekarzinsen alles andere als ideal. Die Gebäudekosten für ein konventionelles Low-Budget-Einfamilienhaus mit 5 1/2 Zimmern liegen heute bei rund 500'000 Franken. Die Mehrkosten für den Standard-Minergie-P machen rund 8 Prozent aus. Die Totalkosten für ein preisgünstiges Minergie-P-Einfamilienhaus – immer ohne Land – kommen somit auf rund 540'000 Franken zu stehen.
Fertighäuser als Alternative
Günstigere Alternativen bieten sich über die Zusammenarbeit mit ausländischen Fertighausherstellern an. Nachdem im Juni bereits der Discounter Otto's mit günstigen Angeboten – 369'000 bis 469'000 Franken – in diesen Markt einstieg, zieht nun Coop mit noch tieferen Preisen nach. Ihre Einfamilienhäuser zu 299 900 Franken (4 1/2 Zimmer, 128 Quadratmeter Wohnfläche) und 346 818 Franken (5 1/2 Zimmer, 154 Quadratmeter Wohnfläche) bietet Coop Bau+Hobby gegenwärtig mit ganzseitigen Inseraten und im Internet (www.coopminergie.ch) an. Während bei Otto's ein Minergie-Paket als Option – ab 21'000 Franken – angeboten wird, ist bei Coop der Minergie-P-Standard (siehe Kasten) bereits inbegriffen. Die Preise von Otto's wie Coop verstehen sich – wie beim Beispiel oben – ohne Land; bei Coop kommt zusätzlich noch der Preis für die Unterkellerung dazu.
Das Interesse sei «riesig», Vertragsabschlüsse gebe es aber noch keine, sagt Andreas Frischknecht, Leiter von Coop Bau+Hobby in Lenzburg. Energiesparendes Bauen sei nun nicht mehr teurer als konventionelles, «möglicherweise sogar günstiger». Die Käufer können laut Frischknecht innerhalb des Festpreises unter verschiedenen Innenausbau-Paketen von Coop Bau+Hobby wählen – etwa beim Bodenbelag, den Wänden, und den sanitären Einrichtungen. Die Küche muss bei der zu Coop gehörenden Elektrogeräte-Kette Fust ausgewählt werden; das Zückerchen ist ein Fust-Küchengutschein über 10'000 Franken. Keine Einschränkungen bestehen bei der Wahl des Finanzpartners – es muss also nicht die Bank Coop sein.
Hergestellt werden die Häuser bei der österreichischen Fertighaus-Gruppe ELK, die sich auf ihrer Homepage als «Nummer eins im europäischen Fertighausmarkt» bezeichnet. ELK – und nicht Coop – ist Vertragspartner der Schweizer Bauherren. Eine von ELK gegenwärtig angebotene Aktion – die Übernahme aller Heizkosten für zehn Jahre – ist im Coop-Angebot ebenfalls enthalten.
Verletzung des Markenrechts
Zu besichtigen ist das 4 1/2-Zimmer-Musterhaus von Coop an der Home Expo im aargauischen Suhr, der ersten Musterhausausstellung ausländischer Fertighaushersteller in der Schweiz. Der Haken dabei: Coop bezeichnet das in Suhr ausgestellte Objekt als Minergie-P-Haus und hält zudem in ihrer Werbung fest, das Haus sei von der Minergie-P-Zertifizierungsstelle Schweiz geprüft und zertifiziert worden. Für Franz Beyeler, Geschäftsführer des Vereins Minergie Schweiz, ein Ärgernis: «Ich habe mir das Musterhaus in Suhr angeschaut; es erfüllt die Anforderungen des Minergie-P-Standards mitnichten.» Er habe in der Folge sowohl den zuständigen Architekten Hansjürg Kissling wie auch ELK Schweiz mit dem Hinweis auf den weltweit bestehenden Schutz der Marke Minergie abgemahnt, sagt Beyeler – bisher ohne jegliches Echo.
Coop will Vorschriften einhalten
Das im Mittelpunkt der Coop-Werbeaktion stehende Haus in Suhr verfügt zwar über das provisorische Zertifikat für den gewöhnlichen Minergie-Standard, nicht aber jenes für den Minergie-P-Standard. Da sowohl die Marke Minergie wie auch alle unterschiedlichen Minergie-Kennzeichen weltweit geschützt seien, handle es sich um eine Verletzung des Markenrechts, so Beyeler.
Die Suppe dürfte letztlich aber nicht so heiss gegessen werden: Coop-Mann Andreas Frischknecht sicherte am Sonntag schriftlich zu, dass Coop bei allen Bauten die Einhaltung des Minergie-P-Standards garantiere. Zudem werde das Musterhaus in Suhr dem Minergie-P-Standard angepasst. Es sei erstellt worden, bevor Coop entschieden habe, mit ELK in den Fertighausmarkt einzusteigen.
Die offenen Fragen sollen noch diese Woche zwischen der zuständigen Projektleitung von Coop und der Zertifizierungsstelle von Minergie-P geklärt werden. Minergie-Geschäftsführer Beyeler zeigt sich einsichtig: Vermutlich habe man bei Coop in Unkenntnis der Sachlage gehandelt. Wenn das Haus nun entsprechend nachgebessert werde, dürfte man vermutlich «ein Auge zudrücken» – konkret auf ein Verfahren verzichten. Am Prinzip des Markenschutzes werde aber nicht gerüttelt – zum Schutz all jener, die sich korrekt verhielten. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.09.2009, 15:37 Uhr
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24 Kommentare
Es lohnt sich auf jeden Fall, sich auch das traditionelle Architektenhaus offerieren zu lassen. Wenn man schon das erste und vermutlich einzige mal im Leben baut, sollte man sich auch Individualität gönnen. Zumal der Preis nicht höher sein muss als bei einem "Haus ab Stange"! Jedes Grundstück ist anders. Auch die Bedürfnisse der zukünftigen Bewohner sind doch nicht "ab der Stange!"... Antworten
@Hans Indermauer. Ja, die 100'000 sind wohl ein wenig tief angesetzt. Ich hab gebaut und ein Fertighaus Objekt "geerbt" (Weber-Haus, ein höherwertiges Objekt). Der Mitarbeiter meinte sogar, dass ein Fertighaus kaum billiger ist, als ein "konventionelles" Haus. Dann lieber mit einem guten Architekt individuell bauen. Wenn der gut rechnen kann, sind die Kosten auch im Griff!!!! Antworten
Bei Coop Haus versteht sich der Preis ab Oberkante Bodenplatte oder Oberkante Kellerdecke. Die Bodenplatte oder Keller kommen noch dazu. Storen oder Rolladen, Dachvorsprung, Balkon, etc... kommen auch als Extra dazu... Sowie Minergie-P (Bodenplatte mit Zertifizierung ca. 38'000 Franken)... Ich frage mich, ob es wirklich möglich ist, eine vernünftige Küche für 10'000 Franken zu bauen. Antworten
DAS ist in allen belangen, raumplanerisch, architektonisch, wirtschaftlich, ökologisch eine KATASTROPHE. diese unternehmungen nehmen ihre gesellschaftliche verantwortung nicht war! qualität wird hier mit den füssen getreten und mit irgendwelchen labels schöngefärbt. da sollte sich auch die minergie-zertifizierungsstelle genau überlegen was sie zu tun gedenkt, um nicht an bedeutung zu verlieren! Antworten
Andreas Schnyder, ob die Fr. 100000.-- reichen werden ist fraglich, vermutlich ist es mehr. Bei Fertighäuser ist zu beachten dass meistens die billigsten Produkte eingesetzt werden, wünscht man dann z.B. eine feine Küche oder schönere Plättli dann kommen da zünftige Mehrkosten dazu. Es gibt viele die ein Fertighaus nie mehr bauen würden, leider äussert sich kaum jemand dazu, ist es die Scham? Antworten
Würde mir von COOP ein Minimum an architektonischem Willen wünschen. Das hier ist aber nicht nur ein missratener Minergie-Versuch sondern vor allem ein Nullarchitektur-Gebilde, das mit seinem beschämenden Erscheinungsbild unsere Umwelt verschandelt. Jede Diskussion um das Deckmäntelchen Minergie bei diesem Beispiel ist reine Energieverschwendung. Schuster bleib bei Deinen Leisten! Antworten
Ich schliesse mich den Votanten von vorher an: Die meisten Leute wohnen in der Agglo und dort sind primär die Landkosten und die Verfügbarkeit von Land das Problem. In diesem Sinne für die meisten von uns ein irrelevantes Thema, vom Design ganz zu schweigen. Antworten
ich kaufe mein fleisch beim schweizer metzger, brot bei schweizer bäcker, konsumenten sollten dort kaufen wo die verkäufer jahrelange erfahrungen haben, coop und ottos bitte nur lebensmittel verkaufen und nicht häuser ! schweizer wirtschaft wächst nur wenn wir unsere eigene handwerker unterstützen, wir schweizer stehen auf qualität und nicht auf huschi huschi arbeit ! Antworten
für 500k kriegt man ein sehr gutes haus! die erwähnte zahl stimmt um mind 100k nicht! zusätzlich wie erwähnt noch gebühren/land (250-xxxk). PS: Ottos hat nach eigenen angaben noch kein haus verkauft! nebenbei: coop wie ottos ist gesamthaft nicht wirklich günstig; nutzen einfach ihren brand. AGBs genau durchlesen... Antworten
Das ist Marketing 2009. Bin ich jung und sehe das Haus von Coop, dann kommen mir doch die Gedanken, so etwas sollte ich auch haben. Vor allem, wenn es mir im Mund wässrig gemacht wird. Betreffend Preise der Grundstücke ist hier nichts geschrieben. Also bei 500 m2 zu Fr. 800,-- kämen noch Fr. Fr 400'000,-- zusätzlich zu den Fr. 540'000,-- dazu, also auf ca. Fr. 1'04'000,-- . Ein schöner Preis. Antworten
Es ist schon spannend was den Leuten einfällt! Kaufen im Ausland möglichst Billig und das mit Top Qualität und Service. Ich wünsche viel vergnügen bei der ersten Reparatur, an alle so schlauen Schnöppchenjeger. Ist das vielleicht die Antwort für Hausbesitzer für auswärtige...................... Antworten
Es ist eine gefährliche Entwicklung, dermassen billige Häuser anzubieten. Da dies mit ausländischen Herstellern gemacht wird, gehen weitere Arbeitsplätze verloren. Die schicken dann auch noch ihre Monteure und weitere Arbeitsplätze sind weg. Warum müssen wir Schweizer ständig an den Aesten sagen, auf denen wir sitzen? Antworten
Natürlich fehlt bei dem genannten Preis noch der Grundstückspreis: Also je nach Lage und eigenen Bedarf so zwischen 70.000-500.000 sfr., zusätzlich noch Unterkellerung, Baubewilligung, Anschlussgebühren, Extrawünsche etc., vielleicht nochmal ca. +/- 100.000 sfr. -> Also alles insgesamt wirklich ein super Schnäppchen..... Antworten
Endlich kommt Bewegung in den verkrusteten Häuslemarkt. In der Schweiz werden alle überrissenen Preise mit dem hohen Standart gerechtfertigt. In Deutschland habe ich bessere und "billigere" Häuser gesehen. Wenn „ minenergie“ eine geschützte Marke ist, dann sofort als Coop-Minienergie-Haus verkaufen. Antworten
Aufgepasst liebe Häuslebauer. Die Kosten für den Keller, die Anschlussgebühren, Baubewilligung, Aushub, Garten und Zugangsgestaltung dürfen nicht unterschätzt werden und läppern sich ganz schön zusammen. Auch der Carport als Minimalvariante darf (vom Gesetz) her nicht fehlen. Und das alles läppert sich zusammen. Da kommen schnell noch einmal 100000 zusammen. Antworten
Guter Ansatz von COOP um eine effiziente Reduktion in Energie resp. CO2-ausstoss zu erreichen. Es ist hingegen ersichtlich das die Beweggruende aller Beteiligten immer noch groesstmoeglicher Gewinn ist. Beide schreiben sich aber "Umweltschutz" auf ihre Flagge. Gewinn gemeinsam zu tielen/reduzieren durch Kommunikation und Kooperation ist so schwierig ein Gedanke wie "Egalite" vor der Revolution? Antworten
Nachdem der allesfressende Riese "COOP" sich auch noch diesen Markt einverleibt hat frage ich mich ernsthaft wie lange es wohl noch dauert bis COOP auch im Bestattungs- Grabstein- und Friedhofwesen mitmischelt! Bestimmt wird es eines Tages zum grossen Kolaps kommen, denn so kann das nicht weitergehen, MIGROS und COOP zerstören die KMU...und zwar sukzessive! Drum KMU wehrt euch! Antworten
Wirtschaft
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Internet auf dem Fernsehen: Der Trend geht klar in diese Richtung. Werden Sie sich einen Smart TV kaufen?
Ja, auf jeden Fall
Nein, interessiert mich nicht
Erst wenn die Geräte billiger geworden sind
Ich habe schon einen












































Brigitte Iten
Ich war gestern in Suhr das "Objekt der Begierde" anschauen. Es hat mir sehr imponiert, vor allem der Preis, ich glaube nicht, dass man etwas in gleicher Qualität für diesen Preis bauen kann. Der Küchengutschein von Fust ist für Fr. 10.000.--. d.h. die Küche die man aussucht ist einfach um 10'000.-- billiger. Ich glaube mit wenig Geld ein tolles Angebot. Antworten