Credit Suisse baut 1000 Stellen ab
Von Arthur Rutishauser. Aktualisiert am 31.10.2011 53 Kommentare
Aktie auf Erholungskurs: Bei der CS von Brady Dougan kommt es zu einem erneuten Abbau von rund 1000 Stellen.
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Normalerweise ist die Bekanntgabe der Quartalszahlen bei der Credit Suisse (CSGN 19.09 -1.39%) eine trockene Sache. Ausser ein paar Journalisten und Analysten, die angestrengt übers Internet die Zahlenpräsentation verfolgen, nimmt sie kaum jemand zur Kenntnis. Doch am nächsten Dienstag ist alles anders. Dann wird CS-Chef Brady Dougan bekannt geben, dass er seine Investmentbank neu ausrichten will. Dabei wird es um mehr gehen als um leere Worthülsen wie die seit Jahren abgegebene Zusicherung, man werde künftig nicht mehr auf eigene Rechnung spekulieren und die Dienstleistungen der Investmentbank noch stärker auf die Kunden ausrichten.
Diesmal will Dougan ernst machen und das Fixed Income, das Geschäft mit festverzinslichen Anleihen, ernsthaft beschneiden. Um gegen 100 Milliarden Franken sollen die risikobehafteten Aktiven der Bank – die Risk Weighted Assets (RWA) – reduziert werden.
Unterkapitalisierung abwenden
Das ist gegenüber heute fast eine Halbierung. Grund für die massive Risikoreduktion sind die neuen Kapitalvorschriften des Bundes und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Diese verlangen, dass künftig viel mehr Aktiven als risikobehaftet angesehen werden – und dass zweitens viel mehr Eigenkapital (19 Prozent statt wie bisher 8 Prozent) unterlegt werden muss.
Bei der Credit Suisse würde dies laut einer Pro-forma-Rechnung im Geschäftsbericht ohne Restrukturierung dazu führen, dass die risikobehafteten Aktiven von rund 200 auf 300 Milliarden Franken steigen. Das verlangte Eigenkapital läge bei knapp 60 Milliarden. Bis Ende Jahr hat die CS aber nur etwa 40 Milliarden anrechenbares Kapital. Die geplanten Massnahmen erleichtern also die Einhaltung der neuen Regeln, sie wenden die Gefahr von Dividendenkürzungen und Kapitalerhöhungen vorerst ab. Das dürfte den arg gebeutelten Aktienkurs weiter stützen.
Dafür kommt es zu einem erneuten Abbau von rund 1000 Stellen, die meisten davon im Investmentbanking. Ein sichtbares Zeichen für die Neuausrichtung ist die bereits in den Markt durchgesickerte Auflösung der US-Abteilung für kommerzielle Kredite. Ein Geschäft, das bereits in der Finanzkrise Milliardenverluste bescherte, weil die US-Einkaufszentren in der Krise zu wenig Kunden hatten. Das Geschäft wurde indes in den letzten Jahren auf neuer Basis wieder aufgebaut. Wegen der schlechten Konjunkturaussichten in den USA steigt die CS nun ein zweites Mal aus.
Nicht alle Standorte werden überleben
In der Vermögensverwaltung läuft zudem seit Anfang August ein Effizienzprogramm, initiiert vom neuen Chef Hans-Ulrich Meister. Weil im schwierigen Marktumfeld die Profitabilität gelitten hat, muss gespart werden. Da nach den Steuerabkommen mit Deutschland und Grossbritannien Milliarden abfliessen werden, braucht es in der Schweiz weniger Vermögensverwalter. Hinzu kommt die passive Haltung der Kunden, da die Aktienkurse ständig sinken.
In ganz Europa hat die Bank die Investitionen für die Präsenz vor Ort unter- und vor allem die künftigen Erträge überschätzt. Es ist davon auszugehen, dass nicht alle 12 Standorte in Deutschland überleben werden. Mindestens nicht in der heutigen Form. Ausgebaut wird hingegen die Präsenz in den Boommärkten, namentlich in Brasilien und in Asien. In Bezug auf Brasilien soll am Dienstag eine Offensive bekannt gegeben werden.
Sonderposten verfälschen Bild
Gemäss gut unterrichteter Quellen ist am Dienstag in Sachen Steuerabkommen mit den USA nicht viel Neues zu erwarten, obwohl die Verhandlungen der Schweiz mit den USA in einer entscheidenden Phase sind. Das Quartalsergebnis der CS wird wie bei der UBS verfälscht durch ausserordentliche Gewinne und zusätzliche Aufwendungen. Am stärksten schlägt die Marktbewertung eigener Verpflichtungen zu Buche, 1,3 Milliarden Franken ausserordentlichen Gewinn soll es dank diesem seltsamen Buchungseffekt geben.
Negativ ins Gewicht fallen höhere Kosten wegen der Bankenabgabe in Grossbritannien (60 Millionen Franken), ein Aufwand von 180 Millionen Franken für den Vergleich im Steuerstreit in Deutschland – und ein Restrukturierungsaufwand von 150 Millionen Franken für den bereits im Juli bekannt gegebenen Stellenabbau. Die CS wollte sich auf Anfrage nicht äussern. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.10.2011, 17:36 Uhr
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53 Kommentare
Könnte es sein, dass die CS bei den erhöhten Eigenkapitalvorschriften die Boni nicht mehr bezahlen kann, wenn Sie keine Leute entlässt? So oder anders: Sie zieht sich langsam aus dem miesen Geschäft zurück, das unendlich viele Leute ins Leid gestürzt hat und noch wird. Eine gute Nachricht. Antworten
sorry, aber ich kann den mist nicht mehr lesen. diese giermanager und politikerlemminge reissen den planeten noch ganz in den abgrund. und falls es wirklich nur investmentbanker sind die auf die strasse gestellt werden ist das sowas von egal, die verdienen so gut, dass sie jahre ohne job auskommen könnten. Antworten
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