Coop will 3000 Tonnen weniger CO2 austossen

Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 04.09.2010 4 Kommentare

Der Kauf von Railcare soll 4 Millionen Kilometer auf der Strasse vermeiden. Der Grossverteiler sieht im Zugtransport weitere Vorteile für sich.

Mit dem Verlad auf die Schiene Marktanteile gutmachen: Coop in Zürich.

Mit dem Verlad auf die Schiene Marktanteile gutmachen: Coop in Zürich.
Bild: Keystone

Seit dieser Woche hat Coop eine eigene Cargobahn. Die bis anhin unabhängige Railcare hat zwar lediglich 50 Mitarbeitende, aber ein innovatives Konzept: Sie arbeitet mit Pendlerzügen, ist also eine S-Bahn im Cargo-Bereich. Weil die Züge kürzer sind als normale Güterzüge, können sie vom Tempo her mit Personenzügen mithalten und so auch tagsüber fahren. Für den Detailhandel, der seine Ware aufgrund von Engpässen auf der Schiene meist über Nacht verschieben muss, ist das interessant. Zudem bietet nur Railcare eine Komplettlösung aus einer Hand an, welche die ganze Transportkette umfasst: vom Absender in Wechselbehältern via Lastwagen zum Zug und nach der Zugfahrt via Lastwagen zum Empfänger.

Gemäss Medienmitteilung will Coop damit die Convenience-Shops von Coop Pronto beliefern und die Supermärkte mit Pizza und anderer Tiefkühlware versorgen. Später sollen auch Baumärkte und Coop-City-Warenhäuser so beliefert werden. Damit will der Grossverteiler im Jahr über 3000 Tonnen weniger CO2 ausstossen und 4 Millionen Kilometer auf der Strasse vermeiden. Der Kauf soll helfen, die Vision zu verwirklichen, bis 2023 CO2-neutral zu sein.

60 Prozent Bahnanteil

Gegenüber der Migros, dem mit Abstand grössten Kunden von SBB Cargo, will Coop damit gleichzeitig den Rückstand verringern. Der Anteil der Bahn am Verkehr von den nationalen in die regionalen Verteilzentren von Coop stieg zuletzt nur wenig auf gut 60 Prozent. Wegen Kapazitätsproblemen bei SBB Cargo erreichte man dies vor allem durch eine bessere Auslastung der Transportmittel.

Sowohl in der Transportbranche als auch im Detailhandel sorgte die Akquisition von Coop für Überraschung. Bisher hat Coop im Transportbereich vor allem ausgelagert, etwa an die Luzerner Galliker Transport, die für Coop Früchte, Gemüse und Blumen verteilt sowie eine Kühlplattform betreibt. Hinzu kommt, dass Railcare mit dem Eigentümer Coop kein neutraler Transporteur mehr ist.

Coop gewinnt grossen Einfluss

Die Migros ist heute nicht Kunde von Railcare, da sie im kombinierten Verkehr mit anderen Partnern kooperiert. Sie schliesst eine Zusammenarbeit in der Zukunft nicht von vornherein aus. Doch für Bernhard Metzger, Logistikchef im Migros-Genossenschafts-Bund, ist klar: «Für eine Zusammenarbeit ist für uns der Aspekt der Neutralität von entscheidender Bedeutung. Hierbei stellt sich die Frage, ob und in welcher Form unser Mitbewerber im Verwaltungsrat und/oder in der Geschäftsleitung dieses potenziellen Lieferanten aktiv Einfluss nimmt.»

Diese Frage ist bereits beantwortet: Verwaltungsratspräsident von Railcare ist Coop-Logistikchef und Geschäftsleitungsmitglied Leo Ebneter. Einzig die operative Leitung obliegt weiterhin Geschäftsführer Philipp Wegmüller. Coop sieht da kein Problem: «Railcare bleibt ein neutraler Partner in der Transportlogistik», sagt Sprecher Nicolas Schmied. Railcare wolle möglichst viele Güter von der Strasse auf die Schiene umlagern, dabei würden alle Kunden mit der gleichen Qualität bedient.

Der Discounter Lidl, mit seinen Markenartikeln und unterdessen 50 Filialen ein wichtiger Konkurrent von Coop, wird bald wissen, wie das in der Praxis aussieht. Lidl verschiebt mit Railcare derzeit Frischware in die Westschweiz. Lidl-Sprecherin Paloma Martino geht aber nicht davon aus, dass sich als Folge des Verkaufs etwas ändert. Man habe nichts Gegenteiliges gehört.

«Pläne machen Sinn»

Zu den Transporteuren, die als Folge des Ausbaus des Bahnanteils bei Coop Aufträge verlieren werden, gehört die Firma Andres Transport in Effretikon. Sie beliefert derzeit viele Coop-Pronto-Shops. Geschäftsführer Urs Christen ist sich dessen bewusst, geht aber davon aus, dass ihm die vor- und nachgelagerten Transporte bleiben. Er findet, die Pläne von Coop machten Sinn, nicht zuletzt aus ökologischer Sicht. «Zudem sind lange Strecken für uns Transpörtler sowieso nicht so interessant. Diesel und Schwerverkehrsabgabe kosten viel, und die Arbeits- und Ruhezeitverordnung schränkt die Flexibilität ein.»

Für Hansjörg Bertschi, Präsident von Hupac, dem Marktführer im kombinierten Verkehr durch die Alpen, zeigt die Akquisition von Coop, dass die Marktöffnung auf der Schiene sich entwickle. SBB Cargo sagt, mit Railcare stehe man im Bereich kombinierter Verkehr schon heute im Wettbewerb. «Die weitere Entwicklung können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen», erklärt Sprecherin Karin Grundboeck. Coop betont, Railcare arbeite in Ergänzung und nicht in Konkurrenz zu SBB Cargo. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.09.2010, 07:32 Uhr

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4 Kommentare

Reto Gamma

04.09.2010, 08:45 Uhr
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Ich gratuliere Coop zu diesem Schritt. Für Güter die Bahn. Mit diesem Slogan hat die Alpeninitiative im letzten Jahrhundert eine Mehrheit der Schweizer StimmbürgerInnen überzeugt. Die Umsetzung braucht etwas Zeit. Für Dich und mich. Ein überzeugter Coop-Kunde. Antworten


Kurt Spring

04.09.2010, 20:01 Uhr
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Super! Wenn dies noch ohne Atomstrom funktioniert = GENIAL! Nachhaltigkeit ohne Atommüll und Gefährung während dem AKW-Betrieb. Super Coop! Antworten



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