Wirtschaft

«Coop ist einfach offensiver»

Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 05.11.2010 32 Kommentare

Coop expandiert im Ausland. Ein Schritt, den die Migros früher teuer bezahlt hat. Ein Experte erklärt den jüngsten Coup des Detailhändlers – und wagt eine These zur Migros.

1/5 Coop glänzt
Bei Coop ist Bewegung drin: Kunden vor einer Filiale in Neuenburg.
Bild: Keystone

   

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Mit der Vollübernahme von Transgourmet hat sich Coop – neben dem Schweizer Detailhandelsgeschäft – ein zweites Standbein gekauft. Hier rollt der Rubel aber vor allem im Ausland, 90 Prozent des Geschäfts werden in Deutschland, Frankreich, Polen, Russland und Rumänien abgewickelt. Und zwar nicht in Einkaufsläden, sondern mit der Belieferung von Restaurants, Kantinen und Spitälern.

Auslandexpansionen von Schweizer Detailhändlern wecken düstere Erinnerungen. Die Migros ist in den 1990er-Jahren in Österreich abgeblitzt. Geschätzte 300 Millionen Franken hat der orange Riese damals verloren. Auch Interdiscount und der Detailhandels-Unternehmer Beat Curti hatten sich im Ausland eine blutige Nase geholt.

Trotz diesen Negativbeispielen überrascht Martin Neff, Chefökonom der Credit Suisse, dieser Schritt von Coop nicht. «Der Schweizer Markt ist einfach gesättigt», so Neff, der mit «Retail Outlook» jährlich eine Studie zur Entwicklung im Schweizer Detailhandel herausgibt. «Ich habe damit gerechnet, dass so etwas kommt.»

«Man muss diese Märkte sehr gut kennen»

Wie gross ist das Risiko, dass Coop sich mit dem Transgourmet-Deal übernimmt? Immerhin holt sich der Konzern über 21'000 neue Mitarbeiter und ein Umsatzvolumen von acht Milliarden Franken unter sein Dach. Neff bestätigt, dass Expansionen – gerade im Ausland – nicht ohne Risiko seien.

«Man muss diese Märkte sehr gut kennen», so der Ökonom. Das dürfte bei diesem Deal von Coop aber gegeben sein: Das Unternehmen betreibt das Geschäft zusammen mit der deutschen Rewe bereits seit 2005. «Die haben das professionell angepackt, und sicher nicht die Katze im Sack gekauft», ist Neff überzeugt. Zudem sei das Geld für solche Zukäufe derzeit praktisch zum Nulltarif zu haben. Zwischen 600 Millionen und eine Milliarde Franken hat Coop laut Schätzungen verschiedener Medien hinlegen müssen.

In Osteuropa steigt die Kaufkraft

Dass Coop neben Deutschland und Frankreich vor allem gegen Osteuropa vorstosse, sieht Neff als «grosse Chance». Das Potenzial in diesen Ländern sei riesig, die Kaufkraft werde in den nächsten Jahren steigen. Und davon könne Coop profitieren, wenn sie es richtig machten.

Dass Coop den nun angekündigten Schritt dereinst als Türöffner für den Aufbau von Ladennetzen im Ausland braucht, hatte Loosli verneint. Neff glaubt, dass dieses Bekenntnis für den Moment gelte. «Wer weiss, was in fünf Jahren ist.» Er hält es durchaus für möglich, dass man sich diesen Punkt irgendwann nochmals überlegen wird. Und der Experte sagt auch warum: «Mit zunehmender Kaufkraft wird auch das Bedürfnis nach Premium-Produkten steigen. Gerade in den osteuropäischen Staaten.» Und hier sieht Neff Coop im Vorteil. «Premium-Produkte verbindet man auch mit der Schweiz, gerade im Lebensmittelbereich.»

Migros und Coop kopieren sich gegenseitig

Dass die Coop-Gruppe umsatzmässig die Migros überholt, tat Loosli mit den Worten ab: «Das interessiert mich nicht.» Neff dazu: «Coop ist einfach offensiver.» Fragt sich allerdings, wie die Konkurrentin nun reagiert. «Für Migros gelten die gleichen Marktbedingungen. Auch sie muss sich überlegen, wo man noch wachsen kann», konstatiert Neff. Ihn würde es nicht wundern, wenn der ewige Coop-Rivale in nächster Zeit ebenfalls einen grösseren Schritt ankündigen würde. Sei das eine Expansion im Ausland, oder etwas anderes.

Dass die beiden Platzhirsche im Schweizer Markt ähnlich ticken, kennt man aus Beispielen der Vergangenheit. Auf M-Budget folgte Prix-Garantie, und auch Cumulus und Supercard wurden entfernte Verwandte. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.11.2010, 11:45 Uhr

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32 Kommentare

werner müllser

05.11.2010, 12:02 Uhr
Melden

Das erinnert mich an Swissair. Es sollte einem schon hellhörig machen, wenn keine anderen Bieter vorhanden waren. Am Schluss muss dann der CH-Staat wieder einspringen um die Coop Arbeitsplätze in der Schweiz zu retten. Hoffe nicht das es so kommt - aber Loosli hat schon eine übersteigerte Gier nach Zukäufen. Wenn er zuviel Geld hat, soll Coop die Preise senken. Antworten


Kurt Hauser

05.11.2010, 12:06 Uhr
Melden

Warum immer wachsen, ist das die Gier? Antworten



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