Wirtschaft

Comparis will trotz Maklerverbot weitermachen wie bisher

Von Daniel Friedli, Bern. Aktualisiert am 01.10.2010 10 Kommentare

Das Parlament verbietet den Krankenkassen Provisionen bei der Kundenjagd. Doch was Comparis betrifft, hat es die Rechnung vielleicht ohne den Wirt gemacht.

Sieht sich und seine Firma vom neuen Gesetz keineswegs betroffen: Comparis-Chef, Richard Eisler.

Sieht sich und seine Firma vom neuen Gesetz keineswegs betroffen: Comparis-Chef, Richard Eisler.

Der heutige Freitag müsste für Comparis-Chef Richard Eisler, zumindest wenn es nach dem Parlament geht, ein Trauertag sein. Zwar wird die Bekanntgabe der Krankenkassenprämien für 2011 eine neue Runde von Versicherungswechseln auslösen, mit denen Eislers Prämienvergleichsdienst Geld verdient. Zum anderen wird das Parlament aber eine Vorlage verabschieden, die ebendiesem Geschäft in seiner heutigen Form ein Ende bereiten soll. Mit einem Verbot von Provisionen und Telefonwerbung in der Grundversicherung wollen die Räte verhindern, dass die Kassen weiterhin über aufsässige und teure Makler und Vermittler auf Kundenfang gehen.

Fall Comparis

Die Dienste von Comparis hatten die Parlamentarier dabei explizit mit im Visier, wie das Votum von Bruno Frick illustriert: «Man spielt sich zur moralischen Vergleichsinstanz auf und verschweigt, dass man gleichzeitig Provisionen in grossem Ausmass kassiert», sagte der CVP-Ständerat zum Fall Comparis. «Das müssten wir doch unterbinden.»

Eisler: «Nicht betroffen»

Trotzdem will Richard Eisler nun nicht richtig traurig sein. Denn er erachtet das Provisionsverbot zwar als Fehler, sieht sich und seine Firma vom neuen Gesetz indes keineswegs betroffen. «Comparis erhält keine Provisionen», stellt Eisler klar. Insofern falle die Firma auch nicht unter das Verbot und dürfe ihre Dienste weiterhin und wie bisher anbieten.

Für diese Dienste, und da liegt des Pudels Kern, wird Comparis folgendermassen entlöhnt: Die Firma bietet im Internet Prämienvergleiche an und dem Nutzer die Möglichkeit, direkt aus dieser Liste eine Offerte zu bestellen. Für jede bestellte Offerte erhält Comparis von der betreffenden Krankenkasse einen Betrag von rund 50 Franken, und zwar unabhängig davon, ob jemand später dort Kunde wird oder nicht. «Wir bieten reine IT-Dienstleistungen an», erklärt Eisler. «Es gibt keine Zahlung mehr, wenn jemand die Versicherung abschliesst.» Und wo kein Geld für den Geschäftsabschluss, da auch keine Provision.

Bund wird den Fall prüfen

Überrascht reagiert CVP-Nationalrätin Ruth Humbel auf diese Aussage, denn auch sie hat es anders gewollt. Comparis werde von den Kassen finanziert, sagt Humbel, weshalb die Firma beim Provisionsverbot mitgemeint gewesen sei. Dass es Eisler anders sieht, ist für sie unverständlich: «Wenn für Versicherungswechsel Geld fliesst, ist das aus meiner Sicht eine Provision.» Zumindest partielle Unterstützung bekommt Humbel von Versicherungsjuristin Eugénie Holliger-Hagmann. Ohne Offerte komme es auch nicht zu einem Geschäftsabschluss, sagt sie. Insofern gebe es durchaus Gründe, auch bei Comparis von Provisionen zu sprechen. Klären müssten die heikle Frage letztlich die Gerichte.

So weit ist es aber noch nicht. Eisler will nun das Gespräch mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) suchen, wo man, wie es gestern auf Anfrage hiess, «diese Frage noch nicht abschliessend beantworten kann».

Der Comparis-Chef ist zuversichtlich, dass seine Argumente dem BAG einleuchten werden. Umso mehr, als seine Firma zur Transparenz und Effizienz des Systems beitrage und, anders als die Telefonmakler, niemandem auf die Nerven gehe. Und selbst Gesundheitspolitiker sind sich plötzlich nicht mehr ganz sicher, ob sie ihr Ziel nicht vielleicht doch verfehlt haben. Das Geschäftsmodell von Comparis sei eine Auslegungsfrage, heisst es, die man im Detail nicht geprüft habe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.10.2010, 08:00 Uhr

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10 Kommentare

Hansueli Zürcher

01.10.2010, 08:17 Uhr
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Die Comparis Listen nützen in den meisten Fällen rein gar nichts, denn jeder hat eigene Besonderheiten und muss sich sehr viel Zeit nehmen zum Prämiensparen. Z.B. wenn jemand pensioniert ist: Telefonmodell, Unfall, Spital ganze Schweiz etc.. Also weg mit der Zahlung durch Krankenkassen! Eine unnötige Geldmaschine für Comparis auf dem Buckel der Versicherten. Antworten


Heinz Martin

01.10.2010, 08:21 Uhr
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Was hier im Parlament abgeht ist illegal! Es kann doch nicht sein, dass Vergleichsdienste faktisch verboten werden? Ich finde Comparis spitze und nutze es sehr oft. Comparis, macht weiter so! Antworten



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