Wirtschaft

«Claude Béglés Vergleich der Post mit Nestlé war ungeschickt»

Von David Schaffner, Bern. Aktualisiert am 08.01.2010 11 Kommentare

Die künftigen Verwaltungsräte der Post müssten harte Auseinandersetzungen führen können – und zwar ohne in Streit zu geraten. Das sagt Moritz Leuenbergers Chefbeamter Hans Werder.

«Béglé ist als Präsident, nicht als Konzernleiter der Post gewählt»: Hans Werder, Uvek-Generalsekretär.

«Béglé ist als Präsident, nicht als Konzernleiter der Post gewählt»: Hans Werder, Uvek-Generalsekretär.
Bild: Reuters

Unter Präsident Claude Béglé ist bei der Post ein heftiger Streit ausgebrochen. Es gab mehrere Abgänge. War Béglé die falsche Wahl?
Nein, das war es nicht. Seit die Post kein Monopol mehr hat, befindet sie sich in einem unruhigen Fahrwasser. Es ist durch die Konkurrenzsituation viel schwieriger geworden, diesen Betrieb zu führen. Da erwarten wir, dass die Verwaltungsräte verschiedene Meinungen einbringen und ausdiskutieren. In allen bundesnahen Betrieben gibt es ähnliche Auseinandersetzungen. Das ist nichts Aussergewöhnliches.

So viele Abgänge wie bei der Post sind doch nicht üblich.
Der Konflikt hat eine Vorgeschichte: Zwischen dem alten und dem neuen Verwaltungsratspräsidenten sind Konflikte entstanden. Danach gab es im Verwaltungsrat eine Lagerbildung. Es wurde rasch klar, dass eine schwierige Situation entstehen würde.

Bundesrat Moritz Leuenberger hat mittlerweile klare Distanz zu Béglé signalisiert. Ist seine Abwahl im Mai wahrscheinlich geworden?
Moritz Leuenberger hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die Funktionsfähigkeit des Verwaltungsrates genau überprüfen wird und die personellen Neubesetzungen vorbereitet. Wir wollen dieser Analyse nicht vorgreifen. Wenn möglich wollen wir aber die Erneuerungswahl vor dem regulären Datum im Mai durchführen.

Ist ein solches Verfahren vor der Erneuerungswahl üblich, oder ist es als Misstrauensvotum gegenüber dem Gremium zu verstehen?
Bei den Gesamterneuerungswahlen überprüfen wir immer, wie die Gesamtleistung war. Zusätzlich werden wir nun einzelne Ereignisse genau aufarbeiten. Wir haben überdies mehr Vakanzen als üblicherweise. Bei der Personenwahl ist entscheidend: Wir müssen das Gremium so zusammensetzen, dass harte inhaltliche Auseinandersetzungen möglich sind, ohne dass sich persönliche Konflikte ergeben. Einen stromlinienförmigen Verwaltungsrat darf es nicht geben. Schon gar nicht einen, bei dem alle Mitglieder die Meinung des Präsidenten teilen.

Es heisst, dass Claude Béglé schon in früheren Funktionen in Konflikte geraten sei und einmal seinen Sessel abrupt wechseln musste.
Wir liessen den Werdegang von Claude Béglé gründlich und professionell abklären. Im Laufe seiner Karriere hat er verschiedene Funktionen ausgefüllt, was natürlich mit Wechseln verbunden ist. Es gab aber nie abrupte Abgänge.

Welche Rolle spielt die künftige Poststrategie? Béglé hat sich mit der Forderung, die Post müsse wie Nestlé (NESN 54.8 0.27%) werden, Kritik eingehandelt.
So hat das Béglé nie gesagt. In der aufgeheizten Situation nach dem Abgang von Konzernchef Michel Kunz war aber wohl allein schon ein Vergleich mit Nestlé ungeschickt, da er falsche Assoziationen auslöste. Béglé wollte nur illustrieren, dass sich die Post im Ausland engagieren und dennoch ein Schweizer Betrieb bleiben kann. Bis im Sommer prüfen der Verwaltungsrat und die Konzernleitung der Post eine Weiterentwicklung der Auslandaktivitäten. Selbstverständlich werden sich anschliessend die Departemente und danach der Bundesrat mit den Vorschlägen befassen. Den Rahmen hat aber der Bundesrat mit den strategischen Zielen bereits gesetzt.

Die Wahl von Michel Kunz zum Konzernleiter war schon vorgespurt, bevor Béglé zum Präsidenten wurde. War das ein Fehler?
Es ist zweifellos nicht optimal, wenn der Konzernchef und der Verwaltungsratspräsident praktisch gleichzeitig ersetzt werden müssen. Bei der Post hat es sich leider so ergeben.

Béglé hat sich als Konzernchef selbst ins Spiel gebracht und mischt sich nun ins operative Geschäft ein. Hätte man ihn nicht besser zum Konzernchef ernannt?
Er ist als Präsident, nicht als Konzernleiter gewählt. Die Umstellung von der operativen Leitung zum Verwaltungsrat fällt vielen Managern zunächst nicht leicht. Aber es ist machbar.

Hans Werder (63) ist Generalsekretär des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek).

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.01.2010, 06:07 Uhr

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11 Kommentare

Terri Zubler

08.01.2010, 08:03 Uhr
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Weder: In allen bundesnahen Betrieben gibt es ähnliche Auseinandersetzungen. Das ist nichts Aussergewöhnliches. Kein Wunder empfindet er das so, schliesslich ist er auch der Chefbeamte von Moritz Leuenberger! Antworten


René Merten

08.01.2010, 07:41 Uhr
Melden

hier wird wieder einmal ein Problem verwedelt. Fest steht: BR Leuenberger ist wieder einmal ins Fettnäpfchen getreten. Er hat mit Beglé den falschen Mann ausgewählt und will den Fehler nicht eingestehen. Dass Probleme bestehen hat Leuenberger trotz Warnungen nicht eingesehen. Wie lange werden diese massiv gehäuft autretenden Führungsfehler von der SP eigentlich noch toleriert ? Antworten



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