Wirtschaft

Chinas weiblicher Warren Buffett

Aktualisiert am 17.11.2011

In Hongkongs Finanzbranche geben die Frauen den Ton an – etwas, das in Europa undenkbar scheint. Zwei erfolgreiche Managerinnen erklären, weshalb das so ist.

War eine der Ersten in der Branche mit einem Abschluss in Finanzwissenschaften: Liu Yang.

War eine der Ersten in der Branche mit einem Abschluss in Finanzwissenschaften: Liu Yang.
Bild: Reuters

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Während die Finanzmärkte in einer weltweiten Krise stecken, feiern in Hongkong die Finanzmanagerinnen Erfolg um Erfolg. Denn die chinesische Branche ist offenbar fest in Frauenhand, wie der «Spiegel» berichtet. Gemäss dem deutschen Magazin ist der Frauenanteil in der Finanzbranche verglichen mit Europa so beachtlich, dass sich die Suche nach einer Erklärung dafür aufdrängt. Die vier besten Fonds der letzten Jahre werden ausserdem von Frauen geführt.

Paradebeispiel für die weibliche Dominanz ist die 46-jährige Liu Yang von der Fondsboutique Atlantis Investment. Die heimischen Medien nennen Yang «Chinas Aktiengöttin» oder «Chinas weiblichen Buffett». Ihre steile Karriere ist durchaus mit jener des amerikanischen Investors vergleichbar. Sie gehörte Anfang der Neunzigerjahre zu den Ersten überhaupt, die in den eben erst geschaffenen chinesischen Aktienmarkt investierten. Damals arbeitete sie noch für den Staatskonzern Citic. Und sie profitierte davon, dass sie früh aufs richtige Pferd gesetzt und etwas studiert hatte, was man bis anhin im kommunistischen China praktisch nicht gekannt hatte: Finanzwissenschaften. «Damals wusste in China kaum jemand, was das ist», sagt sie gegenüber dem «Spiegel».

«Viele junge Männer sind Träumer»

Citic habe damals noch nie jemanden mit einem Abschluss in Finanzwissenschaften eingestellt – und die Kollegen hätten gestaunt, was sie alles konnte, sagt die Managerin. Allerdings war auch etwas Glück dabei, wie Liu Yang zugibt: Sie habe damals fast alle ausländischen Aktien gekauft, sagt sie. «Ich wusste nicht, welche gut sind und welche schlecht.» Dafür, dass sich Frauen in Hongkongs Börsenwelt besonders gut behaupten können, hat sie eine simple Erklärung: «Bei uns macht eine Frau die Arbeit von drei Männern. Viele junge Männer sind heute Träumer.»

Einen anderen Grund führt Christina Chung, Leiterin des China-Fonds bei RCM, an. Nach dem Massaker in Peking 1989 wollten viele Kollegen nur eines: weg aus Hongkong. Es sei ein riesiges Vakuum entstanden, und für sie habe die Emigration gestandener Manager ungeahnte Chancen eröffnet, erzählt Chung. So habe sie früh Verantwortung übernehmen können. Zudem seien Frauen geduldiger und hartnäckiger als Männer, und sie würden stärker auf Details achten.

Headhunter Mark O'Reilly sagt dazu: «In Hongkong geht es nicht darum, ob du ein Mann oder eine Frau bist. Unsere Kunden suchen denjenigen mit der besten Ausbildung und Erfahrung für den Job.» (miw)

Erstellt: 17.11.2011, 20:10 Uhr

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