Wirtschaft

Cheflöhne steigen, selbst wenn die Aktionäre dagegen sind

Von Angela Barandun. Aktualisiert am 19.04.2012 8 Kommentare

In den USA haben 55 Prozent der Citigroup-Aktionäre gegen den Lohn des Konzernchefs gestimmt. Auch in der Schweiz haben Konsultativabstimmungen kaum Konsequenzen.

Erhält 13 Millionen Franken Gesamtentschädigung, obwohl 39 Prozent der Aktionäre eine Erhöhung abgelehnt hatten: Novartis-Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella.
Bild: Keystone

Nicht alle Aktionäre sagen Ja zum Vergütungsbericht (Bild: TA-Grafik str / Quelle: Ethos/TA)

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Für Vikram Pandit ist es ein Schlag ins Gesicht: 55 Prozent der Aktionäre an der Generalversammlung finden, der Chef der Citigroup (C 38.72 -0.86%) verdiene keine 15 Millionen Dollar für seine Leistung im letzten Jahr. Besonders bitter für Pandit: In den zwei Jahren zuvor hatte er sich mit jeweils 1 Dollar Lohn zufrieden gegeben, um die Bank aus der Finanzkrise zu führen.

Das Ergebnis der Konsultativabstimmung trifft aber nicht nur die Citigroup selbst. Auch die Konkurrenz dürfte zusammengezuckt sein. Denn die Generalversammlungssaison hat eben erst begonnen, und die unverbindlichen Abstimmungen zu den Cheflöhnen sind in den USA erst seit kurzem Pflicht. Die Citigroup ist zwar nicht das erste amerikanische Unternehmen, dessen Lohnpolitik bei den Aktionären durchfällt, aber wohl eines der bekanntesten. Und der Widerstand gegen hohe Löhne nimmt zu – auch ausserhalb der USA.

Vasella verdient trotzdem mehr

Die Schweiz ist eines der letzten westeuropäischen Länder, die keine zwingenden Aktionärsrechte im Zusammenhang mit Vergütungen kennen. Allerdings wurde auch hierzulande schon einmal eine Konsultativabstimmung verloren: Die amerikanischstämmige Ölfirma Weatherford überzeugte letztes Jahr nur 43,4 Prozent der Aktionäre davon, dass ihr Chef 16 Millionen Dollar plus 125 Millionen Abgangsentschädigung verdient, zumal das Unternehmen 100 Millionen Verlust machte. Zu den zehn Firmen mit den schlechtesten Abstimmungsergebnissen der letzten Jahre gehören auch UBS, Lonza, Novartis, Credit Suisse, Sonova oder Swiss Re.

Bei knapp der Hälfte der 100 grössten börsenkotierten Schweizer Firmen können die Aktionäre heute ihre Meinung zur Vergütung abgeben. Bei den SMI-Unternehmen machen alle ausser Swatch und Julius Bär mit. Allerdings ist umstritten, was solche Konsultativabstimmungen bringen. So stieg die Gesamtentschädigung von Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella auf 13 Millionen Franken, obwohl 39 Prozent der Novartis-Aktionäre den Vergütungsbericht 2011 abgelehnt hatten. Die nächste Abstimmung ist erst 2014 vorgesehen.

Variable Leistungen werden zeitlich falsch abgegrenzt

Trotzdem sagt Vinzenz Mathys von der Genfer Anlagestiftung Ethos: «Wir spüren dank den Konsultativabstimmungen Fortschritte bei den Firmen.» Aktuelles Beispiel dafür ist Givaudan: 2011 hatte Ethos den Aktionären empfohlen, den Vergütungsbericht abzulehnen. Dieses Jahr hat die Anlagestiftung die Meinung geändert. Grund: Der Riechstoffhersteller habe das umstrittene Optionsprogramm für Verwaltungsräte abgeschafft und die Transparenz verbessert, sagt Mathys. «Neu sieht man im Vergütungsbericht klar, wie viel Bonus die Geschäftsleitung für ihre Arbeit im Gesamtjahr erhält», sagt der Ethos-Sprecher. Oft würden variable Leistungen zeitlich falsch abgegrenzt, und es sei kaum mehr nachvollziehbar, auf welche Leistung sich die Entschädigung genau beziehe. Die Aktionäre reagierten darauf letzte Woche mit 95 Prozent Ja-Stimmen nach 85 Prozent im Vorjahr.

Ein Zeichen gegen hohe Löhne

Auch Gregor Greber vom Vermögensverwalter Zcapital ist überzeugt, dass die Abstimmungen etwas auslösen. Meist würden aber wie bei Givaudan vor allem Anpassungen bei der Struktur vorgenommen: Verpönte variable Vergütungen in Form von Optionsplänen oder Hebelaktien auf Verwaltungsratsebene würden abgeschafft oder die Transparenz der Berichte verbessert. Aber: «Was wir bislang kaum sehen, sind Anpassungen an der absoluten Höhe der Entschädigung.» Diese befänden sich als Folge der Offenlegung der Vergütungen seit Jahren in einer Aufwärtsspirale.

Zcapital will das ändern – und hat deswegen etwa den Vergütungsbericht von Kuoni zur Ablehnung empfohlen, und zwar trotz deutlicher Fortschritte bei der Transparenz des Kuoni-Berichts. Grund: Die Entschädigung des Konzernchefs betrug 2,1 Millionen Franken und das Verhältnis der Gesamtvergütung der Führungsspitze zum Reingewinn 28 Prozent. «Das empfinden wir als zu hoch», so Greber. Ein Teil der Aktionäre teilte diese Ansicht: 10 Prozent stimmten am Dienstag an der GV mit Nein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.04.2012, 21:20 Uhr

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8 Kommentare

will williamson

19.04.2012, 13:53 Uhr
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In einem Familienunternehmen bestimmt der Inhaber, wie viel der Geschäftsführer verdient. In einer Publikums-AG sind die Aktionäre der Inhaber. Dass die Aktionäre nur konsultativ über die Löhne der Geschäftsführung abstimmen können, ist ein Witz. Das Resultat dieser Abstimmungen sollte verbindlich werden. Antworten


Ronnie König

19.04.2012, 14:29 Uhr
Melden 21 Empfehlung 0

Der grösste Witz ist, wenn der Mitarbeiter der entlassen wird als Aktionär eigentlich über dem CEO steht und zusehen muss, dass a) dadurch weniger Dividende dabei raus schaut und b) er sich selbst indirekt noch entlassen hat. Die Perversion des Kapitalismus und des Aktionärs lassen sich fast nicht mehr überbieten. Aber wir wollen es so, sonst wäre es doch anders. Antworten



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