Wirtschaft
Brasilien entzieht Chevron die Bohrlizenz
Aktualisiert am 24.11.2011 6 Kommentare
Greift durch: Die brasilianische Umweltministerin, Izabella Teixeira, an einer Pressekonferenz.
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Nach der Ölpest vor der Küste von Rio de Janeiro hat Brasilien sämtliche Bohraktivitäten des US-Ölkonzerns Chevron (CVX 120.5 -0.84%) untersagt. Alle Bohrungen von Chevron auf nationalem Territorium wurden suspendiert, bis die Ursachen der Ölpest geklärt und die dafür Verantwortlichen identfiziert sind.
Das erklärte die brasilianische Ölbehörde ANP. Bei dem Leck bei einer Chevron-Bohrung waren tausende Fass Öl ins Meer gelaufen. Die ANP lehnte am Mittwoch zudem einen kürzlich von Chevron gestellten Antrag ab, riesige Ölvorkommen auszubeuten, die unter einer dichten Salzkruste im Meer entdeckt worden waren.
Solche Bohrungen würden das gleiche Umweltrisiko bergen wie bei derjenigen, die die derzeitige Ölpest auslöste. Die Gefahren seien dabei sogar «noch grösser und schwerer aufgrund der grösseren Tiefe». Chevron erklärte am Mittwoch, es habe von den Behörden keinerlei Nachrichten erhalten, die Bohrungen aber aus eigener Motivation heraus unterbrochen.
Strafe in Millionenhöhe drohen
Der Ölkonzern muss wegen der Ölpest vor dem brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro auch mit Strafzahlungen in Millionenhöhe an den brasilianischen Staat und den Bundesstaat Rio de Janeiro rechnen. Zusammen könnten sie sich auf umgerechnet knapp 132'000 Millionen Franken belaufen. Die brasilianischen Behörden werfen dem US-Konzern unter anderem «Falschinformationen» zum Kampf gegen die Ölpest vor. Umweltminister Carlos Minc hatte das Unglück «vermeidbar» genannt und Chevron «Nachlässigkeit» vorgeworfen.
Der US-Konzern hatte die «volle Verantwortung» für die Ölpest übernommen, die durch eine Bohrung vor der Küste Rios ausgelöst worden war. Der Austritt des Öls war am 9. November entdeckt worden. Das betroffene Bohrloch von Chevron befindet sich nahe dem Ölfeld Campo Frade rund 370 Kilometer vor der brasilianischen Küste. In der Nähe liegen Routen von Walen und Delfinen.
Chevron-Chef entschuldigt sich
Der Brasilien-Chef von Chevron, George Buck, entschuldigte sich am Mittwoch für das Unglück. «Ich möchte betonen, dass wir tiefen Respekt für Brasilien, das brasilianische Volk, die Umwelt, die Gesetze und Institutionen dieses Landes haben», sagte er vor dem brasilianischen Kongress. Sein Unternehmen werde das Unglück genau untersuchen. «So dass das nicht mehr passiert, weder hier noch anderswo in der Welt».
Über die Menge des ausgetretenen Öls gibt es höchst unterschiedliche Angaben. Nach Angaben der brasilianischen Umweltbehörde Ibama liefen seit dem Unfall 5000 bis 8000 Barrel Öl ins Meer. Chevron spricht von 2400 Barrel. Nach Schätzungen der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die Satellitenbilder von dem Ölteppich auswertete, traten täglich rund 3700 Barrel aus.
(wid/sda)
Erstellt: 24.11.2011, 09:48 Uhr
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6 Kommentare
Wieder die selbe Geschichte: bei einer Technologie, die 'man' angeblich voll unter Kontrolle hat, passieren Fehler mit verheerenden Folgen, die Verantwortlichen lügen und wiegeln ab, sie geben vor, Busse zu tun, am Ende wird sich aber nichts ändern, Profit steht über allem und ein paar Lügen mehr lassen die Manager deswegen nicht schlechter schlafen. Die Natur aber leidet, wehe sie schlägt zurück. Antworten
Die Bussensumme könnte gemäss Ibama (BR Umweltschutzbehörde) auf 260 Mio BRL (ca. 130 Mio. CHF) steigen. Die Börsenkapitalisierung von Chevron sank um USD 14.7 Milliarden (-7%) seit Beginn der Ölverschmutzung. Chevron fördert 1 % seines Öls vor der Brasilianischen Küste. Antworten
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