Böses Erwachen für Meyer Burger wegen Roth & Rau
Von Mathias Morgenthaler. Aktualisiert am 09.11.2011 1 Kommentar
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Als Meyer-Burger-Chef Peter Pauli im April die Übernahme der deutschen Roth & Rau AG ankündigte, sprach er von einem «Meilenstein», der das Wachstum der Solargruppe beschleunigen werde. Nun, drei Monate nach erfolgter Übernahme, droht die 350 Millionen Euro teure Akquisition zur Hypothek zu werden. Gestern gab der deutsche Solarzulieferer eine Gewinnwarnung heraus: Im dritten Quartal werde bei einem Umsatz von 54 Millionen Euro ein Verlust von 52 Millionen Euro vor Steuern und Zinsen resultieren. Meyer Burger (MBTN 15.35 1.66%) hält inzwischen gegen 90 Prozent an Roth & Rau und rechnet aufgrund der roten Zahlen der Tochtergesellschaft mit einem Goodwill-Abschreiber von «40 bis 60 Millionen Euro», wie das Unternehmen gestern mitteilte.
45 der 52 Millionen Euro Verlust bei Roth & Rau sind gemäss Mitteilung auf Sondereffekte wie Restrukturierungskosten, Rückstellungen und Abschreibungen auf Forderungen zurückzuführen. Bei Meyer Burger ist man besorgt über die neuste Entwicklung. «Wir sind überrascht von diesen schlechten Zahlen», sagt Sprecher Werner Buchholz. «Roth & Rau wurde vom harten Marktumfeld schwer getroffen und musste auch diverse Sondereffekte im Ergebnis ausweisen. Im Nachhinein betrachtet war der Zeitpunkt der Lancierung des Angebots im April sicher nicht ganz optimal. Wir haben immer darauf hingewiesen, dass 22 Euro ein gutes und faires Angebot seien. Einige Marktteilnehmer verlangten ja ein deutlich höheres Angebot. Das Börsenumfeld wie auch die Solarindustrie und das gesamte wirtschaftliche Umfeld haben sich seit der Lancierung unseres Angebots aber auch massiv verändert», sagte er weiter. Pikantes Detail: Dietmar Roth, langjähriger Patron der Roth & Rau, sitzt heute im Verwaltungsrat von Meyer Burger. Ob das so bleiben wird, wollte Buchholz gestern nicht kommentieren.
Zwangsferien und Kurzarbeit
Während bei Roth & Rau die Kurzarbeit fortgesetzt und die Restrukturierungsarbeit intensiviert wird, ergreift Meyer Burger auch in der Schweiz Massnahmen. In Thun wird die Serienproduktion von Drahtsägen im November während dreier Wochen unterbrochen, die betroffenen 150 Mitarbeiter müssen Ferien beziehen oder Überzeit abbauen. Die Zahl der temporären Mitarbeiter wurde von 120 auf 20 reduziert, für Dezember ist Kurzarbeit geplant – in welchem Umfang, ist noch offen.
«Das wirtschaftliche Umfeld ist derzeit so schwierig, dass unsere Kunden auf den Solarzellen sitzen bleiben und diese nur unter den Herstellungskosten verkaufen könnten», sagte Buchholz. Deswegen blieben in den nächsten sechs Monaten massive Überkapazitäten bestehen. Für das zweite Halbjahr 2012 zeigte sich Buchholz verhalten optimistisch, asiatische Grosskunden hätten für diese Periode eine leichte Aufwärtstendenz in Aussicht gestellt. Der Aktienkurs von Meyer Burger tauchte gestern um fast 10 Prozent auf 19.10 Franken. (Der Bund)
Erstellt: 09.11.2011, 07:53 Uhr
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