Wirtschaft

Bei Novartis rollt der Rubel

Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 17.06.2011 15 Kommentare

Novartis will mehr Medikamente in Russland verkaufen. Vekselberg vermittelt. Moskau gibt grünes Licht, verlangt aber ein Gegengeschäft.

1/3 Novartis-Chef Joe Jimenez baut massiv in Russland aus.

   

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Der Schweizer Pharmariese Novartis (NOVN 71.25 -0.28%) hat am Donnerstag den Grundstein für eine Produktionsanlage in St. Petersburg gelegt. Die Anlage im Wert von rund 120 Millionen Franken ist Teil eines Gesamtinvestments von fast 430 Millionen Franken bis 2014. Dann sollen rund 1,5 Milliarden Einheiten vom Fliessband gehen, davon überwiegend Generika. Beschäftigt werden 350 Mitarbeiter. Novartis-Chef Joe Jimenez: «Die Anlage ist der jüngste Schritt im Rahmen unserer Strategie, Patienten und Kunden in Russland besser mit Generika zu versorgen.» Fixe Abnahmeverträge zwischen Novartis und der russischen Regierung lässt das Unternehmen unkommentiert.

Rückenwind bekommt der Pharmakonzern vom schillernden Investor Viktor Vekselberg, der sich seit dem Vorjahr um eine Kooperation mit Novartis im russischen Ort Skolkowo bemüht. Der Financier will dort bis spätestens 2018 eine Forschungsplattform für die Pharmaindustrie nach dem Vorbild eines Silicon Valley errichten. Eine Spitze im Hinblick auf seine Geschäftserfahrungen in der Schweiz und Russland konnte sich Vekselberg kürzlich in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» nicht verkneifen: «Bei einem Problem in der Schweiz wendet man sich an die lokalen Behörden. In Russland spricht man mit der Regierung.»

Russen zwingen Novartis

Das hat auch Jimenez getan. Oder vielmehr: Er musste. Denn die russische Regierung hat ein Interesse daran, die massive Importabhängigkeit des Landes bei Pharmaprodukten zu reduzieren. Und zwingt jeden Investor, der die riesigen Umsatzchancen in der russischen Föderation nutzen will, die Wertschöpfung ins Land zu bringen. Sprich: Wer in Russland Medikamente verkaufen will, muss die Fabrik und Forschung dazu im Land aufbauen und soll nicht nur die Produkte nach Russland exportieren. Hinter vorgehaltener Hand bestätigt eine Pharma-Expertin gegenüber DerBund.ch/Newsnet, dass ein Schritt wie jener von Novartis oder Vekselberg «nicht gemacht wird, weil etwa die Forschungszentren vor Ort so exzellent wären, sondern um den Zugang zum Markt zu erhalten».

Der Staat nimmt dafür eine Menge Geld in die Hand: 120 Milliarden Rubel (3,4 Milliarden Franken) lässt sich die Regierung laut dem Wissenschaftsmagazin «Nature» den Aufbau eines Pharmaclusters im Land kosten. Sorgen hat die russische Regierung keine, die Investoren auch ins Land zu locken. Immerhin winkt den Medikamentenherstellern ein Marktvolumen von 18 Milliarden US-Dollar (15 Milliarden Franken). Freilich will Novartis da ganz vorne mitmischen. «Russland ist ein schnell wachsender Markt mit vielen ungedeckten medizinischen Bedürfnissen», gibt sich Novartis zugeknöpft.

Einkaufsmacht

Wachstumstreiber war laut der russischen Handels- und Industriekammer in Deutschland (HIK) bisher das staatliche Programm zur zusätzlichen Arzneimittelversorgung. Dadurch sollen einkommensschwache Bevölkerungsgruppen Medikamente vom Staat bezahlt bekommen. Zu den Gewinnern zählten bisher Sanofi-Aventis, Novartis und Roche. Die staatlichen Einkäufe von Arzneimitteln – inklusive der Einkäufe der Krankenhäuser – lagen vor fünf Jahren noch bei rund 100 Milliarden Rubel, also 3,5 Milliarden Franken. Der russische Patient musste davon pro Kopf nur 1150 Rubel bezahlen (35 Franken), den Rest auf die marktgültigen Preise der Pharmaindustrie in der Höhe von rund 50 Franken hat der Staat beglichen. Da liegt es auf der Hand, die Verhandlungen auch in Zukunft vorzugsweise mit der Regierung zu führen.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.06.2011, 12:27 Uhr

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15 Kommentare

Basil Gelpke

17.06.2011, 14:17 Uhr
Melden 18 Empfehlung 0

Wie man subtil Stimmung macht als Journalist: Vekselberg kann es "sich nicht verkneifen", "hinter vorgehaltener Hand" sagt eine Expertin, "gibt sich Novartis zugeknöpft". Wieso nicht die Fakten rapportieren ohne gleich eigene Wertungen vorzunehmen? Antworten


Roland Peter

17.06.2011, 15:42 Uhr
Melden 9 Empfehlung 0

Novartis wird schon bald einmal merken, worauf sie sich eingelassen hat! Antworten



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