Bär will US-Justiz besänftigen
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 06.02.2012 7 Kommentare
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Aktie taucht
Die Aktien der Julius-Bär-Gruppe haben bis Montagmittag deutlich an Wert eingebüsst. Um 13.20 Uhr standen Julius-Bär-Titel um 4,8 Prozent tiefer und waren damit der schwächste Wert im Schweizer Börsenindex SMI. Das von der Zürcher Privatbank für das Geschäftsjahr 2011 veröffentlichte Ergebnis wird den Markterwartungen beim Konzerngewinn, den verwalteten Kundenvermögen und der Nettoneugeldentwicklung zwar einigermassen gerecht, allerdings waren die Erträge etwas geringer als erwartet. Zudem wurden die Mittelfristziele zum Teil reduziert. Neben einer Sonderdividende wird den Aktionären auch ein weiteres Aktienrückkaufprogramm in Aussicht gestellt. In Analystenkommentaren wird das Bär-Ergebnis relativ kritisch beurteilt: Beim Konzerngewinn und auch beim Nettoneugeldzufluss habe das Traditionsunternehmen die Erwartungen erfüllt. Die höher als erwartet ausgefallenen Kosten verbunden mit geringeren Einnahmen würden allerdings etwas Sorge bereiten, so die Einschätzung. Von der Sonderdividende zeigte man sich in Analystenkreisen nicht sonderlich überrascht, das neue Aktienrückkaufprogramm komme vor dem Hintergrund des US-Steuerstreits dagegen sehr wohl überraschend. Die beiden Punkte könnten die Anleger zwar milde stimmen, der Gewinnrückgang, das schwierige Umfeld sowie die Unsicherheiten im US- Steuerstreit dürften jedoch eine Euphorie verhindern. Die Analysten sprechen von «insgesamt gemischten Zahlen». Das Ergebnis liege auf den ersten Blick zwar etwas über den Erwartungen, operativ sei es aber etwas schwächer als antizipiert. Dazu kämen die gesenkten Ziele, wobei der Markt dies zumindest teilweise bereits eingepreist haben dürfte. Pessimistische Analysten meinen, die Anpassung der Ziele bedeute wohl, dass mit höheren Restrukturierungskosten als bisher erwartet gerechnet werde. (sda/fib)
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Der Steuerstreit mit den USA ist Julius-Bär-Chef Boris Collardi bei der Präsentation der Jahreszahlen der Privatbank sichtlich unangenehm. Mit hochgezogenen Brauen und einem Augenaufschlag gibt er einmal mehr, wie er sagt, «die immergleichen Antworten» auf bohrende Journalistenfragen: «Wir sehen keine Anzeichen dafür, von den USA verklagt zu werden.»
Die Signale der Bank Bär sind eindeutig: Kooperation mit den US-Behörden auf ganzer Linie. Collardi: «Der Dialog ist konstruktiv, obwohl das mit Wegelin passiert ist.» Und: «Wir haben proaktiv gehandelt und kooperieren voll mit den US-Behörden», hiess es programmatisch. Darüber hinaus habe Julius Bär (BAER 31.29 0.68%) keine Kundeninformationen geliefert. Auf Nachfrage, ob das noch passieren werde, antwortet er ausweichend: «Nur in Abstimmung mit schweizerischem Recht.»
Einstelliger Milliardenbereich
Das Geschäft mit US-Kunden sei ohnehin «kein strategisch bedeutender Geschäftsteil» gewesen. Das US-Portfolio der Julius Bär lag laut Collardi in den Jahren 2008 und 2009 im einstelligen Milliardenbereich. Auf die anderen Kundengelder und Portfolios bezogen macht sich der Bär-Chef vorerst keine Sorgen. Ausserdem haben sich einige US-Kunden bereits freiwillig deklariert. «Die Unsicherheit bezüglich einer Einigung zwischen der Schweiz und den USA hatte bisher keine Auswirkungen auf uns.» Ob das auch für die Aktionäre gilt? Der Kurs der Aktie Julius Bär ist infolge der Jahrespressekonferenz um rund fünf Prozent abgesackt, und das innert weniger Stunden.
Prozessrisiko wird gering geschätzt
Im Hause Bär sieht man den Konsequenzen des Steuerstreits offenbar gelassen entgegen. «Wir haben für Angelegenheiten im Steuerstreit keine speziellen Rückstellungen gemacht.» Die Rückstellungen für Prozessrisiken wurden gemäss Geschäftsbericht von 22,5 auf 25 Millionen Franken nicht nennenswert erhöht. Einige Seiten später heisst es knapp: «Es gibt keine Ereignisse zu berichten, die einen Einfluss auf die Bilanz oder den Ertrag für 2011 hatten.» Und das, obwohl die Privatbank im Frühling eine Ablasszahlung in der Höhe von 50 Millionen Euro an Deutschland leisten musste. Julius Bär werde im Steuerstreit der Schweiz mit den USA erst dann darauf zurückkommen, wenn sich die Gespräche konkretisieren. Aber: «Es kann gut sein, dass wir eine Strafe bezahlen müssen.»
Korrespondenzkonten
Die Frage, ob auch Bär Korrespondenzkonten in den USA unterhalte, wie etwa Wegelin bei der UBS, quittiert Collardi mit den Worten: «Auch Julius Bär hat solche Konten in den USA, die wir nie für etwas anderes genützt haben als dafür, wofür solche Konten typischerweise bestimmt sind.» Bei Wegelin wurde das zum Problem, weil die 16 Millionen Dollar, welche die Privatbank bei der UBS in den USA hinterlegt hatte, von den US-Behörden beschlagnahmt worden waren.
Den zwei Mitarbeitern, die seit Oktober wegen umstrittener US-Geschäfte unter Anklage stehen, sprach er seine volle Unterstützung aus. Details zu laufenden Verfahren könne er aber selbstverständlich keine nennen. Für Collardi sei die Angelegenheit kein Thema, das nur elf in den Medien aufgeführte Banken betreffe. «Es betrifft den gesamten Schweizer Finanzplatz.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.02.2012, 15:24 Uhr
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7 Kommentare
Verschleierungs- und Hinhaltetaktik wird hier geübt. Die Amerikaner können nicht nur Wegelin anklagen, denn das wäre nun kaum mehr vertretbar aus amerikanischer Sicht. JB hatte über Jahrzehnte diverse Repräsentationsbüros und zudem eine Branch in New York, die sich intensiv mit dem Privatbanking der US Klientel beschäftigten. So intenstiv, dass der Graue Bereich manchmal dunkle Schatten bekam! Antworten
Warum gründen die unter Beschuss der USA geratenen Banken nicht eine neue Bank, nur mit US-Kontoinhabern. Alle noch verbleibenden Gelder auf verschiedenen Banken werden dann dort konzentriert und wenn abgeschlossen, dann die Ganze Bank der USA überschreiben. Antworten
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