BKW plant einen grösseren Stellenabbau
Von Hans Galli. Aktualisiert am 16.09.2011 3 Kommentare
Am Vortag hatte die Axpo einen Stellenabbau angekündigt, gestern folgte nun auch die BKW Energie AG. Die beiden Stromkonzerne reagieren damit auf das schwierige wirtschaftliche Umfeld, auf die rückläufige Entwicklung an den Finanzmärkten, die Euroschwäche sowie auf die neue Situation nach dem Unfall im japanischen Atomkraftwerk Fukushima. Die BKW will ihre Kosten konzernweit um 15 Prozent senken, das werde nicht ohne Personalabbau gehen, teilte sie gestern mit.
Laut Direktionspräsident Kurt Rohrbach werden alle Bereiche durchleuchtet. Wie viele der 2829 Stellen verschwinden würden, könne er heute noch nicht sagen. Vorläufig ausgenommen sei das Kernkraftwerk Mühleberg: Solange nicht feststehe, welche zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen und Arbeiten von den Behörden verlangt würden, wäre es falsch, dort die Mitarbeiterzahl zu verkleinern, sagte Rohrbach.
Der Gewinn des BKW-Konzerns ist im ersten Halbjahr 2011 auf 90,5 Millionen Franken gesunken. Das entspricht einem Rückgang um ein Drittel gegenüber dem Gewinn von 134 Millionen Franken im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Während das Inlandgeschäft relativ gut lief, litt das internationale Geschäft unter dem schwierigen Umfeld.
Preise sinken, statt zu steigen
Obwohl Deutschland mehrere Atomkraftwerke stillgelegt hat, herrscht in Europa nicht Strommangel, sondern Stromüberschuss, was auf den Strompreis drückt. BKW-Direktionspräsident Kurt Rohrbach führt dies auf die schwache Konjunktur in Frankreich und Italien zurück. Da der Strom international in Euro gehandelt werde, werde die BKW bei der Umrechnung in Franken durch den tiefen Eurokurs zusätzlich bestraft. Ob der Strompreis längerfristig steigen wird, wie Experten seit langem prognostizieren, hängt laut Rohrbach unter anderem von der Klimapolitik ab: Rein technisch könne Deutschland seine ausser Betrieb gesetzten AKW durch die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Kohle- und alter Gaskraftwerke ersetzen. Ob sich das lohne, hänge von der Höhe der CO2-Abgabe ab.
Kochen mit Sonnenenergie
Der Absatz von Spitzenenergie, das lange Zeit lukrativste Geschäft der Schweizer Stromwirtschaft, leidet zudem unter dem wachsenden Angebot von deutschem Solarstrom. Traditionellerweise pumpten die Schweizer Kraftwerke in der Nacht mit günstigem Strom – teilweise aus Atom- und Kohlekraftwerken – Wasser in ihr Speicherseen hoch und produzierten über die Mittagszeit wieder Strom, den sie in den umliegenden Ländern teuer verkaufen konnten. Inzwischen stammt ein grosser Teil der Energie, mit welcher in Europa gekocht wird, aus Solarzellen, denn die Sonne scheint am Mittag am stärksten. Die Pumpspeicherwerke wie jenes an der Grimsel können deshalb immer weniger Strom zu Spitzenpreisen absetzen. Der stark subventionierte Solarstrom verfälsche den Wettbewerb auf dem Strommarkt, kritisiert BKW-Chef Rohrbach.
Belastet wurde das Halbjahresergebnis der BKW auch durch den Abschreiber von 14 Millionen Franken auf dem Projekt für den Bau eines neuen AKW Mühleberg. Das Rahmenbewilligungsgesuch ist durch den geplanten Atomausstieg der Schweiz hinfällig geworden.
Es wird noch schwieriger
Das zweite Halbjahr dürfte noch schwieriger werden als das erste, schreibt die BKW in ihrer Mitteilung. Für das gesamte Geschäftsjahr 2011 müsse deshalb «mit einem markant tieferen Reingewinn als im Vorjahr gerechnet werden». Neben den tiefen Energiepreisen im internationalen Geschäft und dem wohl schwächer ausfallenden Finanzergebnis werde der Gewinn auch durch die vorzeitige Ausserbetriebnahme des Kernkraftwerks Mühleberg für die Jahresrevision beeinträchtigt. Das Hauptproblem seien nicht die Investitionskosten von unter 10 Millionen Franken für die jetzigen Arbeiten, sondern der Produktionsausfall, weil das Werk länger stillstehe, sagte Rohrbach. Die BKW gehe nach wie vor davon aus, dass das Kernkraftwerk Mühleberg bis Ende September wieder ans Netz gehen könne. Voraussetzung ist allerdings die Zustimmung der Eidgenössischen Nuklearsicherheitsbehörde (Ensi).
Zu den Kosten der weiteren Investitionen in die Sicherheit, welche das Ensi allenfalls verlangen wird, wollte sich Rohrbach gestern noch nicht äussern.
Nach dem Atomunfall in Fukushima arbeitet die BKW an einer neuen Strategie. Diese werde nicht vor der Generalversammlung 2012 vorliegen, gab sie gestern bekannt. Der angekündigte Personalabbau dürfte aber eine erste Massnahme im Hinblick auf diese neue Strategie sein. (Der Bund)
Erstellt: 16.09.2011, 07:25 Uhr
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3 Kommentare
Soso, der böse Solarstrom ist also schuld. Wer kassiert am meisten KEV Geld und lässt sich so den grünen Mantel von uns StromkonsumentInnen bezahlen? - Die BKW! Ich glaube die BKW hat einfach zu lange geschlafen und wird nun von der Realität eingeholt. Apropos Subventionen: Wer bezahlt Stilllegung, Rückbau und Entsorgung der Abfälle von Mühleberg? Die BKW hat ja zuwenig Geld. Die Steuerzahlerin! Antworten
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