Atomausstieg kostet mehr als 100 Milliarden Franken
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 03.06.2011 127 Kommentare
Stellungnahme
Projektleitung Schweizerische Energiestiftung: «Tatsache ist, dass sich der Atomausstieg volkswirtschaftlich lohnt. Den zu tätigenden Investitionen stehen dank Effizienzmassnahmen und dem Verkauf von Strom aus erneuerbaren Energien grosse Einsparungen und Erlöse gegenüber. Die schlussendlichen volkswirtschaftlichen Kosten (Nettobarwert) belaufen sich für einen Ausstieg bis im Jahr 2035 auf 0,1 Rappen pro Kilowattstunde, das heisst fünf Franken pro Haushalt und Jahr. Im Vergleich dazu sind die volkswirtschaftlichen Kosten beim Bau neuer Atomkraftwerke viel höher. Dabei sind Umweltkosten oder Kosten bei einem allfälligen Unfall wie in Fukushima noch nicht eingerechnet. Investitionen in erneuerbare Energien und Effizienz bedeuten zudem grosse volkswirtschaftliche Vorteile, allen voran die inländische Wertschöpfung sowie sichere und dezentrale Arbeitsplätze.
Ausserdem distanziert sich die SES klar von Atomstromimporten. Wenn die Schweiz Strom importieren muss, dann soll dieser ausschliesslich aus erneuerbaren Quellen stammen.
Eine Strompreiserhöhung wäre vor allem auf eine allfällige Lenkungsabgabe zurückzuführen und nicht auf Investitionen in erneuerbare Energien. Lenkungsabgaben werden an die Bevölkerung zurückverteilt, damit ist sie für den durchschnittlichen Verbraucher kostenneutral.»
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- Der Atomausstieg ist für die Schweiz ein Gewinn
- Volk steht hinter dem Bundesrat – Nationalrat unentschlossen
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Auf die Schweizer rollt eine Kostenlawine zu. Kommenden Mittwoch wird der Nationalrat aller Voraussicht nach den Atomausstieg auf Raten beschliessen. Kosten: Mehr als 100 Milliarden Franken bis zum Jahr 2035, das hat die Schweizerische Energiestiftung SES gemeinsam mit den Umweltverbänden erhoben. Denn pro Jahr müssen mehr als vier Milliarden Franken für erneuerbare Energien ausgegeben werden, um das schrumpfende Stromaufkommen aus Kernenergie auszugleichen. Laut SES sollen aber mit zunehmenden Investitionen in die Photovoltaik auch die Gestehungskosten für Solarenergie insgesamt um 70 Prozent fallen – und sich damit langfristig der Strompreis auch für die Endverbraucher einpendeln.
Kurzfristig kommen auf die Endverbraucher Mehrkosten von zehn bis 15 Franken pro Monat und Haushalt zu, um das Geld für die Neuinvestitionen in alternative Energien zusammenzukriegen, erklärt Rolf Wüstenhagen, Direktor des Instituts für Wirtschaft und Ökologie an der Universität St. Gallen. Und damit das Dreifache von dem, was bisher angenommen wurde. Ist das Sparpotenzial, das die SES erhoben hat, somit zu optimistisch?
Für Wüstenhagen steht fest: «Der Entscheid des Bundesrats für einen mittelfristigen Umstieg vermeidet zumindest das Problem, dass sich vergangene Investitionen nicht mehr rechnen, wie das in Deutschland kontrovers diskutiert wird.»
«Tiefpreisoase»
Das Zahlenwerk der SES beruht auf Berechnungen für Strom und Investitionen von 2006. Eine Erhöhung des Strompreises würde nach Ansicht von SES-Projektleiterin Sabine von Stockar niemanden stören, da die Schweiz im internationalen Vergleich extrem wenig von den Konsumenten verlange. «Wir sind beim Strom ohnehin eine Tiefpreisoase.» Eine deutliche Erhöhung des Strompreises sei ein «probates Mittel», um die Konsumenten endlich zum Umdenken zu bewegen, meint von Stockar: «Zwar wird die Kilowattstunde teurer, dafür verbraucht man auch weniger davon.» Eine Stromlenkungsabgabe sei dabei ein kostengünstiges Instrument, um die Konsumenten vom Stromsparen zu überzeugen. Vereinfacht gesagt, die Überwälzung der Investitionskosten für erneuerbare Energien auf den Endkunden. «Das kann ruhig auch die Verdopplung der Strompreise bedeuten», so die Expertin. Die CO2-Abgabe gebe es mittlerweile, nur beim Strom gestalten sich die Verhandlungen zäh. Ob die Schweiz bereits 2025 völlig atomstromfrei sein werde, ist für Stockar ambitioniert, aber möglich. Immerhin wird bis dahin der Fehlbetrag von drei Terawattstunden pro Jahr mit importiertem Atomstrom kompensiert werden müssen.
Unterdessen haben es die Deutschen eiliger als die Schweizer, atomfreien Strom zu produzieren. In Deutschland wurde der Atomausstieg per sofort beschlossen und nicht schrittweise. Deutschland baut auf die guten Erfahrungen der vergangenen Jahre mit grünem Strom. Mehr als 300'000 Jobs wurden geschaffen, der Anteil erneuerbarer Energien ist auf 16 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Die Schweiz hat einen Anteil von 60 Prozent nachhaltiger Energiegewinnung, vorwiegend aus Wasserkraft. Und wird sich gemäss dem erwartbaren Ergebnis der Nationalratsabstimmung für das scheibchenweise Herunterfahren der Atommeiler entscheiden.
Pro-Atom-Rebellen
Bis dato beschränkt sich der politisch erklärte Atomausstieg noch auf einige wenige Länder in Europa, und zwar Deutschland, Belgien, Spanien und eben die Schweiz. Andere Regierungen haben sich hingegen quergelegt und pflegen nach Fukushima eine Jetzt-erst-recht-Mentalität, so beispielsweise Frankreich, Grossbritannien, Niederlande, Schweden, Finnland und fast ganz Osteuropa. Auch in den USA hat sich Präsident Barack Obama klar und deutlich für die weitere Nutzung der Kernenergie ausgesprochen.
Die Nuklearlobby erhofft sich davon Rückenwind und beruft sich darauf, dass Studien und Unterlagen des Bundesrats ohnehin nur vage seien. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.06.2011, 16:57 Uhr
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127 Kommentare
Und wieviel Geld wurde in den vergangenen 40 bis 50 Jahren in die Atomenergie investiert?
Ich bin ziemlich sicher, dass es in der gleichen Grössenordnung ist. Darum sind Schreckenszahlen wie 100 Mia. nur wenig aussagekräftig.
Und die 10 bis 15 Franken / Monat sind verglichen mit anderen Teuerungselementen nicht sehr gross.
Also, worauf warten wir noch?!?
Antworten
Die 15 SFR / Monat werden um das x-fache überschritten werden, denn da will JEDER etwas vom Kuchen, auch wenn er nur Bleistifte produziert. Uns werden da Zahlen präsentiert, die weder Hand noch Fuss haben. Das Volk soll ruhig gestellt werden, und das ist ein Befehl der Bundesräte: Still jetzt, denn wir habe gesprochen, und das geht euch Schweizerchen nichts mehr an. Andere Länder sind klüger. Antworten
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