Ascom verkauft auch noch die letzte Berner Abteilung
Von Hans Galli. Aktualisiert am 19.08.2011 2 Kommentare
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Kommentar: Eine Epoche geht definitiv zu Ende
Hasler gehörte mehr als ein Jahrhundert lang zu den Vorzeigeunternehmen der Berner Wirtschaft. Als sich in der Telekommunikation grosse technologische Umwälzungen ankündigten, fusionierte sie 1987 mit der Solothurner Autophon zum Ascom-Konzern. Dieser konnte seine Erwartungen seither nie erfüllen – ein Konzernchef nach dem andern biss sich vergeblich die Zähne aus. Vielleicht hätte es eine Ausnahmeerscheinung wie den ehemaligen Swatch-Chef Nicolas Hayek an der Spitze gebraucht.
Das Problem der Ascom war, dass sich in der Branche innert kurzer Zeit alles veränderte. Die Vorgängerfirmen Autophon und Hasler waren zusammen mit Siemens und STR (heute Alcatel) jahrzehntelang die Hoflieferanten der PTT gewesen. Diese teilte ihre Bestellungen Jahr für Jahr so auf, dass alle Anbieter genügend ausgelastet waren. Zusätzlich war die Ascom Hoflieferantin der Schweizer Armee: Die Verbindungen waren so eng, dass der frühere Rüstungschef Felix Wittlin später Ascom-Präsident wurde.
Doch 1981 wurde der IBM-PC erfunden und in der Folge wurde auch die Telefonie digitalisiert: Die Elektromechanik hatte ausgedient. Zu den technologischen kamen die politischen Veränderungen: Die Swisscom wurde aus der PTT herausgelöst und sie verlor das Monopol für den Telefonverkauf. Tischapparate und Mobiltelefone werden heute in Asien gefertigt und können überall gekauft werden.
Als Folge verlor die Ascom ihre Stellung als führende Lieferantin von Telefonapparaten und Netzwerken. Im Mobilfunk gelang ihr der Durchbruch nie. Heute existiert sie nur noch in Nischen und zwar mit Firmen, welche sie vom schwedischen Ericsson-Konzern übernehmen konnte. Die Hälfte der 2000 Ascom-Beschäftigten arbeitet denn auch in Schweden, die andere Hälfte ist überall auf der Welt tätig, aber kaum mehr in der Schweiz.
Mit dem Verkauf des Militärgeschäfts geht in Bern eine Epoche zu Ende. Das ist bedauerlich, aber es gehört zum Lauf der Wirtschaft, dass Unternehmen kommen und wieder verschwinden.
Mit 14'000 Beschäftigten in der Schweiz, wovon 6000 in Bern, startete der Ascom-Konzern im Jahr 1987 nach der Fusion von Autophon und Hasler. Bald wird die Ascom (ASCN 8.42 -0.47%) gesamtschweizerisch nur noch 150 Angestellte zählen – und davon noch rund 25 in Bern: Konzernchef Fritz Mumenthaler kündigte gestern vor den Medien an, dass auch die letzte in Bern angesiedelte Ascom-Division, Security Communications, verkauft werde.
Deren Kerngeschäft bilden fest installierte und mobile Telekommunikationseinrichtungen für die Schweizer Armee. Der Bereich steht unter Druck, seit bei den Rüstungsprogrammen gespart wird. Der Versuch, auch ausländische Armeen zu beliefern, war ausser einem Auftrag aus Finnland erfolglos. Ein Schweizer Hersteller habe bei Armeen aus Nato-Ländern praktisch keine Chance, heisst es bei der Ascom.
Allein mit der Belieferung der Schweizer Armee könne jedoch keine genügende Rendite erzielt werden. Aus diesem Grund hätten Verwaltungsrat und Konzernleitung den Verkauf der ganzen Division beschlossen, sagte Mumenthaler. Neben der Militärkommunikation gehören kleinere Bereiche wie der Behördenfunk oder Notrufsäulen an Autobahnen dazu. Wahrscheinlich könne nicht die ganze Division auf einmal verkauft werden, aber er sei zuversichtlich, dass für jeden Bereich ein Käufer gefunden werde, sagte der Konzernchef weiter. Für das Militärgeschäft gebe es Interessenten im In- und Ausland.
Ruag als mögliche Käuferin
Prädestiniert als mögliche Käuferin wäre die bundeseigene Ruag. Sie hat ihren Sitz in Bern, ist die grösste Lieferantin der Armee und verfügt über eine grosse Abteilung für militärische und zivile Kommunikationsnetze. Ein Ruag-Sprecher wollte das Interesse weder bestätigen noch verneinen. Über Firmenkäufe werde erst gesprochen, wenn die Verträge unterzeichnet seien. (Der Bund)
Erstellt: 19.08.2011, 08:15 Uhr
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2 Kommentare
Anzufügen wäre noch, dass es im Raum Bern "zum Lauf der Wirtschaft" gehört, dass die Unternehmen vorzugsweise verschwinden. Von "kommen" kann nicht wirklich die Rede sein. Aber wen wundert das an einem Ort, wo die Eliten seit Jahrhunderten Einkommen aus Grundbesitz und Zinseszins beziehen - ohne zu arbeiten. Das schlägt dem Rest irgendwann aufs Gemüt bzw. auf die Innovationsfreude, gell? Antworten
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