Wirtschaft

Apple hat das Preisdiktat für E-Bücher gebrochen

Von Walter Niederberger. Aktualisiert am 03.02.2010

Der neue iPad von Apple zeigt schon Wirkung: Amazon gibt seine Billigpreispolitik für elektronische Bücher auf.

Apple auf dem Vormarsch: Schon bald dürften E-Bücher teurer werden, denn der iPad macht Amazon Konkurrenz.

Apple auf dem Vormarsch: Schon bald dürften E-Bücher teurer werden, denn der iPad macht Amazon Konkurrenz.

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Noch ist nicht absehbar, wie viele Käufer sich für den iPad begeistern werden. Bereits zeigt sich hingegen, dass das Tablet den Markt für elektronische Bücher aufmischt. Branchenführer Amazon ( 212.89 -1.09%) bekommt erstmals direkte Konkurrenz; und dies führt zur Aufweichung der Billigpreispolitik des Online-Anbieters. E-Bücher dürften zunächst um bis zu 50 Prozent teurer werden, und Verleger wie Autoren sollten einen grösseren Anteil als bis anhin bekommen.

Nur zwei Tage nachdem Steve Jobs den iPad vorgestellt und seine Eignung als Lesegerät explizit hervorgehoben hatte, klopfte bei Amazon einer der grössten Buchverlage an. Macmillan gab dem Online-Konzern zu verstehen, dass man die bisherige Billigpreispolitik definitiv nicht mehr akzeptieren wolle und eine klare Korrektur verlange.

«Vor dem Monopol von Macmillan kapituliert»

Amazon reagierte vehement: Sämtliche Werke des Macmillan-Verlags, der zur deutschen Holtzbrinck-Gruppe gehört, wurden per sofort aus dem Sortiment gestrichen. Wer einen Kindle-Reader von Amazon hat, sah seine Auswahl um mehrere Hundert Werke geschmälert. Trotz eines Proteststurms von Seiten der Amazon-Kunden liess sich der Internet-Konzern nicht umstimmen und teilte am späten Sonntagabend mit, man habe «vor dem Monopol von Macmillan kapituliert» und hoffe jetzt nur, dass andere Verlage dem Beispiel nicht folgten.

Diese Hoffnung dürfte vergeblich sein, denn Macmillan ist nur einer von sechs Buchverlagen, die zuvor mit Apple (AAPL 562.29 -0.54%) einen Abnahmevertrag für den iPad abgeschlossen und dabei bis zu 50 Prozent höhere Preise vereinbart hatten. Der Unterschied ist beträchtlich: Amazon bietet Bestseller für 10 Dollar an und nimmt dabei Verluste von zwei bis drei Dollar in Kauf. Mit diesem Preisdumping sollte der Absatz des Kindle-Readers angekurbelt und der Markt abgeräumt werden. In den USA gelang dies auch zu einem schönen Teil; Amazon kontrolliert hier rund 60 Prozent des E-Buch-Marktes.

Apple bietet an, die gleichen Bücher für 13 bis 15 Dollar zu verkaufen und «nur» 30 Prozent des Preises abzuzweigen. Das freut Verlagshäuser und Autoren, das Nachsehen haben die Leser, die mehr als bisher für E-Bücher zahlen müssen. Allerdings glauben Branchenexperten, dass sich die Preise wieder nach unten einpendeln werden, sobald mehr Anbieter von E-Reader auftauchen.

Macmillan als Vorreiter

Es ist kaum daran zu zweifeln, dass andere Verlage dem Beispiel von Macmillan folgen werden. Amazon habe den Preiskrieg eskalieren lassen, kritisiert die Authors’ Guild, der Dachverband der US-Schriftsteller. Davon seien neue, erfolgsversprechende Schriftsteller am stärksten betroffen.

Mit grossem Interesse verfolgen Zeitungsverleger den Preiskrieg, da sie ein vergleichbares Abgeltungsmodell für die elektronische Ausgabe ihrer Produkte verhandeln. Amazon zweigt nämlich auch satte 70 Prozent der Einnahmen für sich ab, wenn eine Zeitung wie die «New York Times» ihre Inhalte über den Kindle zugänglich macht. «Amazon bietet nicht die Plattform, welche die Zeitungen in naher Zukunft rettet», stellte der Konzernchef der «Dallas Morning News» letzte Woche vor dem Senat trocken fest. Walter Niederberger, San Francisco (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.02.2010, 17:12 Uhr

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