Wirtschaft

Angeschlagenes Weltblatt

Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 21.07.2011 6 Kommentare

Das hochangesehene «Wall Street Journal» aus dem Hause Murdoch gerät in den Strudel des Medienskandals. Verspielt die Zeitung gerade ihren guten Ruf?

1/4 Zeitung mit weltweiter Ausstrahlung: Das «Wall Street Journal» erscheint seit 122 Jahren. (Ausgabe vom Sommer 2007, als das Blatt in die Hände Murdochs überging)
Bild: Reuters

   

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Schaum-Angriff auf Rupert Murdoch

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Während der Anhörung des Medienmoguls vor einem Parlamentsausschuss kam es zu Handgreiflichkeiten.

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1889 gegründet, weit über zwei Dutzend Pulitzer-Preise gewonnen und heute auflagenstärkste Zeitung der USA: Das «Wall Street Journal» ist eines der wichtigsten Presseerzeugnisse der USA, ja sogar weltweit. Konservativ und wirtschaftsliberal, steht das Blatt den Republikanern nahe. Bushs Politik des Kriegs gegen den Terror fand in den Spalten des «Wall Street Journal» zumeist Unterstützung.

Nun aber wird die Zeitung kräftig durchgeschüttelt. Seit der Skandal um die illegalen Abhörpraktiken bei «News of the World» in Grossbritannien immer grössere Kreise zieht, gerät auch das Wirtschaftsblatt ins Schleudern. Beide Zeitungen gehören zum Medienimperium von Rupert Murdoch. Das birgt schon eine gewisse Spannung. Dass nun der mächtige Mann via sein Weltblatt versucht, die Angriffe gegen ihn abzuwehren macht die Sache aber besonders delikat.

Die früheren Besitzer bedauern den Verkauf

Letzte Woche gab Murdoch dem «Wall Street Journal» ein Interview. Das aber wurde sogleich von Kommentatoren zerrissen, weil ihm kaum kritische Fragen gestellt worden waren, etwa, wann er denn von den Praktiken seiner Reporter erfahren habe. Die Wirtschaftszeitung legte nun Anfangs Woche noch einen drauf. In einem Leitartikel prangerte das Blatt die Konkurrenz an: «Politiker und die Konkurrenz benutzen den Abhörskandal, der sich vor Jahren in einer britischen Ecke von News Corp ereignete, um das Journal anzugreifen und vielleicht die Freiheit der Presse allgemein zu beschädigen», hiess es darin.

Besonders angegriffen wurde das US-Onlineportal ProPublica, das von Paul Steiger gegründet wurde. Brisant: Steiger war Chefredaktor beim «Wall Street Journal» von 1991 bis 2007. Im Jahr 2007 hatte auch der Besitzerwechsel von der Familie Bancroft zu Rubert Murdochs Imperium stattgefunden. Und diese Bancrofts sind inzwischen reuig, das angesehene Blatt dem gebürtigen Australier verkauft zu haben, wie sie Steiger verrieten.

Wehe, wenn das FBI fündig wird

Hier wird also scharf geschossen. Kritik hagelt es auf das Weltblatt aber inzwischen aus allen Richtungen. Von Bloggern, Twitterern und anderen Zeitungen. Abo-Abbestellungen werden angekündigt und Kommentare greifen die Zeitung an. Dass Ende letzter Woche auch noch Verlagschef Les Hinton zurücktrat, war sicher nicht vertrauensfördernd. Hinton war es, der zum Zeitpunkt, als die Telefonabhörungen stattfanden, die britischen Zeitungsgeschäfte des Murdoch-Imperiums leitete.

Nun droht den Murdoch-Medien auch von Seiten der US-Justiz Ungemach. Das FBI ermittelt. Möglicherweise haben sich Mitarbeiter des Konzerns Zugang zu Telefondaten von Opfern des 11. September verschafft. Sollte dabei etwas herauskommen, wird es noch enger für den Murdoch-Konzern. Besonders unter Beobachtung dürften dabei der TV-Sender Fox News sowie das Boulevard-Blatt «New York Post» stehen.

Alles soll eine Verschwörung sein

In besagtem Leitartikel des «Wall Street Journal» vom Montag – im Übrigen ohne Autoren-Kennzeichnung – schiesst die Wirtschaftszeitung gegen den britischen «Guardian» und die BBC. Und auch die «New York Times» bekommt ihr Fett ab. Von Murdoch-Seite wird nun versucht, das Ganze als Verschwörung gegen das eigene Medien-Imperium darzustellen.

Rund fünf Milliarden Dollar hatte Murdoch 2007 für das «Wall Street Journal» bezahlt. Seither hat das Blatt die Politberichterstattung ausgebaut. Man will der «New York Times» stärker Konkurrenz machen. Bei der Gesinnung hat die neue Besitzerschaft den Zeitungsmachern bis vor wenigen Tagen nicht dreingeredet. Das war auch nicht nötig, weil das Blatt seinen Rechtskurs hielt. Nun hat sich daran offensichtlich etwas geändert. Dass das dem guten Ruf des Weltblatts nicht gut tut, kann man sich vorstellen. Noch scheint der Sturm auch für die angesehene Wirtschaftszeitung nicht ausgestanden. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.07.2011, 17:43 Uhr

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6 Kommentare

Leo Ruegg

20.07.2011, 18:23 Uhr
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Interessanterweise sehen die Rechtshueter keinen Handlungsbedarf bei sich selbst foerdernden Investitionen.
Ein Murdoch kauft keine Zeitung - er kauft ein Geschaeft. Die Frage ist: Wie optimiert man es. Antwort: Mit allen Mitteln. Die westliche Welt hat zusehr das Feindbild "Al Kaida" gehaetschelt. Nicht bemerkt hat sie den leisen Terror im eigenen System.
Antworten


Leo Ruegg

20.07.2011, 18:30 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Watergate im Verlagshaus - Die Zeiten haben sich geaendert. Antworten



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