Wirtschaft

Ackermanns Endspurt enttäuscht die Anleger

Aktualisiert am 26.04.2012 6 Kommentare

Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal 1,4 Milliarden Euro verdient – gut ein Drittel weniger als im Vorjahr. Bankenchef Josef Ackermann konnte damit die Erwartungen der Branchenanalysten nicht erfüllen.

Das letzte Quartal unter seiner Führung ernüchtert die Analysten: Josef Ackermann. (28. Januar 2012)

Das letzte Quartal unter seiner Führung ernüchtert die Analysten: Josef Ackermann. (28. Januar 2012)
Bild: Keystone

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Seine letzte Bilanz hatte sich Josef Ackermann gewiss anders gewünscht. Mit glänzenden Zahlen konnte der scheidende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank heute nicht aufwarten. Unter dem Strich machte die Bank im ersten Quartal einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro. Das war gut ein Drittel weniger als ein Jahr zuvor. Vor Steuern lag das Ergebnis bei 1,9 Milliarden Euro – nach drei Milliarden Euro im Startquartal 2011.

«Vor dem Hintergrund anhaltender Zurückhaltung auf den globalen Finanzmärkten haben wir solide Ergebnisse erzielt», sagte Ackermann. Doch Analysten hatten mit mehr gerechnet und einen Vorsteuergewinn von 2,4 Milliarden Euro prognostiziert.

Aktie fiel steil ins Minus

Entsprechend enttäuscht reagierten die Anleger. Kaum waren die Zahlen veröffentlicht, fiel der Kurs der Bank an der Frankfurter Börse steil ins Minus. Gegen Mittag wurde die Aktie mit einem Abschlag von rund fünf Prozent auf den Schlusskurs des Vortages gehandelt.

Dabei hatte Ackermann, der mit der Hauptversammlung Ende Mai die Leitung der Deutschen Bank an ein Führungsduo aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen übergibt, auch positive Nachrichten zu vermelden. Denn nach den miesen Zahlen vom Jahresende 2011 geht es wieder aufwärts bei der Deutschen Bank.

Im Schlussquartal hatte die Euro-Schuldenkrise Deutschlands Branchenführer das Geschäft verdorben. Nur durch das Geschick ihrer Steuerberater konnte die Deutsche Bank einen Verlust vermeiden, letztlich stand für die letzten drei Monate des vergangenen Jahres ein Nettogewinn von 186 Millionen Euro zu Buche.

Aufwärtstrend trotz Gewinneinbruchs

Die Zahlen für das erste Quartal zeigen dagegen trotz Belastungen etwa durch hohe Abschreibungen für den Verkauf des Generikaherstellers Actavis eine Erholung. Doch hängen bleiben vor allem die nach Ansicht der Marktbeobachter schwachen Zahlen, die Ackermann kurz vor seinem Abschied verkündete.

Zehn Jahre lang hat der Schweizer an der Spitze der Deutschen Bank gestanden und angekündigt, ein bestelltes Haus übergeben zu wollen. Bei der Bewältigung von Rechtsstreitigkeiten gebe es «anhaltende Fortschritte», sagte Ackermann heute.

Aber es bleiben Baustellen wie die Prozessfehde mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch. Ackermann konnte sie nicht beenden, weil ein teurer Vergleich am Widerstand des Bankenvorstands scheiterte.

Schatten auf dem Abgang

Selbst sein Abschiedsauftritt am 31. Mai könnte unruhig werden. Die lange Suche nach einem Nachfolger für Ackermann, bei der sich Zerwürfnisse in der Bankspitze offenbarten, hat Londoner Investoren verärgert. Sie wollen dem Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung die Entlastung verweigern.

Das «Missmanagement bei der Besetzung von Spitzenposten» sei im internationalen Vergleich einmalig, erklärten sie. Auch wenn der Schritt nur symbolischen Charakter hat und Ackermann nicht persönlich betrifft, wirft er doch auch einen Schatten auf seinen Abgang. (rbi/sda)

Erstellt: 26.04.2012, 13:59 Uhr

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6 Kommentare

Sacha Meier

26.04.2012, 10:25 Uhr
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«...Heute ist das Institut [...] die grösste Bank der Euro-Zone....» Man könnte auch sagen, der gute Joe hat da ein Monster geschaffen. Nicht nur too big to fail, sondern auch so einflussreich und mächtig, dass die Bank heute die europäische Politik mitbestimmen kann. Das EU-Pendent zu Goldman-Sachs, so zu sagen. Antworten


will williamson

26.04.2012, 10:07 Uhr
Melden 10 Empfehlung 0

Die Erwartungen der Analysten nicht erfüllt. Obwohl das völlig irrelevant ist, reagieren die Investoren wie gestört darauf. Was zählt ist doch das effektive Ergebnis. Und fast noch wichtiger sind die Zukunftsaussichten, die in vielen Fällen ebenfalls schwierig einzuschätzen sind. Eigentlich manipulieren die Analysten den Markt. Die sollten statt dessen einer vernünftigen Arbeit nachgehen müssen. Antworten



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