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Simon Schmid
Reporter Wirtschaft


900 Millionen zur Seite gelegt

Aktualisiert am 03.12.2012 35 Kommentare

Offenbar wird die UBS in «Liborgate» mindestens 450 Millionen Dollar an Strafe bezahlen. Was aber kommt noch alles auf die Grossbank zu? Antworten zu den wichtigsten Fragen im Manipulationsskandal.

Finanzielle Forderungen noch und noch: Filiale der UBS in Zürich.

Finanzielle Forderungen noch und noch: Filiale der UBS in Zürich.
Bild: Keystone

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Der Libor-Skandal

Die London Interbank Offered Rate (Libor) ist der Zins, zu dem sich Banken untereinander Geld ausleihen. Er wird in verschiedenen Währungen für sehr kurze und monatliche bis hinauf zu einjährigen Notierungen fixiert. Zuständig dafür ist seit 1986 die private Bankiervereinigung British Bankers’ Association (BBA) in London respektive ihre Mitgliederbanken, zu denen auch UBS und Credit Suisse (CS) gehören.

Im Anschluss an die Finanzkrise von 2008 kam der Verdacht auf, die Libor-Banken hätten ihre Eingaben an die BBA absichtlich verfälscht. Der Verdacht ist zur Gewissheit geworden, nachdem die amerikanischen und die britischen Behörden Barclays deswegen eine rekordhohe Busse von gut 450 Millionen Dollar aufbrummten. Bekannt ist ausserdem, dass sich die UBS bei der Schweizer Wettbewerbskommission Weko wegen Einflussnahme auf den Libor selbst angezeigt hat.

Von der Kartellabteilung des US-Justizministeriums und von den kanadischen Wettbewerbshütern holte sich die Bank durch ihre Kooperation ebenfalls solche Zusagen, was – zumindest potenziell – strafmildernde Wirkung für sie haben sollte. Sämtliche amtlichen Nachforschungen über Libor-Manipulationen der Banken gehen weiter.

Parallel dazu haben Investoren in den USA verschiedene Sammelklagen gegen Libor-Banken eingereicht. Auch hier zählen UBS und CS zu den Beklagten. In ihrer Eingabe ans Gericht werfen die Anwälte den Banken unter anderem vor, Käufer von liborgebundenen Zinsprodukten (Swaps) durch Absprachen benachteiligt zu haben.

Noch ist offen, ob den Banken tatsächlich eine solche kundenschädigende Manipulation des Libor nachgewiesen werden kann. Denn die Aufsichts- und Wettbewerbsbehörden haben in ihren Untersuchungen bislang lediglich aufgezeigt, dass es zu Manipulationsversuchen kam, von denen einzelne Händler bei den Banken auch tatsächlich profitierten.

Der Wert von Finanzprodukten für mindestens 350 Billionen Dollar wird durch den Libor beeinflusst. Angesichts dieser astronomischen Summen steht für die Banken in den Sammelklagen viel auf dem Spiel.

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Es wäre eine der höchsten je in der Finanzwelt bezahlten Bussen: Laut Informationen der «New York Times» wird die Manipulation von Libor-Zinssätzen die UBS die Summe von mindestens 450 Millionen Dollar kosten. Die Zeitung beruft sich dabei auf ungenannte offizielle Quellen. In der Finanzwelt wird seit Februar darüber gerätselt, welche Bussen die Regulatoren aus den USA, aus Grossbritannien, der Schweiz und weiteren Ländern gegen Grossbanken aussprechen werden. Im Juni hatte die britische Bank Barclays als erstes Institut Fehler eingeräumt und eine Busse in Höhe von 450 Millionen Dollar gezahlt.

Wie ist die vermutete Höhe der Busse gegen die UBS einzuschätzen? Dass die Busse gegen die UBS beinahe identisch sein soll mit derjenigen, die Barclays im Juni aufgebrummt erhielt, lässt aufhorchen. Für die Luzerner Finanzprofessorin Monika Roth zeigt dies, dass «die Zustände bei UBS nicht besser waren als bei Barclays». Der Beitrag zu den Libor-Manipulationen der beiden Banken werde von den untersuchenden Behörden wohl ähnlich eingeschätzt.

Geniesst die UBS nicht Straffreiheit? Laut eigenen Angaben hat sich die UBS den Kronzeugenstatus im Untersuchungsverfahren gesichert, das die schweizerische Wettbewerbskommission in Sachen Libor-Manipulation anstrengt. Dort geht es um die Frage, inwieweit die Manipulationen des Libor und Tibor (das Pendant des Libor in Tokio) ein kartellrechtliches Vergehen der UBS und elf weiterer Banken ist. Beim Verfahren der Finanzregulierungsbehörden (darunter die Finma, die britische FSA, die Finanzbehörde Singapurs sowie drei Behörden aus den USA) geniesst die UBS keine Vorzugsbehandlung.

Was drohen der UBS für weitere Konsequenzen? Vonseiten der Weko kann die UBS von einer Strafbefreiung bis zu einer Busse in Millionenhöhe alles erwarten. Eine Busse würde sich laut Angaben der Weko am effektiven Gewinn orientieren, welchen die UBS in den relevanten Zinsmärkten durch die Kollusion erzielte. Der gesetzliche Maximalbetrag beträgt 10 Prozent des Bruttoertrags der UBS über die letzten drei Jahre – was einer Summe von mehreren Milliarden entsprechen würde. Dieses Limit liegt allerdings weit über einer wahrscheinlichen Busse. Laut Weko kann sich die Sanktion gegen die UBS wegen der Selbstanzeige der Bank auch bis auf null reduzieren.

Wie sieht es mit Zivilklagen aus? Bereits wurden in den USA diverse Sammel- und Einzelklagen gegen die UBS eingereicht. Im Juli reichten 25 Parteien Zivilklagen gegen Grossbanken ein. Zu den Klägern gehört auch eine amerikanische Stadt, ein Brokerhaus sowie eine kleinere Bank. Sie werfen den Grossbanken vor, die Zinsen zu ihren Ungunsten verfälscht zu haben. Im Oktober ging eine Klage von fünf privaten Hausbesitzern gegen zwölf Finanzkonzerne ein. Experten rechnen insgesamt mit Vergleichssummen in zweistelliger Milliardenhöhe.

Hat sich die UBS finanziell abgesichert? Die UBS hat im dritten Quartal ihre Kriegskasse für Justizverfahren nochmals um 313 Millionen Franken aufgestockt. Per 30. September weist die UBS damit Rückstellungen für Gerichtsverfahren sowie regulatorische und ähnliche Angelegenheiten im Umfang von 897 Millionen Franken aus. Inbegriffen in dieser Zahl sind auch die eigenen Anwaltskosten, welche die Bank in diesem Zusammenhang hat. Aus dieser Kasse bezahlt die UBS auch die Busse von 44 Millionen Franken, die ihr im Zusammenhang mit dem Fall Adoboli aufgebrummt wurde.

Wird auch die Credit Suisse bestraft? Auch die CS firmiert unter den Banken, deren Beteiligung an den Libor-Manipulationen durch die Behörden untersucht wird. Das Verfahren der Weko betrifft die Credit Suisse ebenfalls, wobei die Bank dort keinen Kronzeugenstatus geniesst. Möglicherweise braucht sie ihn nicht, weil sie weniger vom Problem betroffen ist. Einer umstrittenen Schätzung der US-Bank Morgan Stanley zufolge könnte die zweitgrösste Bank der Schweiz finanziell sogar noch stärker zur Rechenschaft gezogen werden. Die CS geht ihrerseits nicht davon aus, dass sie ein «materielles Problem» aufgrund von Libor-Manipulationen hat. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.12.2012, 13:14 Uhr

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35 Kommentare

Eberhard Frost

03.12.2012, 15:39 Uhr
Melden 206 Empfehlung 2

Wenn man das so liest, hat man den Eindruck, Berichte über die Mafia zu lesen. Mafiosi verfügen über ein eigenes Paralelluniversium, einschließlich eigener "Moral". Banken und Banker auch. Warum werden letztere noch als honorig betrachtet? Antworten


Rolf Rothacher

03.12.2012, 14:07 Uhr
Melden 126 Empfehlung 5

Warum verteilen die Aufsichtsbehörden bloss Bussen an die Unternehmen. Sie sollten endlich die Mitarbeiter und ihre verantwortlichen Vorgesetzten als kriminelle Vereinigung anklagen. Es darf doch nicht sein, dass ständig bloss die Arbeitgeber bezahlen, wenn sich seine Arbeitnehmer zu kriminellen Vereinigungen zusammenschliessen? So wird das Betrügen im Bankwesen nie verschwinden. Antworten