600'000 neue Jobs und ein grosses Problem
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 13.12.2011 59 Kommentare
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Seit rund zwei Jahren steigt die Ölproduktion in den Vereinigten Staaten wieder an, und dies nicht durch die umstrittenen Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko. Der neue amerikanische Ölboom findet auf dem Festland statt. Trotzdem ist er nicht weniger umstritten. Schuld daran ist eine neue Fördermethode, das so genannte Fracking.
Halbe Million Fässer pro Tag
Beim Fracking wird eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien mit grossem Druck in das öl- oder gashaltige Gestein gepumpt. Damit kann man Reserven erschliessen, die mit den bisherigen Methoden unerreichbar waren. Fracking hat so die US-Öl- und Gasindustrie zu neuem Leben erweckt. Mit dieser Methode werden heute bereits eine Halbe Million Fässer pro Tag gefördert, im Jahr 2020 könnten es gar drei Millionen Fässer sein. Ebenso ergiebig ist Fracking beim Schiefer-Gas. Bereits ein Drittel des amerikanischen Naturgases wird auf diese Weise erschlossen. Davon profitiert auch der Arbeitsmarkt: Rund 600'000 neue Jobs sind entstanden. Kein Wunder ist die Erdölindustrie zu einer grossen Hoffnung der US-Wirtschaft geworden.
Der neue Erdölboom ist jedoch ein zwielichtiges Geschenk. Es verhindert eine rasche Umstellung auf nachhaltige Energien und verschärft so die CO2-Problematik. Zudem braucht Fracking sehr grosse Mengen Wasser. Zum Beispiel das Eagle Ford-Ölfeld in Texas: Es ist erst vor drei Jahren erschlossen worden und liefert bereits heute rund sechs Prozent des gesamten Ölverbrauchs von Südtexas. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn genug Wasser zur Verfügung stehen würde. Doch in Texas regnet es bekanntlich selten. In diesem Sommer wurde gar eine Rekorddürre verzeichnet. Deshalb ist zwischen den Ranchern und den Öltycoons ein Kampf um das knappe Nass entbrannt. «Alles dreht sich heute um Wasser», sagt David Porter von der Texan Railroad Commission, die auch die Ölindustrie überwacht. «Jedermann macht sich darum Sorgen.»
Ölgesellschaften kaufen Wasserrechte
Der Kampf ist einseitig. Um ein Kornfeld zu bewässern, das einen Gewinn von 200'000 Dollar abwirft, braucht es etwa gleich viel Wasser wie um ein Ölfeld zu fracken, das Öl im Wert von 2,5 Milliarden Dollar hergibt. Das Resultat dieses einseitigen Kampfs fasst das «Wall Street Journal» wie folgt zusammen: «Quer durch das ganze Gebiet des Bundesstaates haben die Ölgesellschaften alle Wasserrechte aufgekauft und die Bauern, aber auch die Gemeinden, bei Auktionen locker überboten. Angeführt von Exxon und Mobile Corp. bohren sie auch neue Quellen an, rund dreimal mehr als vor fünf Jahren. Manchmal kommen sie dabei sogar den Wasserwerken der Städte in die Quere.»
Selbst in den Staaten, die über genügend Wasser verfügen, ist Fracking zu einer Bedrohung geworden. Es kann beispielsweise sauberes Trinkwasser verschmutzen. Oder Ackerland und bestehende Wasserleitungen gefährden. Deshalb warnt die Stadt New York, dass wegen dem Fracking die alternden Tunnels ihrer verzweigten Wasserversorgung einstürzen könnten und fordert entsprechende Schutzzonen. Mit Chemikalien versetztes Fracking-Wasser könnte zudem grosse Umweltschäden anrichten. Bestehende Kläranlagen sind nicht in der Lage, dieses Abwasser aufzubereiten. Im Bundesstaat New York will nun der Gouverneur, Andrew Cuomo, der Öffentlichkeit das Recht einräumen, sich dazu zu äussern und abzuklären, wie Fracking mit Regeln und unter Aufsicht sicher gemacht werden kann. Erst, wenn die bohrenden Fragen der Bevölkerung gelöst seien, soll weiter gebohrt werden. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.12.2011, 14:47 Uhr
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