4,3 Milliarden Verlust auf den UBS-Schrottpapieren
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 04.03.2010 40 Kommentare
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In der Schweiz scheint die Finanzkrise vorbei zu sein, den Banken geht es wieder deutlich besser. Dabei geht fast vergessen, dass die Steuerzahler als Inhaber des Nationalbankvermögens noch immer einem gewaltigen Risiko von insgesamt 24,1 Milliarden Dollar ausgesetzt sind. Das zeigen die heute präsentierten Zahlen der Schweizerischen Nationalbank SNB (SNBN 1074 -1.47%) zum sogenannten «Stabfund». Dieser Sonderfonds der Nationalbank hat der UBS (UBSN 12.93 1.57%) den grössten Teil ihrer Schrottpapiere abgenommen, um sie vor dem Untergang zu retten. Die Anlagen lauten auf die amerikanische Währung.
24,1 Milliarden Dollar ist nach wie vor ein enormer Betrag. Er entspricht rund 5 Prozent des Schweizerischen Bruttoinlandprodukts (BIP). Selbst die viel zitierte Rettungsaktion des Versicherers AIG durch die US-Regierung im Umfang von 180 Milliarden Dollar nimmt sich dagegen bescheiden aus, wenn man die Grösse der Volkswirtschaft mit in Rechnung zieht: Sie ist mit einem Anteil von 1,25 Prozent am US-BIP nur einen Viertel so umfangreich.
Risiken um rund 11 Milliarden Dollar vermindert
Immerhin ist es gelungen, die im «Stabfund» ausgelagerten Risiken durch die Bewirtschaftung der Anlagen deutlich zu mindern: seit der Installierung des Sonderfonds im September 2008 um rund 11 Milliarden Dollar. Das jetzt verbleibende Gesamtrisiko setzt sich aus dem verbleibenden Wert des Darlehens von 20,3 Milliarden Dollar plus so genannten Eventualverpflichtungen im Umfang von 3,8 Milliarden Dollar zusammen. Diese Eventualverpflichtungen bestehen im Wesentlichen aus verbrieften Kreditversicherungen («Credit Default Swaps» CDS). Wenn ein versichertes Ereignis eintritt, wird die Verpflichtung fällig.
Anfänglich hat die SNB der UBS Risiken im Umfang von 38,6 Milliarden Dollar abgenommen und in den extra dafür geschaffenen «Stabfund» übernommen. Die Eventualverpflichtungen aus CDS hatten einen Anteil daran von 8,8 Milliarden Dollar. Finanziert wurde der Fonds durch ein Darlehen der SNB im Umfang von 25,8 Milliarden Dollar und einer Eigenkapitaleinlage der UBS von 3,9 Milliarden Dollar. Das entsprach der Vereinbarung, dass sie 10 Prozent an den Fonds beisteuern soll.
Fast eine halbe Milliarde Verlust auf dem Darlehen
Die Verluste auf den Positionen des Fonds haben dieses Eigenkapital allerdings bereits mehr als aufgezehrt. Die gesamten Abschreiber auf den übernommen Risikopapieren belaufen sich bisher auf 6,6 Milliarden Franken, 5,6 Milliarden der Wertberichtigung resultiert aus dem vergangenen Jahr. Der bisherige Gesamtverlust auf den Einlagen ist dennoch nicht ganz so gross: Er beläuft sich bisher auf 4,3 Milliarden Dollar. 2,6 Milliarden davon beziehen sich allein auf das Jahr 2009. Der Unterschied resultiert zum grössten Teil aus realisierten Zinseinnahmen von 1,7 Milliarden und sogenannten «Effektivzinsen» im Umfang von bisher total 1,65 Milliarden Dollar. Die «Effektivzinsen» hat der Fonds allerdings nicht wirklich eingenommen, sie entsprechen einer Schätzung von Erträgen, die auf einigen Anlagen noch erwartet werden können.
Der bisherige Totalverlust für die SNB übertrifft das von der UBS einbezahlte Eigenkapital um 418 Millionen Dollar – die UBS-Einlage von 3,9 Milliarden abzüglich dem Fonds-Gesamtverlust von 4,3 Millarden Dollar. Das heisst, um diesen Betrag ist das Darlehen der SNB nicht mehr gedeckt. Dennoch kann sich die Nationalbank noch immer schadlos halten. Als weitere Sicherung hat sie sich von der UBS für den Fall einer Unterdeckung ihres Darlehens eine Option zum Kauf von 100 Millionen UBS-Aktien zusichern lassen. Zum Jahresende schätzte die SNB den Wert dieser Option auf 1,216 Milliarden Franken. Die Hilfsaktion für die UBS belastet deshalb das Ergebnis bisher nicht. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.03.2010, 20:59 Uhr
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40 Kommentare
Das Lohn-/Boni-System bei den Banken / Versicherungen ist nicht mehr zeitgemäss, und muss nach unten korrigiert werden, und hört entlich mit dem gejammer der Abwanderung auf. Wenn dieses Probleme von den Banken nicht gelöst werden kann, müssen es eben ander tun. Antworten
Wer sind die grössten Raubritter der letzten Jahren ? Sind es nur die Banker, wie in vielen Medien suggeriert wird. Sicherlich tragen die Banker eine Mitschuld , was ist aber mit unseren Politikern. Vergessen die Goldverkäufe der SNB in den 90 er Jahren z. G. der AHV und Kantonen bei Preisen von 400 USD pro Oz. Die SNB handelte im Auftrag der Politik. Verschenktes Volksvermögen 25 Mia. Fr. Antworten
Die Finanzkrise u.a. der UBS hat einen Vorteil: jeder, der bisher von Fussball nichts verstanden hat, aber natürlich immer wusste, welchen Spieler man hätte aufstellen müssen, kann nun behaupten, er würde auch was von Banking verstehen. Besserwissertum und Neid scheinen die neuen Tugenden diverser Schweizer zu sein. Antworten
@UrsFalk: So genau sollte man es machen. Der UBS das "Giftige Geld" zurücküberweisen. Dann können sich diese Superbanker !!!daraus, gerne mit gierigen Händen Ihre wohlverdienten Gift-Bonis auszahlen. Vielleicht würden Sie dann in Zukunft ein bisschen intelligentere Geschäft machen, wenn es Konsequenzen auf ihren Lohn hätte... Antworten
Hier wird bewusst falsch informiert. Punkt ist, wie im letzten (endlich) Abschnitt geschrieben wird, übertrifft das Result positive die Erwartungen bei Weitem und langfristig wird voraussichtlich ein Gewinn rausschauen. Bin sicher, dass dann (in 2-5 Jahren) sich niemand mehr an die populistische Anti-Nationalbank/UBS Kampagne erinnern mag (Journalisten/Blogger). Antworten
@Hans Inauen - Mitarbeiter haben Füsse und können gehen. Den unterschiedlichen Verlauf der Jahre muss der Aktionär tragen, nicht der Mitarbeiter. Der Aktionär hat die Verluste auf der Aktie erlebt, und dassselbe bei der Dividende. Pech für ihn, aber wenn das die Mitarbeiter tragen sollen, dann gehen diejenigen, die gehen können. Antworten
Falls die SNB wirklich jemals Gewinn macht, könnte man diesen ja für die Sanierung der IV, AHV, ALK einsetzen, das wäre wenigstens etwas sinnvolles. Und sonst? Wie abartig dass es ist, wenn der Staat die UBS retten muss und immer noch auf Hochrisikopapieren sitzt und diese Bank dann Milliarden an Boni ausbezahlt, an Leute in Lohnklassen, die das nicht nötig haben, muss man das nochmals erwähnen? Antworten
Die Nationalbank hätte nie die Papiere ohne eine langfristige Gewinnabschöpfungsmöglichkeit bei der UBS übernehmen dürfen. Wenn die UBS in Zukunft fette Gewinne einfährt und die Nationalbank fette Verluste (wegen Abschreiber), dann wird der Vertrauensschaden beim Bürger immens sein. Bleibt zu hoffen, dass es nicht soweit kommt. Antworten
@ Inauen - mein Kommentar war ein Vorschlag wie man die CDS wieder auf die UBS abwälzen könnte. Die UBS würde es sich dann gut überlegen ob und wieviel Bonis sie auschütten will wenn sie weiss, dass sie für denen Sfr Boni einen Sfr CDS Wert erhalten würde. Antworten
@Stefan Meier: Die SNB gehört nicht der Nation, 55 % sind im Besitz der öffentlichen Hand, der Rest bei privaten Aktionären. Allfällige Verluste gingen dann aber sicher auf das Konto der Steuerzahler (=Mittelklasse+Konsument) oder der Halter von Schweizer Franken. Antworten
Wenn das ganze Finanz-Pyramidenspiel zusammenkracht, werden im Sozialismus für die Banker und Superreichen die Schulden einer trägen, schwachen und verblödeten Bevölkerung aufgebürdet werden. Ihre Kinder werden Schuld-Knechte sein und dürfen dann die Schulden, die Dank dem Zinses-Zins immer mehr werden, zurückzahlen. Die 3. Welt lässt grüssen. Die Freiheit ist leider nicht immer Gratis zu haben Antworten
Gut ist, dass wir wieder mal daran erinnert werden, dass immer noch Schrott der UBS bei der Nationalbank lagert. Viele UBS-Banker und auch Politiker tun so, als sei die Finanzkrise "Schnee von gestern". Alles neu macht der Mai offenbar bereits im März. Es sind übrigens die gleichen Leute, die eine Reduktion des BVG-Umwandlungssatzes von der Bürgerschaft einfordern! Antworten
den kleinen presst man alles aus, und die Herren von UBS, laufen einfach so herum als wäre nichts geschen, wan kommt die umkehr, und Einsicht der Herren. Also Bank kleiner machen das man die Übersicht nicht verliert! Der BR sollte sich mal anstrengen! sonst verliert man den glauben an den BR! Leistung=Lohn so sollte es sein, keine pseudo Boni! Antworten
Sobald die UBS wieder Gewinn schreibt, werden 1:1 von diesen CDS auf die UBS zurücküberwiesen. Und zwar folgendermassen: zB Gewinn 1 Milliarde, Bonis 2 Milliarden = Uebertrag von CDS an die UBS im Wert von 3 Milliarden. Somit würde die UBS über die nächsten 5-7 Jahre wohl kein Profit mehr machen und die Bonifrage wäre auch geklärt. Die UBS soll für das Problem zahlen, nicht der Steuerzahler ! Antworten
4.3 Mia Verlust und 24 Mia Schrott ! Und dann wollen BR und bürgerliche NR uns eine Senkung der Renten schmackhaft machen und behaupten, es sei in paar Jahren kein Geld mehr da! Für die Banken gibt es Milliarden, für die zukünftigen Rentner senkt man die Pensionen! Das nennt man bürgerliche Politik. Deshalb Rentensenkung: NEIN ! Antworten
@ Marc Raggenbass: Ein Dahrlehen mit einem attraktiven Zins beinhaltet immer ein Riskio. Je höher der Zins, desto höher das Risiko (und umgekehrt). Der Schuss hätte auch nach hinten losgehen können. Oder warum haben sich keine anderen gefundne die der UBS damals das Geld gaben? Diesen Betrag jetzt in dieses Geschäft reinzurechnen ist falsch. Antworten
Interessanter Bericht! Für die SNB ist meiner Meinung nach aber noch nicht alles ausgestanden. Marc Faber würde dazu wohl sagen: "Gewinne sind erst Gewinne, wenn man sie realisiert hat." Solange es mit den Finanzen wieder aufwärts geht, ist alles in Butter. Wehe aber, wenn der Trend kehrt.... Antworten
Ob am Schluss ein Gewinn oder ein Verlust resultiert, ist nicht das Problem. Fakt ist, dass wir die absolut unfähigen UBS Manager/Hintermänner mit einer Risikoübernahme von 38.6 Mrd. USD retteten. Mussten wir das wirklich, oder sind wir ihnen nur auf den Leim gegangen? Fakt ist, die UBS war in den USA kriminell tätig und sollte daher dort bestraft werden. Wir retten die Manger, dümmer geht's nicht Antworten
All die, die glauben, das Volksvermögen hätte keinen Rappen Verlust gemacht: Hat es sehr wohl, denn die SNB (welche ja der Nation gehört) kann jetzt in der einen oder anderen Form seinen anderweitigen Verpflichtungen oder Anlagestrategien nicht nachkommen. Das ist Milchbüchleinrechnung, die kann mir kein Banker madig machen. Antworten
AIG hat keine grosse Bedeutung für die USA. UBS umso mehr für CH! Zudem schwankt der Wert der Schuldverschreibungen. Häuser, Grundstücke etc. gehören der SNB. Sobald die US-Wirtschaft anspringt, können diese mit hohem Gewinn verkauft werden. Der grösste Verlust hat die UBS bereits realisiert. Die SNB trägt sehr wenig Risiko. Die Chancen sind viel grösser. Wieso diese Hetze gegen die UBS? Antworten
Bravo, den Schrott dem Staat, die Boni den Bankern. Warum verpflichtet die Finma die UBS nicht, für 3 Milliarden Schrottpapiere von der Nationalbank zurückzukaufen und diese als Boni für die herausragenden Leistungen der Banker zu verteilen ? Oder werden die Banker etwa dafür belohnt, dass sie den Schrott dem Staat verkauft haben ? Antworten
Dass der Bund einen Gewinn erwirtschaftet hat mit der Wandelanleihe begrüsse ich als Steuerzahler, es hätte aber auch ein Verlust daraus resultieren können, da das Engagement aus der Not eingegangen wurde und nicht aus Renditeüberlegungen. Ich geh mal davon aus, dass der UBS am Ende des Darlehens für die toxischen Papiere die aufgelaufenen Verluste verrechnet werden. Antworten
Phantastisch, also reine Peanuts! Indem man es mit den noch Schlimmeren als der UBS vergleicht, erscheinen diese Risikopapiere geradezu als bilderbuchmässig. Die unverschämten CH-Abzocker haben ja sich immer mit den allerschlimmsten Gangstern in den USA verglichen und ihre fürchterlichen Lohnansprüche dadurch gerechtfertigt. Nun gilt dies auch für die Risiken. Bravo, ein dreifaches Hoch der UBS! Antworten
@ Murat Karasu: Die SNB hat Papiere im Umfang von 38,6 Milliarden USD und nicht von 60 Milliarden USD übernommen. Informieren Sie sich bitte gut. 60 Milliarden USD war der ursprüngliche vereinbarte Maximalbetrag, welcher die UBS jedoch nicht vollumfänglich nutzte. Und im Stabsfund sitzen auch UBS-Leute, nicht nur SNB. Antworten
Wieder typisch, in der grossen Schlagzeile steht etwas von "4.3 Milliarden Verlust" und im kleingedruckten wird geschrieben, dass die SNB und das viel besungene "Volksvermögen" noch keinen Rappen Verlust gemacht hat. Aber dank PUK Diskussion ist das UBS Bashing ja wieder hoch im Kurs. Antworten
die schw. bankenwelt ist aus den fugen geraten:zuerst das fiasko bei der ubs,dann macht deutschland endlich schluss mit dem schwarzgeldexport in die alpen.umdenken bei banken und politik ist gefragt,nicht aber so ein stuss wie eine klage gegen deutschland.jeder blamiert sich eben,wie er kann,liebe fdp,nicht wahr? Antworten
Auch geht oft vergessen, dass der Bund aus dem Verkauf der UBS Aktien im Herbst letzten Jahres einen Gewinn von 1.2 Milliarden Franken erwirtschaftete, umgerechnet auf das Jahr eine Traumrendite von 30%. Das Engagement des Bundes hat wesentlich zur Aufhellung des Bundeshaushaltes 2009 beigetragen. Damit steht die Schweiz im Management der Finanzkrise im Vergleich zu anderen Staaten sehr gut da. Antworten
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Patrick Natter
@ Urs Falk: ganz genau. Auf den Punkt gebracht. Bis die internationale Bankenregulierung dann endlich mal greift und die Spekulationserträge und Boni sinken, hab ich als Sofortmassnahme mein persönliches Ächtungsprogramm gestartet und mich von allen UBS-Kollegen getrennt. Sollen ihr Bier alleine trinken. Antworten