3000 demonstrieren für «ihr» Bier
Cardinal gehöre zu Freiburg wie das Volkslied «Ranz des Vaches», wie das Volksfest «Bénichon» und wie der Eishockeyclub Gottéron, sagte der Freiburger Nationalrat Levrat und erntete dafür die lautstarke Unterstützung des Publikums.
Der Schliessungsentscheid zeuge von der Arroganz der Verantwortlichen gegenüber der Arbeitswelt. Je weiter weg die Entscheidzentren von der Produktion rückten, je schlechter gehe es den Arbeitnehmenden. «Die Entscheide sollen nicht in Kopenhagen oder Rheinfelden fallen, sondern hier», forderte Levrat.
Freiburger Bierkultur
Ans Mikrofon trat auch der Freiburger CVP-Nationalrat und ehemalige Freiburger Stadtpräsident Dominique de Buman. «Freiburg hat seit Jahrhunderten Bierkultur. Die Freiburger lieben ihr Bier und lieben diese Tradition», sagte de Buman.
Doch der multinationale Konzern Carlsberg zerstöre dies alles. Die Chefetage müsse begreifen, dass die Schliessung ein Fehler sei. Die Freiburger liebten ihr Bier, weil es ein Teil ihrer Kultur sei und vor Ort produziert werde.
Gelb soweit das Auge reicht
Dominierende Farbe an der lautstarken, aber friedlichen Kundgebung war gelb, die Markenfarbe von Cardinal. Mit gelben T- Shirts, Überkleidern, Küchenschürzen und Hüten, aber auch mit Plakaten und Transparenten rückten kurz nach dem Mittag die gegen 3000 Personen zur Kundgebung vor der Brauerei an.
Die Kundgebungsverantwortlichen der Gewerkschaft Unia zeigten sich hochzufrieden mit dem Aufmarsch. Schliesslich habe man erst vor 24 Stunden zur Kundgebung aufgerufen.
«Wir sind nicht am Ende, wir stehen am Anfang einer Bewegung», hielten Gewerkschaftsvertreter fest. Die Belegschaft habe Ideen, wie Cardinal in Freiburg erhalten werden könne. Nun stünden heikle Verhandlungen mit der Direktion an. Da brauche es die Unterstützung der Bevölkerung.
Geist von 1996 beschwören
Dass die Freiburgerinnen und Freiburger wie eine Eins hinter «ihrem» Bier stehen, haben sie 1996 schon einmal bewiesen. Damals wollten die Verantwortlichen die Brauerei schliessen. Tausende solidarisierten sich mit den Cardinal-Arbeitern und gingen für ihr Bier auf die Strasse. Die Verantwortlichen nahmen damals den Schliessungsentscheid zurück.
Die Rednerinnen und Redner beschworen denn auch diesen Geist von 1996. «Cardinal va résister une deuxième fois» (Cardinal wird auch ein zweites Mal Widerstand leisten), zeigte sich Armand Jaquier von der Gewerkschaft Unia überzeugt.
Ende August hatte die Feldschlösschen-Gruppe, zu der Cardinal gehört, die Schliessung bekannt gegeben. «Feldschlösschen» begründete den Schritt mit einem Entscheid des dänischen Mutterkonzerns Carlsberg. Dieser werde die bisher bei Feldschlösschen in Rheinfelden AG angesiedelte Produktion von alkoholfreiem Exportbier ins Ausland zu verlagern.
Von der Cardinal-Schliessung in Freiburg sind 75 Angestellte betroffen. 18 sollen frühpensioniert werden, den anderen will «Feldschlösschen» Stellen anbieten. Die Biermarke Cardinal soll künftig in Rheinfelden gebraut werden. (bru/tan/mrs/sda)
Erstellt: 04.09.2010, 16:09 Uhr
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