Spotifys neuste Masche

Dem Streaming-Dienst geht es finanziell lausig. Jetzt will er den Druck auf die Nutzer erhöhen. Und wendet sich von der ursprünglichen Idee ab.

Nicht mehr alle Songs gratis? Spotify denkt über Änderungen des Abo-Modells nach.

Nicht mehr alle Songs gratis? Spotify denkt über Änderungen des Abo-Modells nach. Bild: Reuters

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Spotify prüft, einzelne Songs während einer bestimmten Zeit nur den zahlenden Kunden zugänglich zu machen, wie die «Financial Times» berichtet. Es wäre eine deutliche Abkehr vom Modell, das Spotify seit seinen Anfängen anbietet.

Bis jetzt läuft es bei Spotify so: Wer nichts zahlt, darf trotzdem das gesamte Angebot des Musikdienstes nutzen. Muss aber Werbung in Kauf nehmen und kann die Stücke nur streamen, nicht herunterladen. Wer zahlt – Spotify Premium kostet in der Schweiz monatlich 12.95 Franken –, kann hingegen die Musik herunterladen und ohne Internetzugang hören, wird beim Musikgenuss nicht von Werbeunterbrechungen gestört, und die Musikqualität ist besser.

Spotify hofft, dass diese Unterschiede in der Leistung die Gratiskunden mit der Zeit dazu bringen, zu zahlenden Nutzern zu werden.

Spotify hat mittlerweile die Marke von 100 Millionen Nutzern übertroffen. Davon haben 30 Millionen ein kostenpflichtiges Abo. Der Streaming-Dienst aus Schweden ist damit mit Abstand der grösste Anbieter. Apple kommt auf 15 Millionen Nutzer. Daneben gibt es noch Dienste wie Soundcloud, Deezer oder Tidal, die als Nischenanbieter bezeichnet werden. Doch so richtig scheint die Rechnung nicht aufzugehen. Spotify konnte den Umsatz zwar letztes Jahr auf 1,95 Milliarden Euro hochschrauben, schrieb aber 173 Millionen Euro Verlust. In seiner mittlerweile achtjährigen Firmengeschichte hat Spotify noch nie Gewinn geschrieben.

Druck der grossen Label

Wenn Spotify neue Songs zuerst nur den zahlenden Abonnenten zugänglich machen will, könnte der Anbieter die finanzielle Gesundung gleich von zwei Seiten in Angriff nehmen. Zum einen würde Spotify damit einen weiteren Grund schaffen, auf ein kostenpflichtiges Abo zu wechseln. Zum andern müsste der Dienst weniger Urheberrechtsabgaben zahlen, wenn er die neuen Songs zuerst nur einem eingeschränkten Nutzerkreis zur Verfügung stellt.

Der Druck, sich in diese Richtung zu bewegen, kommt offenbar von den grossen Musikkonzernen, wie die «Financial Times» schreibt. Und Spotify ist gerade dabei, neue Verträge mit Sony, Universal und Warner auszuhandeln.

Es ist nicht das erste Mal, dass Druck auf das Abo-Modell von Spotify ausgeübt wird. Die US-Sängerin Taylor Swift hatte 2014 aus Protest gegen das Gratisangebot ihr Album «1989» von Spotify ferngehalten. Und Universal kritisierte öffentlich, dass die Differenzierung zwischen gratis und kostenpflichtig nicht genügend gross sei.

Es ist nicht die einzige Herausforderung, die Spotify zu bewältigen hat. Mit Amazon und dem Internetradio Pandora stehen zwei Anbieter in den Startlöchern, die sich preislich auf demselben Niveau bewegen werden wie Spotify. Von Amazon war Streaming bereits als Prime-Angebot erhältlich. Streaming boomt – der Branchenverband Recording Industry Association of America (RIAA) erwartet, dass in diesem Jahr die Umsätze mit Streaming erstmals jene mit Downloads überholen werden.

Zuletzt hat Apple demonstriert, wie schnell ein neues Angebot Zuspruch erhalten kann. Per Ende Juni verzeichnete Apple Music 15 Millionen zahlende Kunden. Das Angebot gibt es erst seit etwas mehr als einem Jahr. Bei der Einführung hat Apple seinen neuen Streaming-Dienst mit drei Gratismonaten gepusht. (map)

Erstellt: 07.09.2016, 14:09 Uhr

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