EU verhängt Rekordstrafe gegen Google

Die EU-Kommission bestraft den Internetriesen wegen Wettbewerbsverzerrung bei Online-Shopping-Angeboten. Die Begründung.

Strafzettel aus Brüssel: Google soll Milliarden zahlen. (Video: Tamedia/Reuters)

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Die EU hat Google wegen mutmasslicher Wettbewerbsverstösse mit seinem Online-Shoppingdienst mit einer Rekordbusse von 2,42 Milliarden Euro belegt. Google habe die marktbeherrschende Stellung seiner Suchmaschine missbraucht, um einem anderen Google-Produkt, dem Preisvergleichsdienst, einen illegalen Vorteil zu gewähren, teilten die Wettbewerbshüter der EU mit.

Die Europäische Kommission beschuldigte Google, seinen eigenen Shoppingdienst hervorzuheben, selbst wenn andere Optionen bessere Angebote anzeigen könnten. Der Konzern habe so den Wettbewerb der Shopping-Vergleichsportale unterdrückt, erklärte sie und gab dem US-Unternehmen 90 Tage Zeit, dies zu beenden. Andernfalls drohe eine Strafe in Höhe von fünf Prozent des weltweiten Tagesumsatzes des Mutterkonzerns Alphabet.

Google erwägt in Berufung zu gehen

Google versucht nach eigenen Angaben, Suchergebnisse in einer Weise darzustellen, die es Verbrauchern erleichtert, das zu finden, wonach sie suchen. «Wenn man online einkauft, will man die gesuchten Produkte schnell und einfach finden», erklärte Google-Vizepräsident Kent Walker. «Und Inserenten wollen dieselben Produkte bewerben. Darum zeigt Google Shopping-Anzeigen, bringt unsere Nutzer mit Tausenden Inserenten, ob gross oder klein, auf eine Weise in Verbindung, die für beide nützlich ist.» Walker kündigte an, dass Google die Entscheidung überprüfen werde. Es erwäge, in Berufung zu gehen.

Die Strafe ist die höchste, die die EU-Wettbewerbshüter jemals für wettbewerbsschädliches Verhalten erhoben haben. Im Jahr 2009 hatten sie den Chiphersteller Intel mit einer Strafzahlung in Höhe von 1,06 Milliarden Euro belegt. Die Strafe gegen Google dürfte aber wahrscheinlich stärker dem Stolz und der Reputation des Konzerns schaden als seinen Finanzen: Alphabet verfügt über mehr als 82 Milliarden Euro an Barmitteln, darunter fast 50 Milliarden auf Konten ausserhalb Europas. (woz/AFP)

Erstellt: 27.06.2017, 11:48 Uhr

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