Gesucht: Eine Bankverbindung

Der Iran gilt nach der Aufhebung der Sanktionen als ein besonders verheissungsvoller Markt – auch in der Schweiz. Der Weg zu neuen Geschäftsmöglichkeiten ist allerdings tückisch.

Die Konsumenten wären da, doch die westlichen Produkte fehlen: Ein Einkaufscenter in Isfahan.  Foto: Simon Dawson (Bloomberg)

Die Konsumenten wären da, doch die westlichen Produkte fehlen: Ein Einkaufscenter in Isfahan. Foto: Simon Dawson (Bloomberg)

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Es herrscht Gedränge in den Startlöchern: Seit der Ankündigung, dass die Sanktionen gegen den Iran partiell aufgehoben würden, sind über 140 Delegationen aus der ganzen Welt nach Teheran geeilt. Ein Volk von 80 Millionen Menschen, gut ausgebildet, mit Geld in der Tasche, wartet darauf, westliche Produkte zu kaufen nach Jahren der Schmalkost mit Konsumgütern aus China.

Soeben hat der italienische Premierminister Matteo Renzi vorbeigeschaut; in seinem Tross reisten über 400 Wirtschaftsvertreter mit. Im Gepäck die Zusage einer Kreditlimite von fast 5 Milliarden Euro und Exportgarantien für italienische Firmen.

Die Schweizer waren für einmal schneller: Bundespräsident Johann Schneider-Ammann hatte bereits Ende Februar im Iran vorbeigeschaut. Allerdings war sein Gepäck ungleich leichter. 12 Millionen Franken, die wegen der Sanktionen in der Schweiz gesperrt waren, sind bis auf 10'000 Franken freigegeben worden. Und die Schweizerische Exportrisikoversicherung (SERV) nimmt ab sofort wieder Gesuche für Iran­geschäfte entgegen.

Einer erfolgreichen Wiederaufnahme stünde nichts mehr im Weg. Doch der Schein trügt. Die SERV erklärt, dass praktisch noch keine Anfragen für die Absicherung von Exportgeschäften eingetroffen seien. Die Erklärung ist einfach. Zwischen dem Exporteur in der Schweiz und dem Importeur im Iran klafft eine Leerstelle: eine Bank, welche die Zahlungen abwickelt.

Die Schweizer Geldinstitute sperren sich genauso gegen Iran-Geschäfte wie die meisten anderen westlichen Banken. Grund sind die USA: Amerikanische Banken dürfen weiterhin weder direkt noch indirekt Iran-Geschäfte machen. Das macht die Abwicklung in Dollar für alle anderen Banken faktisch unmöglich.

Angst vor den US-Behörden

Zwar hat das US-Finanzdepartement den europäischen Banken eine 50-seitige Anleitung zugestellt, unter welchen Voraussetzungen Deals mit der iranischen Seite unproblematisch seien. Doch das Papier sei unglaublich kompliziert, schrieb der britische «Guardian». Die Angst, einen Fehler zu begehen und von den Amerikanern gebüsst zu werden, ist noch in frischester Erinnerung: 2014 musste die französische BNP Paribas 8,9 Milliarden Dollar in die US-Staatskasse abliefern, 2009 traf es die Credit Suisse mit 536 Millionen Dollar.

Die Angst vor Einbussen auf dem US-Markt sei viel grösser als die Aussicht auf Marktchancen im Iran, meint ein Sprecher des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Das gilt selbst für die Zürcher Kantonalbank, die noch bis 2009 Exporte in den Iran finanzierte, während andere Banken bereits die Notbremse gezogen hatten. «Für die ZKB ist zum heutigen Zeitpunkt eine Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit mit dem Iran verfrüht», erklärte das Institut.

Wie gross der Abwehrreflex ist, beschrieb Suhail el Obeid von der Schweizerischen Exportorganisation Switzerland Global Enterprise kürzlich an einer Iran-Veranstaltung in Bern. Als ein Teilnehmer bei einer ähnlichen Veranstaltung die Teilnahmegebühr von 60 Franken mit dem Stichwort «Iran» durch seine Bank überweisen wollte, brach diese die Transaktion ab.

Eine Transaktion mit dem Stichwort «Iran» wurde abgebrochen.

Hört man sich bei iranischen Geschäftsleuten in der Schweiz um, gibt es durchaus kooperationswillige Geldhäuser im In- und Ausland. Namentlich erwähnt werden die türkisch beherrschte Banque de Commerce et de Placements in Genf, die pakistanische United Bank Ltd. in Zürich, die Europäisch-Iranische Handelsbank in Hamburg – die das Geschäft auf ihrer Website offiziell bewirbt – und die Bank Alpinum in Liechtenstein. Alpinum, in deren Verwaltungsrat ein iranischer Staatsangehöriger sitzt, bestätigt auf Anfrage, dass man Dienstleistungen beim Zahlungsverkehr und im Privatebanking «einer ausgewählten iranischen Kundschaft» anbiete. Ob auch Schweizer Kunden mit Fokus Iran bedient würden, wollte die Bank nicht sagen.

Genannt wird auch die Postfinance. Sie führte während der Sanktionszeit sogenannte Embargo-Konten, auf denen Zahlungen iranischer Firmen verbucht wurden. Erst nach Kontrollen durch das Seco wurden die Zahlungen freigegeben. Mit der teilweisen Aufhebung der Sanktionen im Januar wurden die Embargo-Konti überflüssig. Von einer Ausweitung ihrer Geschäfte will das Staatsinstitut indessen nichts wissen, wie ein Sprecher erklärt. Schweizer Firmen, die seit langem im Iran tätig sind, sehen sich mit dem Problem konfrontiert, wieder Beziehungen mit Banken aufzubauen. Dazu gehört der Ostschweizer Getreidemühlenbauer Bühler, der seit 1976 mit einer eigenen Gesellschaft im Iran tätig ist. Bis die finanziellen Abwicklungen wieder normal verliefen, werde es viel Zeit brauchen, heisst es bei Bühler.

Iranische Banken kommen einstweilen kaum infrage: Während der langen Jahre der Sanktionen haben sie die weltweit geltenden Regulierungsvorschriften – Stichwort: Basel I bis III – nicht ­adaptiert, warnte die «Financial Times» vor einiger Zeit. Überdies hätten nur fünf von neun Banken ihrem Geschäftsbericht einen Prüfbericht beigelegt.

Neuenburger Kaffee

Schon lange im Geschäft im Iran ist der Neuenburger Kaffeeproduzent La Semeuse. Er vertreibt seine Produkte über die Firma eines iranischen Filmschauspielers. Wie die Erträge in die Schweiz zurückfliessen, darüber gibt das Unternehmen keine Auskunft. Bekannt sind die Wege über Wechselstuben und Banken in Golfstaaten. Das ist nicht nur kompliziert, sondern auch teuer: Die Kommissionen können laut Kennern bis zu 30 Prozent der Transaktionssumme betragen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.04.2016, 19:48 Uhr

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