Wirtschaft
Zeit für eine Anhebung der Euro-Franken-Untergrenze?
Aktualisiert am 28.10.2011 103 Kommentare
«Wir rechnen mit einer Anhebung im Dezember»: Klaus Wellershoff. (13 Photo)
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Die lange Nacht von Brüssel brachte zumindest vorübergehend eine leichte Entspannung rund um die Eurokrise. Eine unberechenbare Kettenreaktion durch einen unkontrollierten Staatsbankrott Griechenlands ist abgewendet. Gut für den Euro, müsste man meinen. Gegenüber dem Franken hat er aber seit gestern nur ganz wenig zugelegt.
Für Ökonom Klaus Wellershoff ist die Eurokrise bei weitem nicht bewältigt. Trotzdem hofft er, dass die Beschlüsse der vorletzten Nacht der Schweizerischen Nationalbank helfen, die Untergrenze des Euro-Franken-Kurses von derzeit 1.20 weiter anzuheben. Er ist sogar überzeugt, dass es dazu kommt: «Wir denken, es gehört zur Strategie der Nationalbank, die Untergrenze schrittweise anzuheben», sagt der Experte im Gespräch mit DerBund.ch/Newsnet.
10'000 Jobs gefährdet
Die Schweizer Exportindustrie würde einen weiteren Schritt bejubeln. Erst am Sonntag sagte Swissmem-Präsident Hans Hess, wegen des immer noch starken Frankens würden im kommenden Jahr 10'000 Jobs allein in der Maschinen- und Elektroindustrie verloren gehen. Laut dem Branchenvorsteher wäre demnach der ideale Kurs bei 1.35 Franken pro Euro. «Daher wünschen wir eine weitere Abwertung des Frankens», so Hess im «SonntagsBlick».
Die Jobs der Exportindustrie sind das eine, die allgemeine Wirtschaftslage das andere. «Die ganze konjunkturelle Entwicklung wird schlechter, das ist eine Krise mit Ansage», sagt Wellershoff. Mit einem Euro bei 1.20 Franken ist das Schlimmste zwar abgewendet. Reichen tut das aber nach Meinung vieler immer noch nicht. «Der Nationalbank würde kein Zacken aus der Krone fallen, wenn sie Swissmem jetzt ernst nehmen würde», sagt Wellershoff. 1.40 Franken pro Euro forderte jüngst der Gewerkschaftsbund. Und warnte gleichzeitig vor einer Rezession.
Die erste Anhebung verlief reibungslos
Fragt sich bloss, ob die Nationalbank eine höhere Untergrenze stemmen kann. Respektive, ob ihr das die internationalen Investoren abnehmen würden. Die Anhebung von Anfang September auf 1.20 Franken verlief offenbar relativ reibungslos. Es reichte gar für ein zwischenzeitliches Hoch von 1.24 Franken. Und die Schätzung der von der Nationalbank eingesetzten Mittel – einige Milliarden Franken – lag weit unter den Zahlen, die im Vorfeld herumgeboten wurden.
«Nein, wir waren nicht überrascht, dass die Nationalbank diese Grenze von 1.20 Franken pro Euro ohne Mühe halten konnte», sagt Wellershoff dazu. Bei den internationalen Anlegern hätte sich die SNB Respekt verschafft. Man glaubte Philipp Hildebrand, dass er diesen Schritt mit «allen Mitteln» durchsetzen werde.
«Operative Hektik» vermeiden
Für Wellershoff ist ein weiterer Schritt jetzt nur noch eine Frage der Zeit: «Wir rechnen mit einer Anhebung im Dezember.» Übernimmt sich die Schweizer Notenbank damit nicht? «Die SNB könnte heute sagen, sie sähe den Euro mit den jüngsten Beschlüssen gut abgestützt, und könnte so eine weitere Anhebung begründen. Diese Position würde wohl kaum angegriffen», meint der Experte. Nur eines wird die SNB auf jeden Fall vermeiden, «operative Hektik» – also den Eindruck, sie handle unter äusserem Druck und nicht aus innerer Überzeugung. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.10.2011, 11:33 Uhr
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103 Kommentare
Eine Eurountergrenze von 1.20 reicht vollkommen aus! Man stelle sich den Preishickhack vor, wenn die SNB nun plötzlich die Untergrenza auf 1.40 anheben würde. Detailhandelspreise wieder anheben, Stumpfsinn! Es gibt auch Unternehmen denen ein starker Franken hilft und auch dort gibt es Arbeitsplätze. Zudem wegen 10000 weniger Jobs braucht es kein Geschrei, weniger Zuwanderung nötig!! Antworten
Habt ihr alle noch nicht gemerkt, dass die Oekonomen nicht wissen was sie tun? Hat jemals ein Oekonom die Verantwortung für den "Stuss" den er erzählte übernommen? Wenn NB die Limite auf 1.40 anhebt, geht der SFR mit dem Euro unter! Eine Teil-Lösung wäre den Euro-Haufen mit Gold zu abzusichern. Noch nie hat ein Land seine eigene Währung vernichtet! Die Schweiz will das erste Land sein! Antworten
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