Wirtschaft

Wird der Yen der bessere Dollar?

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 18.09.2009 2 Kommentare

Die Finanzkrise kehrt die Ordnung in der Währungswelt um: Die japanische Währung legt zu, der Dollar hat einen Schwächeanfall.

Zwei Währungen, zwei Entwicklungen: Dollar und Yen driften auseinander.

Zwei Währungen, zwei Entwicklungen: Dollar und Yen driften auseinander.

Kurs Yen/Dollar

Im Finanzjargon nennt man es Carry Trade. Gemeint ist damit Folgendes: Investoren verschulden sich in einer Währung mit tiefen Zinsen und legen das Geld dort an, wo es mehr Zinsen gibt. In den letzten Jahren war der Yen das beliebteste Vehikel für solche Finanzkunststücke. Kein Wunder, wegen der hartnäckigen Deflation bewegten sich die japanischen Leitzinsen stets knapp um den Nullpunkt. Jetzt aber hat sich die Richtung dieser Carry Trades um 180 Grad gedreht. Investoren verschulden sich in Dollar und investieren in Yen. Weshalb?

Wegen der Krise hat auch die amerikanische Notenbank den Leitzins gegen Null gesenkt. Die Wirtschaft der USA hat ihren freien Fall stoppen können, ist aber immer noch schwer angeschlagen. Die Zinsen werden deshalb bis auf Weiteres nicht erhöht. Die japanische Wirtschaft hingegen scheint auf dem Weg zur Besserung weiter fortgeschritten zu sein. Die Exporte haben in jüngster Zeit kräftig angezogen.

Höhere Zinsen in Japan

Zudem hat der Finanzminister der neuen Regierung, Hiroshisa Fuji, bereits seine Absicht erklärt, die Staatsschulden reduzieren zu wollen. Beides wird zu höheren Leitzinsen führen. Deshalb beginnt es sich für Investoren zu lohnen, sich in Dollar zu verschulden und in Yen anzulegen. Das zumindest ist eine Erklärung für den jüngsten Schwächeanfall des Greenback und den Höhenflug des Yen.

Die Carry-Trade-These ist umstritten. Sie lässt sich auch nicht beweisen, denn die Investoren lassen sich nicht in die Karten gucken. Unbestritten ist hingegen, dass die asiatischen Volkswirtschaften sich rascher aus der Krise erholen als die westlichen.

China wächst besonders kräftig

Das gilt vor allem für China. Wenn der Renminbi, die chinesische Währung, konvertierbar wäre, würde er sich jetzt auf einem Höhenflug befinden. Schliesslich hat die chinesische Notenbank soeben bekannt gegeben, dass die chinesische Wirtschaft in den ersten beiden Quartalen hochgerechnet auf das ganze Jahr um 14,9 Prozent gewachsen sei. Bei aller Skepsis gegenüber chinesischen Statistiken ist das eine stolze Zahl. Zum Vergleich: Die US-Wirtschaft ist im gleichen Zeitraum um 1 Prozent geschrumpft.

Die Chinesen haben ihre Wirtschaft mit einer Mischung aus Konjunkturprogramm, billigen Krediten und staatlicher Exportunterstützung wieder fitgespritzt. Schön für sie, aber die ungleiche Tempo bei der Erholung führt jetzt zu handelspolitischen Spannungen. Unter dem Protestgeheul der chinesischen Regierung hat Präsident Barack Obama einen Importzoll für chinesische Autopneus und Pouletfleisch verfügt.

Engpässe im Weihnachtsgeschäft

Hardcore-Freihandelsanhänger sehen darin bereits den Beginn eines globalen Wirtschaftskriegs. Diese Ängste sind weit übertrieben. Der US-Präsident muss angesichts einer Arbeitslosenquote von rund 10 Prozent die Gemüter beruhigen und die Gewerkschaften bei der Stange behalten. In China hingegen werden wieder Arbeitskräfte im grossen Stil eingestellt. Einzelne Unternehmen befürchten bereits Engpässe wegen des kommenden Weihnachtsgeschäfts.

Zudem muss, wer vom Westen Freihandel fordert, auch Druck auf China ausüben. Peking hält seine gut geölte Exportindustrie auch mit einer künstlich verbilligten Währung am Laufen. Die Notenbank verhindert mit Interventionen auf dem Devisenmarkt, dass sich der Renminbi gegenüber dem Dollar verteuert.

Darunter leiden auch die Europäer. Seit dem März hat der Euro gegenüber dem chinesischen Währung um 18 Prozent zugelegt. Das verteuert die westlichen Exporte in den Zukunftsmarkt. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.09.2009, 12:25 Uhr

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2 Kommentare

Uwe Sick

18.09.2009, 14:13 Uhr
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Endlich werden in diesem Artikel einmal Ross und Reiter genannt. Wer die WTO Vereinbarungen unterzeichnet und damit von einer globalisierten Wirtschaft provitieren möchte, sollte verpflichtet sein, die eigene Währung innerhalb einer engen Frist frei handelbar zu machen. Bei Widerhandlung sollten Waren aus diesem Land erneut entsprechenden Schutzzöllen unterworfen werden. Antworten


Thomi Horath

18.09.2009, 15:29 Uhr
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Wenn ein Land in ein anderes Land gleich viel exportieren würde, wie es von dort importiert, gäbe es das Problem mit der Währung gar nicht, das Land könnte mit der gleichen Währung dort einkaufen, wie es dort Waren verkauft hat. Antworten



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