Wirtschaft

Wieso Öl teuer bleibt

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 22.12.2011 23 Kommentare

Leere Lager und steigende Nachfrage der Schwellenländer sorgen dafür, dass der Ölpreis auch nächstes Jahr bei über 100 Dollar pro Fass bleibt.

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Der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg hat eine Umfrage unter den 27 wichtigsten Öl-Analysten durchgeführt. Das Resultat lautet: Der Ölpreis wird 2012 nicht unter 100 Dollar pro Fass fallen. Allerdings gibt es bei dieser Prognose zwei grosse Unwägbarkeiten: Die Eurozone darf nicht kollabieren und mit dem Iran darf kein Krieg ausbrechen.

Vor- und Nachteile von teurem Öl

Sonst hätte das fatale Konsequenzen. Denn der Ölpreis beeinflusst das Schicksal der Weltwirtschaft nach wie vor sehr stark und auf unterschiedliche Weise. Ein steigender Ölpreis ist im Grunde ein Zeichen dafür, dass die Weltwirtschaft insgesamt rund läuft und der Bedarf nach Öl steigt. Zu teures Benzin und Heizöl schwächt aber auch die Nachfrage, weil dadurch die Kaufkraft der privaten Haushalte zurückgeht und Herstellungs- und Transportkosten der Unternehmen erhöht werden. Zudem ist der Ölpreis sehr unelastisch. Das heisst: Kleine Ursachen können grosse Wirkung haben. Wenn es wegen Naturkatastrophen oder politischen Unruhen zu einer Verknappung kommt, schiessen die Preise sofort in die Höhe.

Die Prognose eines Ölpreises von über 100 Dollar pro Fass ist eine Mischung aus all diesen Faktoren. Die Experten gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Öl nächstes Jahr um 1,4 Prozent steigen wird. Die Gründe dafür: In den USA wird ein weiteres Konjunkturpaket die Wirtschaft stimulieren und in China kommt es zu einer «soft landing», einer geordneten und mässigen Abkühlung der Wirtschaft. Das Wachstum der Weltwirtschaft insgesamt wird auf 2,4 Prozent geschätzt, das ist gemeinhin kein berauschender Wert. Doch die Öllager sind weltweit schlecht gefüllt. Die Opec verfügt derzeit über rund 2,6 Milliarden Fass Ölvorräte, das ist der tiefste Wert seit fünf Jahren.

In der Ölindustrie zeichnen sich deutliche Verschiebungen ab. Nordseeöl ist allmählich am Versiegen, auch Mexiko scheint die besten Öltage hinter sich zu haben. Umgekehrt steigt die Ölproduktion in den USA dank einer neuen Förderungstechnologie, dem Fracking, wieder an. Steigende Ölproduktion melden auch Russland und Kanada. Auch Libyen ist als Ölproduzent wieder aktiv geworden.

Euro- und Irankrise bedrohen Ölpreis

Der Ölpreis reagiert sehr sensibel auf politische Ereignisse. Mike Wittner, Chef des Öl-Reseach bei der französischen Bank Société General in New York, hat für das laufende Jahr die Preisentwicklung präzise vorausgesagt. Für das kommende Jahr sieht er zwei grosse Risiken: Europa und den Iran. Ein Kollaps der europäischen Wirtschaft würde zu einem Kollaps der Weltwirtschaft und damit zu einem Kollaps des Ölpreises führen. Ein Krieg im Iran hätte den gegenteiligen Effekt. Nach Saudiarabien wird im Iran derzeit am meisten Öl gefördert. Fällt der Iran aus, schiesst der Preis in die Höhe. Beide Risiken werden von Wittner als sehr hoch eingeschätzt.

Der Ölpreis beeinflusst aber nicht nur die Wirtschafts-, sondern auch die Umweltpolitik. Teures Öl ist das beste Argument, nach alternativen Energien zu forschen. Doch die Ölmultis schlagen einen anderen Weg ein: British Petrol (BP) hat soeben bekannt gegeben, das Geschäft mit der Solarenergie aufzugeben. Innert 40 Jahren ist es BP nicht gelungen, mit Sonnenenergie Geld zu verdienen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.12.2011, 12:53 Uhr

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23 Kommentare

Wolfgang Müller

22.12.2011, 13:05 Uhr
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... dank einer neuen Förderungstechnologie, dem Fracking ? Nicht nur bei Gasförderung sondern auch bei Oelförderung einsetzbar ? Liebe Menscheit was zerstört Ihr unseren und den unserer Kinder Planet. Antworten


Jan van Beilen

22.12.2011, 13:46 Uhr
Melden 20 Empfehlung

das Erdöl bleibt teuer weil das billige - einfach zu fördernde - Erdöl versiegt. Bei rekordhohe Preise stagniert die Förderung schon 7 Jahre, und die Umweltverschmutzung und die Risiken werden immer grösser. Was bleibt sind die schmutzige, schwierige, teure, gefährliche Quellen: die Preise können gar nicht mehr sinken, weil die Förderung sich bei tiefere Preise gar nicht mehr lohnen würde. Antworten



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