Wirtschaft

Wie die Krisenkapitäne die Flaute überwinden wollen

Aktualisiert am 04.11.2011 43 Kommentare

Strukturreformen statt Konjunkturprogramme, mehr Druck auf Steuerflüchtlinge und mehr Freiheit im Handel: Die G-20 beschäftigten sich in Cannes nicht nur mit Griechenland.

1/19 Banken sollen enger kontrolliert und Steueroasen härter angefasst werden: Nicolas Sarkozy, aktuell Vorsitzender der G-20, vor der Presse. (4. November 2011)
Bild: Reuters

   

Zwei Tage Sitzungsmarathon – doch die Ergebnisse des Gipfels in Cannes sind bescheiden. (Video: Reuters )

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Mit einem Massnahmenpaket wollen die führenden Industrie- und Schwellenländer weltweites Wachstum schaffen. Die Teilnehmer des G-20-Gipfels hätten sich auf einen Aktionsplan einschliesslich einer Reform des Finanzmarkts und eines freieren Welthandels verständigt, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel heute in Cannes. Italien bat den Internationalen Währungsfonds (IWF) unterdessen, seine finanzpolitischen Reformen zu überwachen.

EU-Ratspräsident Herman van Rompuy erklärte, die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer seien zudem für eine Aufstockung der IWF-Mittel, zum Beispiel durch Sonderziehungsrechte. Wie genau damit der europäischen Schuldenkrise entgegengetreten werden solle, sagte Van Rompuy nicht.

Strukturreform statt Konjunkturprogramm

Merkel betonte, man sei sich auf G-20-Ebene einig, dass man Wachstum nicht nur durch Konjunkturprogramme, sondern vor allem durch Strukturreformen erreichen wolle. Dafür sei auch der Abbau protektionistischer Massnahmen notwendig.

So soll die Methode der Doha-Runde der Welthandelsorganisation (WTO) verändert werden. Auf Ministerebene soll dafür ein Format gefunden werden.

Beschlüsse für systemrelevante Banken

Mit Blick auf die Euro-Krise sagte Merkel, alle Teilnehmer hätten «»hohes Interesse an einem stabilen Euro«». Die Beschlüsse des Brüsseler Euro-Gipfels seien auf Zustimmung gestossen. Diese müssten nun schnell umgesetzt werden.

Ferner habe der Internationale Finanzstabilitätsrats (Financial Stability Board/FSB) Beschlüsse zu den weltweit systemrelevanten Banken gefasst. Für diese Banken sei eine Prozedur der Restrukturierung beschlossen worden, sodass die Steuerzahler nicht mehr für mögliche Ausfälle in Haftung genommen werden könnten. Weltweit seien dies 29 Institute, in Deutschland die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Ausserdem haben man sich auf eine Reform des FSB verständigt. Auch sollen Arbeiten zur Kontrolle des Schattenbankenwesens beginnen und gegen weitere Steueroasen vorgegangen werden.

Van Rompuy forderte alle politischen Parteien in Griechenland auf, die Brüsseler Beschlüsse zur Abwendung seines Staatsbankrotts zu akzeptieren. Es bedürfe einen «»nationalen Konsenses«», um den Rettungsplan umzusetzen und das Vertrauen in der Eurozone wiederherzustellen. Grosse Entwicklungsländer müssten den Konsum stärken und bräuchten flexiblere Wechselkurse, sagte er weiter.

Gemeinsamer Kampf gegen Steuerhinterziehung

Nach französischer Vorstellung sollen die Europäische Zentralbank (EZB) und der Euro-Rettungsfonds EFSF intervenieren, falls es auf den Finanzmärkten einen Angriff auf Italien gibt. «»Die EZB und der Fonds stehen bereit, falls dies nötig ist«», sagte Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Freitag in Cannes nach dem G-20 Gipfel. «»Italien ist nicht allein.«» Deutschland hatte Anleihekäufe durch die EZB immer abgelehnt.

Die G-20-Länder wollen zudem den Kampf gegen grenzüberschreitende Steuerhinterziehung verstärken. Sie unterzeichneten auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Cannes eine Erklärung, mit der sie den Informationsaustausch zwischen den Regierungen verstärken wollen, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Donnerstagabend mitteilte. Alle Staaten wollten nun mitmachen.

Auch sollen Arbeiten zur Kontrolle des Schattenbankenwesens beginnen und gegen weitere Steueroasen vorgegangen werden, wie Merkel sagte. Sarkozy nannte Antigua, Barbuda, Barbados, Botswana, Brunei, Panama, die Seychellen, Trinidad und Tobago, Uruguay und Vanuatu. Daneben müssten auch die Schweiz und Liechtenstein mehr kooperieren, forderte er. (ami/dapd)

Erstellt: 04.11.2011, 16:40 Uhr

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43 Kommentare

Andreas von Wartburg

04.11.2011, 17:06 Uhr
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Am Ende lässt man den Steuerzahler bluten. Wo man nicht direkt den Steuerzahler anzapfen kann, da nimmt man den Umweg über den IWF. Die Verursacher der Misere kassieren noch Boni ab. Diese Regierungen vertreten längst nicht mehr die Bürger. Es wird mit Inflation und schwindenden Renten enden. Antworten


hans zumstein

04.11.2011, 16:35 Uhr
Melden 40 Empfehlung

Wo bleiben die viel beschworenen "Finanztransaktionsgebühren", mit denen der kurzfristigen Spekulation (day trading, high speed trading) Einhalt geboten werden kann? "Ergebnisse" von Cannes: Mehr als nur lauwarme Luft? Kaum . . . Antworten



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