Wie Goldman Sachs den Griechen half, Schulden zu verschleiern

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 15.02.2010

Griechenland hat über Jahre seine Finanzlage geschönt. Die Finanzbranche hat dem Land mit komplexen Derivatstrukturen dabei geholfen – allen voran Goldman Sachs.

Auch in Griechenland mehrfach die Finger im Spiel: Der Hauptsitz von Goldman Sachs an der 85 Broad Street in Manhattan, New York.

Auch in Griechenland mehrfach die Finger im Spiel: Der Hauptsitz von Goldman Sachs an der 85 Broad Street in Manhattan, New York.

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Die Finanzbranche ist innovativ. Sie hat die Produkte im Angebot, um selbst die finanzielle Lage von Staaten besser aussehen zu lassen, als sie ist. Und wenn diese vom Bankrott bedroht sind, kann sie daraus gleich noch einmal Profit ziehen. Für beides bietet die Griechenlandkrise Anschauungsmaterial. Wie heute bekannt wurde, haben Banken der griechischen Regierung über komplexe Derivatstrukturen ermöglicht, die laufende Verschuldung zu verschleiern.

Laut angelsächsischen Quellen ist vor allem ein Geschäft der griechischen Regierung mit Goldman Sachs ( 96.7 -0.17%) bekannt geworden. Dabei dreht es sich um einen so genannten «Cross Currency Swap» aus dem Jahr 2002, den die griechische Regierung über die US-Investmentbank abgewickelt hat. Bei solchen Swaps werden Zinszahlungen und manchmal auch Schulden in verschiedene Währungen getauscht. Gewöhnlich besteht der Zweck darin, damit möglichst gute Zinsbedingungen für einen Schuldner zu erreichen.

Eine Milliarde in die Zukunft verschoben

Doch in diesem Fall lag der Zweck des Deals vor allem darin, laufende Schulden im Umfang von einer Milliarde Euro in zukünftige umzuwandeln und damit zu verschleiern. Der Deal wurde laut einem ehemaligen hohen Beamten des griechischen Finanzministeriums mehrere Male erneuert. Als neues Mitglied der Eurozone musste das Balkanland die Bedingung erfüllen, kein Budgetdefizit von mehr als 3 Prozent und keine Gesamtverschuldung von mehr als 60 Prozent gemessen am eigenen Bruttoinlandprodukt auszuweisen. Griechenland hat die Ziele allerdings nie erreicht – trotz der Trickserei.

Die griechische Regierung liess heute verlauten, der Deal sei damals legal gewesen, heute sei er das allerdings nicht mehr. Solche Geschäfte würde Griechenland auch nicht mehr abschliessen. Erst im letzten Herbst hat die Regierung das offenbar auch bewiesen. Im November ist der Chief Operating Officer (COO) von Goldman Sachs, Gary Cohn – nach Lloyd Blankfein die Nummer Zwei der Bank – nach Griechenland gereist und hat der Regierung einen Swap angeboten, mit dem Verpflichtungen aus dem Gesundheitswesen in die Zukunft verschoben werden könnten. Die Regierung hat abgelehnt. Goldman Sachs nimmt laut Bloomberg bisher keine Stellung zu diesen Vorwürfen.

Verschleierungsdeals sind nichts Ungewöhnliches

Solche Angebote zur Verschleierung der Finanzlage von Staaten sind nichts Neues. Laut dem britischen «Independent» hat sich bereits Italien vor seinem Euro-Beitritt auf einen entsprechenden Deal mit der US-Bank JP Morgan eingelassen.

Jetzt, wo im Falle von Griechenland die Verschuldungsprobleme zu allgemeiner Nervosität auf allen Märkten geführt haben, zeigt sich die Finanzindustrie erneut innovativ. Diesmal allerdings nicht zum Nutzen des verschuldeten Landes. Durch verschiedene Strategien versuchen Banken und Hedge Funds von den Ängsten um einen Staatsbankrott zu profitieren (Siehe Link). Ironie der Geschichte: Auch dabei soll Goldman Sachs wieder die Finger im Spiel haben. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.02.2010, 19:51 Uhr

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