Wer vom Atomausstieg profitiert
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 27.05.2011 84 Kommentare
Studien
«Wettbewerbsfaktor Energie – Chancen für die Schweizer Wirtschaft», McKinsey & Company für Bundesamt für Energie, 2010.
«Cleantech Schweiz – Studie zur Situation von Cleantech-Unternehmen in der Schweiz», Ernst Basler und Partner/Nowak Energie & Technologie AG, für Bundesamt für Berufsbildung und Technologie, 2009.
«Stromeffizienz und erneuerbare Energien – wirtschaftliche Alternative zu Grosskraftwerken», Infras für WWF, Greenpeace, Schweizerische Energiestifgung, Pro Natura, Kantone Basel-Stadt und Genf, 2010.
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Sparsamkeit und eine Förderung erneuerbarer Energien sollen die Schweiz vom Tropf der Kernkraft lösen. Mit seinem Grundsatzentscheid macht der Bundesrat die Schweizer Cleantech-Industrie offiziell zum heissesten Wachstumsmarkt: Bis zu 4 Milliarden Franken soll der Energieumbau kosten. Gefördert werden Wasserkraft, Fotovoltaik, Windenergie, Geothermie und Biomasse.
Bereits heute stehen verschiedene Schweizer Firmen im Rennen um den grossen Umbau in den Startlöchern. Im international hart umkämpften Anlagenbau sind es nur wenige Unternehmen, die mit der Konkurrenz aus Deutschland, Indien und China mithalten können. So liefert ABB Turbinenantriebe und Generatoren für Windkraftanlagen, Gurit verkauft Werkstoffe für deren Rotorblätter und Von Roll Isolationsmaterial. In der Fotovoltaik sind die Anlagenbauer Meyer Burger, Oerlikon Solar, ABB, Applied Materials, Komax und Solon Inverters führend. Kompogas baut Anlagen für die Verarbeitung von Biomasse und ABB Teile für Wasserkraftwerke.
Während die Förderung erneuerbarer Energien also vor allem grossen und forschungsstarken Unternehmen nützt, profitieren vom zweiten Pfeiler der Ausstiegsstrategie, der Verpflichtung zu mehr Energieeffizienz, im grossen Stil regionale Firmen. So etwa V-Zug, die sparsame Haushaltsgeräte produziert, der Fensterbauer Schultheiss, der Wärmepumpen-Hersteller CTA oder Anbieter von Gebäudedämmung wie Swisspor, Pavatex oder Flumroc. Auch die gerade nach Japan verkaufte Landis & Gyr, die automatische Stromregler für Häuser anbietet, dürfte weiter wachsen. «Profitierende Branchen sind vor allem die Elektronik, Elektrik und Optik, die Beratung und Planung, der Gross- und Detailhandel und das Baugewerbe», fasst eine Studie des Beratungsunternehmens Infras von 2010 die Effekte eines Energieumbaus zusammen.
Mögliche neue Arbeitsplätze
Wie gross diese Impulse in der Schweizer Wirtschaft sind, lässt sich zurzeit nur schätzen. Der Interessenverband der Cleantech-Industrie, die Berner Agentur für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (AEE), hat wenige Tage vor dem Richtungsentscheid des Bundesrats ein «10-Punkte-Programm der Wirtschaft für eine erneuerbare und effiziente Stromversorgung bis 2030» publiziert – an dem sich der Bundesrat offensichtlich weitgehend orientiert. Im entsprechenden Papier spricht AEE mit Verweis auf eine McKinsey-Studie von potenziell 17'000 neuen Arbeitsplätzen im Bereich Energieeffizienz bei Gebäuden und 7000 neuen Jobs bei Anlagebauern. Insgesamt arbeiten in der Cleantech-Industrie nach Schätzungen des Beratungsunternehmens Ernst Basler und Partner rund 155'000 Personen.
Belastend wirkt die neue Strategie für die konventionellen Stromanbieter – so rechnet AEE mit 14'000 Arbeitsplätzen, die aufgrund der Verpflichtung zu weniger Treibstoffverbrauch und zum Stromsparen verschwinden. Der Anstieg des Strompreises, den das Bundesamt für Energie (BFE) bei schätzungsweise 15 Prozent beziffert, dürfte ausserdem vor allem energieintensive Branchen wie Papier, Zement, Stahl sowie weitere produzierende Industrien belasten.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.05.2011, 10:04 Uhr
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Wir müssen den Atomausstieg als Chance betrachten, welche uns neue und zukunftsfähige Arbeitsplätze bringt. Die Schweiz kann auf der ganzen Welt für Technologien der erneuerbaren Energien und Energieeffizienz eine Vorreiterrolle übernehmen. Das wirtschaftlich Potential ist gross und die Politik ist nun gefragt, die Weichen zu stellen. Nicht neue Ideen verhindern, sondern die Schweiz weiter bringen Antworten
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