Wenn nur Irland nicht wär

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 13.03.2012 27 Kommentare

Griechenland hat den teilweisen Schuldenerlass über die Bühne gebracht. Die Banken sind dank billigem EZB-Geld wieder auf sichererem Grund. Alles gut in Euroland, also? Nein, wie ein Blick nach Irland zeigt.

1/4 Griechenland vorerst gerettet, doch Irland zeigt, dass ohne nachhaltiges Wachstum Optimismus verfrüht ist: Der irische Premier Enda Kenny (links) und der griechische Regierungschef Lukas Papademos unterzeichnen am 3. März den Fiskalpakt in Brüssel.
Bild: Reuters

   

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Zum ersten Mal seit langer Zeit wirkte selbst der sauertöpfische deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble so etwas wie fröhlich: Nach langen harzigen Verhandlungen ist der griechische Schuldenerlass der privaten Gläubiger in trockenen Tüchern. Der GAU für Euroland, ein chaotischer Staatsbankrott Griechenlands, ist damit zumindest vertagt.

Auch der drohende europäische «Lehman-Moment», ein Bankencrash, ist vom Tisch. Die Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ), die Zentralbank der Zentralbanken, stellt in ihrem jüngsten Quartalsbericht fest, dass die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) Wirkung zeigt und die Gefahr einer Kreditklemme in Europa nicht mehr besteht.

Bittere Medizin einer überharten Austeritätspolitik

Wird alles gut in Europa? Wahrscheinlich nicht. Ein Finanzkollaps konnte zwar vermieden werden, aber es wurde noch nichts unternommen, das zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum führen könnte. Was dies konkret bedeutet, zeigt das Beispiel Irland.

Rund zwei Jahrzehnte lang hat der «keltische Tiger» mit einem gewaltigen Aufschwung geglänzt. Nach dem Platzen einer gigantischen Immobilienblase – die Häuserpreise hatten sich innert kürzester Zeit mehr als vervierfacht –, schluckten die Iren erstaunlich gelassen die bittere Medizin einer überharten Austeritätspolitik und wehrten sich kaum, als ihre Regierung ohne Not den ausländischen Banken versprach, für faule Kredite geradezustehen.

Doch das hatte gravierende Folgen..

Die NZZ (Artikel online nicht verfügbar) hat eine Bilanz von zwei Jahren Austeritätspolitik in Irland gemacht. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

  • Seit dem Höhepunkt des Booms im Jahr 2007 ist jeder siebte Arbeitsplatz verschwunden.
  • Der private Konsum ist um 7, die privaten Investitionen sind um 71 Prozent zurückgegangen.
  • Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ist im gleichen Zeitraum um 18 Prozent geschrumpft.
  • Der Staat muss zwischen 2008 und 2015 rund 33 Milliarden Euro mehr als geplant ausgeben.
  • Die Anträge für Sozialhilfe für Schulkinder sind von 88'000 Gesuchen im Jahr 2007 auf über 200'000 im Jahr 2011 gestiegen.
  • Junge Iren stehen täglich Schlange, um eine Stelle in Kanada oder Australien zu ergattern.

Inzwischen verlieren auch die braven Iren langsam die Geduld. Die Regierung hat beschlossen, das neuste Fiskalpaket einer Volksabstimmung zu unterwerfen. Es besteht eine erhebliche Gefahr, dass sie diese Abstimmung verlieren wird.

Das Beispiel von Irland zeigt: Selbst bei einem willigen Musterschüler führt eine übertriebene Austeritätspolitik nicht zum Erfolg. Stattdessen beginnt eine Verelendungsspirale zu drehen. Das Ergebnis sind unnötiges Leid für die meist unschuldigen Bürger und die Vertreibung der Tüchtigsten ins Ausland. Das geschieht nicht nur bei den Iren. Auch junge Spanier, Italiener, Portugiesen und Griechen suchen ihr Heil in Südamerika und teilweise sogar in Afrika.

Dank der Finanzspritze der EZB hat Europa eine Atempause gewonnen. In dieser gilt es nun, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Sonst waren die Bemühungen umsonst. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.03.2012, 14:41 Uhr

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27 Kommentare

Alex Bötschi

12.03.2012, 15:38 Uhr
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Solange das Geld nicht dort geholt wird wo es liegt (bei den Profiteuren der fetten Jahre, stichwort Steuern für Gutbetuchte) wird sich das auch nicht ändern. Wer, ausser den sozial Schwachen, soll den sonst die Zeche zahlen? Sparen trifft immer die Armen. Antworten


Karlheinz Baumann

12.03.2012, 16:35 Uhr
Melden 35 Empfehlung 0

Das irische Beispiel zeigt, warum wir unsere beiden Grossbanken an die kurze Leine nehmen müssen. Die entscheidenden Parallelen zwischen Schweiz und Irland springen einem ins Auge. Deutschland konnte die Commerzbank verstaatlichen und später mit Gewinn wieder abstossen, die Schweiz ist für so eine Aktion zu klein und schwach. Hat nichts mit Ideologie zu tun, nur mit Selbstschutz. Antworten



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