Wirtschaft
Wenn die Hypothekarschulden die Wirtschaftsleistung übersteigen
Von Anita Merkt. Aktualisiert am 27.10.2012
Verschuldung und BIP
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Die Überhitzung des Schweizer Immobilienmarktes ist in aller Munde. Die Schweizerische Nationalbank – unter anderem für die Finanz- und Wirtschaftsstabilität verantwortlich – zeigt sich seit Jahren beunruhigt. Inzwischen haben nicht nur die Immobilienpreise, sondern hat auch die Verschuldung der Hausbesitzer einen neuen Höchststand erreicht. Die Hypothekarschulden privater Haushalte sind heute höher als das Bruttoinlandprodukt.
Das Kreditvolumen in Höhe von aktuell 103,6 Prozent des BIP ist rekordverdächtig. Lediglich niederländische Haus- und Wohnungsbesitzer treiben es mit Hypothekarschulden in Höhe von 107 Prozent des BIP noch doller als die Schweizer. In Deutschland beträgt die Verschuldung 46,5 Prozent des BIP, selbst in Spanien liegt der Anteil bei lediglich 64 Prozent.
Schuldenmachen wird belohnt
Neben den tiefen Zinsen sieht Claudio Saputelli von der UBS den Grund für die hohe Hypothekarverschuldung auch darin, dass das Schuldenmachen für den Hauskauf in der Schweiz steuerlich belohnt wird. «Solange man die Hypothekarzinsen vom steuerbaren Einkommen abziehen kann, hat niemand ein Interesse daran, seine Schulden abzubezahlen», sagt der Immobilienexperte. Würde man Zinsabzug und Eigenmietwert abschaffen, so Saputelli, würde vermutlich auch das Hypothekargeschäft der Banken beeinträchtigt.
Die aktuelle Ausgestaltung der Steuergesetzgebung bildet darum einen Anreiz, sich zu verschulden. Gerade die Banken müssten jedoch daran interessiert sein, dass in der Schweiz keine Immobilienblase entsteht. Denn wenn sie platzt, droht ein Einbruch im Hypothekargeschäft mit grösseren Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Saputelli gibt allerdings zu bedenken, dass der BIP-Anteil der Hypothekarverschuldung nur ein Gefahrenindikator unter vielen ist. So beobachtet auch die Nationalbank eine Vielzahl von Kriterien wie das Tempo des Preisanstiegs, das Risiko von Zinserhöhungen und die Kreditkonditionen der Banken.
Grösste Vermögen der Welt
Saputelli gibt zu bedenken, dass der hohen Verschuldungsquote von Schweizer Haus- und Wohnungsbesitzern auch sehr hohe Vermögenswerte gegenüberstehen. Laut «Global Wealth Report» hortet im Durchschnitt jeder Schweizer 165'000 Euro – und zwar nach Abzug der Schulden. Dass dieses Vermögen sehr ungleich verteilt ist, steht auf einem anderen Blatt. Sollte es zu einer Korrektur am Immobilienmarkt kommen, würde diese jedoch nach einhelliger Einschätzung von Immobilienexperten zuerst im Luxussegment stattfinden – und sollte damit jene treffen, die über entsprechende Vermögen verfügen.
Im «Standardsegment» ist nach Einschätzung von Saputelli ein Crash in der Schweiz «eher nicht zu erwarten. Die Nachfrage ist solide, die Arbeitslosigkeit niedrig und die Einwanderung wird wohl anhalten», schätzt der UBS-Analyst.
Nationalbank analysiert weiter
SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine gab sich in einem Interview mit der «Finanz & Wirtschaft» vor einer Woche zwar sicher, dass ein solcher Kapitalpuffer die Vergabe neuer Hypotheken bremsen würde. Einstweilen wolle die SNB (SNBN 1080 -1.64%) jedoch abwarten, ob die im Sommer beschlossenen Massnahmen ausreichten, um den Markt zu beruhigen. Der Bundesrat hat die Banken im Juni dazu angehalten, von Haus- und Wohnungskäufern einen höheren Anteil von Eigenmitteln zu verlangen. Ausserdem müssen Immobilienkäufer innerhalb von 20 Jahren ihre Hypothek bis auf zwei Drittel des Belehnungswertes amortisiert haben. Laut Danthine analysiert die SNB die «Veränderung der Dynamik am Immobilienmarkt» genau. Die Lage werde von Quartal zu Quartal überprüft. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.10.2012, 14:47 Uhr
Wirtschaft
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