Wirtschaft

Weniger Jobs, tiefere Preise: So wird das Wirtschaftsjahr 2012

Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 30.12.2011 36 Kommentare

Das kommende Jahr bringt der Schweiz voraussichtlich steigende Arbeitslosenzahlen – trotzdem werden wir uns mehr leisten können. Der Ausblick zum Jahresende.

1/7 Im kommenden Jahr werden die Preise tendenziell fallen – dafür sorgen Frankenstärke, Nachfrageflaute und günstiges Öl. (Bild: Ausverkauf in Zürich)

   

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Die Schuldenkrise der Eurostaaten wird sich bis zum Silvesterabend nicht selbst beseitigen, und somit bleibt uns auch ein ständiges Bangen erhalten. Doch was prägt die Schweizer Wirtschaft darüber hinaus? Eine Prognose zum Jahresende.

Arbeitsmarkt: Weniger Jobs

Die Schweizer Volkswirtschaft wird im kommenden Jahr nur wenig wachsen, die Schätzungen bewegen sich zwischen 0,2 und 0,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Das wirkt sich auf den Arbeitsmarkt aus: Die um saisonale Effekte korrigierte Arbeitslosenquote wird gemäss Prognosen von derzeit rund 3 Prozent auf bis zu 3,7 Prozent steigen. «Im Vergleich zu manchen EU-Staaten steht die Schweiz damit gut da», sagt Alexis Bill-Körber von BAK Basel Economics. Trotzdem sei ein solcher Anstieg deutlich spürbar.

Besonders stark wird der Stellenabbau in jenen Branchen sein, in denen langjährige strukturelle Probleme zum konjunkturellen Einbruch hinzukommen – laut Bill-Körber also hauptsächlich in verarbeitenden Industrien wie Papier, Druck und Textil. Ebenfalls viele Stellen gehen voraussichtlich im Finanzsektor verloren (siehe unten). Einen «leichten Rückgang» erwartet der Ökonom in jenen Branchen, die neben der flaueren Nachfrage auch die Folgen der Frankenstärke zu verdauen haben: in Detailhandel, Gastronomie und Maschinenindustrie.

Freuen dürfen sich Beschäftigte im Baugewerbe und in der Uhrenindustrie. «Das Baugewerbe läuft nach wie vor an der Kapazitätsgrenze und wird eher aufstocken als abbauen müssen», sagt Bill-Körber. Einen deutlichen Stellenausbau prognostiziert er der Uhrenindustrie, die zurzeit vor allem in Asien aussergewöhnlich gut verkauft. Insgesamt dürften die Löhne im Land durchschnittlich um etwa 1 Prozent steigen. Unter dem Strich werden die Schweizer mehr im Portemonnaie haben als 2011 – weil die Preise sinken (siehe unten).

Unternehmen: Umbau des Finanzplatzes

Eines der grössten Wirtschaftsthemen 2012 wird wohl der Umbau des Schweizer Finanzplatzes sein. Eine grosse Sorge treibt die Banken um: sinkende Erträge bei gleichzeitig steigenden Kosten. Bereits heute sei das Verhältnis von Kosten zu Ertrag bei den Schweizer Banken im internationalen Vergleich schlecht, sagt Daniel Ettlin vom Institut für Banking und Finance der Universität Zürich. «Das wird sich 2012 noch verschärfen.»

Zunächst treten 2013 die Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland und Grossbritannien in Kraft. «Das wird den Banken ab nächstem Jahr signifikante Geldabflüsse bescheren», sagt Daniel Ettlin vom Institut für Banking und Finance der Universität Zürich. Ältere Kunden aus Deutschland würden sich wohl tendenziell für die Einmalzahlung von bis zu 25 Prozent ihrer unversteuerten Vermögen entscheiden. «Jüngere Kunden ziehen möglicherweise gleich ganz ihr Geld ab.» Dieser Druck kommt für Schweizer Banken zu jenem der schwindenden Margen hinzu, mit dem Vermögensverwalter weltweit zu kämpfen haben.

Auf der Kostenseite verlangen die neuen Abkommen sowie die laufend schärferen juristischen Vorschriften nach Investitionen in die IT- und Compliance-Abteilungen. Gerade kleineren Banken dürften diese steigenden Kosten zu schaffen machen. «Es ist zu erwarten, dass es hier 2012 zu neuen Geschäftsmodellen kommt», sagt Ettlin. Entweder würden einige kleinere Banken ihr Backoffice auslagern oder sich mit anderen zusammenlegen.

Konsum: Schnäppchenjagd wird salonfähig

In der Schweiz hat ein Phänomen Einzug gehalten, das traditionell als unanständig gilt: die Schnäppchenjagd. Das zeigt sich am Erfolg der Plattform Dein Deal, an ungewöhnlich ausgiebigen Rabattaktionen bereits vor Weihnachten sowie an der abnehmenden Hemmung gegenüber dem Einkauf ennet der Grenze. «Die Einstellung der Konsumenten zur Schnäppchenjagd hat sich verändert», schreibt Trendwatching dazu. «Statt die eigene Knauserigkeit irgendwie verstecken zu müssen, ist die Suche nach dem besten Angebot heute nicht nur akzeptiert, sondern wird gar von den Schnäppchenjägerkollegen bewundert», stellen die Experten des Thinktanks fest.

Laut Trendwatching ist einer der wichtigsten Gründe für das fröhliche Jagen die Nutzung von Social Media, die zum Vergleichen geradezu antreibt. Für die Schweiz dürfte ausserdem die Frankenstärke als wichtiger Faktor hinzukommen: Sie ist einerseits Motiv und andererseits Legitimation für die einst verpönte Schnäppchenjagd.

Doch auch jenseits der Schnäppchen wird der Warenkorb der Schweizer 2012 billiger werden. Inzwischen drückt die Frankenstärke die Preise der Importgüter, was bereits jetzt in den Regalen sichtbar ist. Auch der Ölpreis ist gesunken und wird vermutlich weiter fallen, wie BAK-Ökonom Alexis Bill-Körber sagt.

Immobilien: Noch mehr Druck für den Mittelstand

Die letzten Jahre waren im Schweizer Immobilienmarkt geprägt von Preiswachstum. Damit könnte bei den Renditeobjekten 2012 Schluss sein, sagt Immobilienexperte Adrian Wenger vom VZ Vermögenszentrum. Dazu müssten die Zinsen nicht einmal steigen. «Es reicht, wenn die Masse das erwartet», sagt Wenger. «Dann werden zuerst viele Profis aussteigen und die Objekte noch rechtzeitig zu möglichst hohen Preisen absetzen.» Der Käufermarkt würde dünner und die Preise zerfielen. Bereits 2012 könnte die Erwartungshaltung laut Wenger kippen.

Für Leute, die im Einzugsgebiet von Zürich Wohneigentum suchen, hat Wenger schlechte Nachrichten. Er beobachtet bereits jetzt, dass der Markt im mittleren Preissegment noch stärker austrocknet – weil die Banker sich seit einigen Monaten angesichts tieferer Boni aus dem Topsegment (über 2 Millionen Franken) hinaus nach unten orientieren würden. Diese Entwicklung werde sich 2012 voraussichtlich verschärfen. «Der Mittelstand bekommt noch mehr Konkurrenz», so Wenger. Entsprechend sei im Markt für Wohneigentum die Preisspitze wohl noch nicht erreicht. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.12.2011, 08:04 Uhr

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36 Kommentare

Hansjürg Meister

30.12.2011, 08:29 Uhr
Melden 158 Empfehlung 0

Mehr leisten können! Ja, das sehe ich auch so... Bekomme 100 Fr. mehr Lohn und muss 300 Fr. mehr Krankenkase für meine Familie bezahlen. Bin wohl nur ein statistischer Ausreisser, dafür liebe ich sesselfurzende Ökonomieweisssager. Antworten


Franz Tschurner

30.12.2011, 09:48 Uhr
Melden 78 Empfehlung 0

Und der liebe Schweizer macht nach wie vor nichts gegen die PFZ. Vielleicht bin ich zu wenig Schweizerisch denkend (bin zwar ein 100%iger). Ich weiss einfach nicht woher der Schweizer dieses "Ich-muss-leiden-für-die-Welt"-Syndrom hat. Irgendwie krank. Jeder andere kämpft um das was es ihm wert ist zu verteidigen. Antworten



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