Wirtschaft

Was Schweizer von den Chinesen gelernt haben

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 30.11.2010 59 Kommentare

Die Schweizerische Nationalbank hortet Euros, obwohl sie dabei Milliardenverluste erzielt. Ein Rezept, das aus China stammt. Notenbank-Chef Trichet stimmt derweil dramatische Töne an.

Kauft Euro auf: SNB-Präsident Philipp Hildebrand.

Kauft Euro auf: SNB-Präsident Philipp Hildebrand.
Bild: Keystone

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Die chinesische Notenbank hat mehr als 2500 Milliarden Dollar in ihren Büchern. Rein betriebswirtschaftlich gesehen ist das ein Unsinn, hat doch der Greenback seit Ausbruch der Finanzkrise rund 30 Prozent an Wert verloren und somit China riesige Buchverluste beschert. Sind die Chinesen bescheuert? Nein, sie schützen mit ihren Dollarkäufen ihre Wirtschaft. Die Buchverluste der chinesischen Notenbank münzen sich in Gewinne der realen chinesischen Exportwirtschaft um, da sie für einen tiefen Wechselkurs des Renminbi sorgen. Das hält die Exporte in Schwung.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat inzwischen Euros im Wert von mehr als 80 Milliarden Franken gehortet. Rein betriebswirtschaftlich gesehen ist das ein Albtraum. Die SNB (SNBN 1089 2.06%) hat auf ihren Eurobeständen allein im ersten Quartal dieses Jahres einen Verlust von 2,9 Milliarden Franken eingefahren. Sind also Philipp Hildebrand & Co. bescheuert? Nein, sie haben von den Chinesen gelernt. Die SNB will verhindern, dass der Franken viel zu stark wird und mit seinem Gewicht die Schweizer Wirtschaft erdrückt. Deshalb kauft sie Euros auf und nimmt die Buchverluste in Kauf.

Drama im Tessin

Rasch ändernde Wechselkurse sind eine grosse Gefahr für die reale Wirtschaft. Fragen sie Hoteliers und Gewerbetreibende im Tessin. Als zu Beginn der 90er-Jahre die italienische Lira über Nacht gegenüber dem Franken um rund einen Drittel abgewertet wurde, verlor die reale Wirtschaft im Tessin Tausende von Arbeitsplätzen. Dieses Schicksal will die SNB diesmal der Schweizer Wirtschaft ersparen. Deshalb kauft sie Euros auf, um das Angebot der Einheitswährung zu verknappen und so einen allzu rapiden Kursverlust gegenüber dem Franken zu verhindern.

Trotzdem hat sich der Euro gegenüber dem Franken seit Ausbruch der Griechenland-Krise um rund zehn Prozent abgeschwächt. Die Ziele der SNB werden immer bescheidener. Noch vor Kurzem galt es, die 1.50-Linie mit aller Macht zu verteidigen, jetzt wäre man schon froh, den Euro nicht unter 1.40 Franken sacken zu lassen. Dies ist jedoch heute eingetroffen.

Euro übernehmen

Was, wenn der Euro weiter schwächer und schwächer wird? «Dann müssten wir den Frankenkurs an den Euro binden, oder sogar den Euro übernehmen», befürchtet Finanzprofessor Walter Wittmann.

So weit wird es kaum kommen. Die Euroschwäche hat auch positive Seiten, sie beflügelt die Wirtschaft in Euroland. Lange war die europäische Einheitswährung wegen der chinesischen Notenbank im Sandwich zwischen Dollar und Renminbi und deshalb überbewertet. Jetzt hingegen nimmt die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu. Davon kann indirekt auch die Schweiz profitieren. Rund 70 Prozent unserer Exporte gehen nach Euroland.

«Beggar thy neighbour»

Allerdings sind die Wirren an der Währungsfront Gift für die reale Wirtschaft. Es drohen Zustände wie in den Dreissigerjahren. Damals versuchten die einzelnen Länder mit einseitiger Abwertung ihrer Währungen sich auf Kosten der anderen durchzusetzen. Diese «Beggar thy neighbour»-Wechselkurspolitik führte zum Elend aller und war mitverantwortlich am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Jetzt droht eine Wiederholung dieser unseligen Politik: Zuerst ist der Dollar getaucht, dann der Euro, und jetzt kollabiert auch das britische Pfund. Kein Wunder, spricht der Präsident der Europäischen Notenbank, Jean-Claude Trichet, davon, dass sich die Welt «in der schwierigsten Situation seit dem Zweiten Weltkrieg, vielleicht sogar seit dem Ersten» befindet. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.05.2010, 12:46 Uhr

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59 Kommentare

Maese Hinz

17.05.2010, 12:59 Uhr
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Glaubt hier wirklich jemand das sich die SNB gegen die Devisenmaerkte durchsetzen wird? Dieses Geld keonnte man wesentlich gescheiter einsetzen als es so zu verheizen, der Euro verschwindet so oder so. Das muss halt durchgestanden werden aber das war doch auch in der Vergangenheit auch oft so das der CHF stark war und wir haben gut gelebt damit - Wohlstand beruht auf einer starken WaehrungCHF4ever Antworten


Roland Moser

17.05.2010, 13:07 Uhr
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Die SNB kann gar nicht genug EUR kaufen, um den Kurs zu stützen, weil ihr dazu die Mittel fehlen. Was aktuell gemacht wird, ist vernichten von Vermögen, weil es so in den Theoriebüchern steht. Ob es der CH-Exportwirtschaft und der CH-Volkswirtschaft nun passt oder nicht: Das grosse blaue Reich wird zerplatzen, den es basiert auf Antidemokratie und Schulden. Was sagen dazu die Theoriebücher? Antworten



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