Wirtschaft

Verwaltungsräte verdienen ein Drittel mehr als vor der Krise

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 20.04.2011 102 Kommentare

1,028 Milliarden kassierten die Chefs der 30 grössten Schweizer Firmen im letzten Jahr. Novartis verdreifachte 2010 die Bezüge. Die Grossbanken zahlen etwas weniger.

Verdiente 19,95 Millionen Franken: Novartis-Präsident Daniel Vasella.

Verdiente 19,95 Millionen Franken: Novartis-Präsident Daniel Vasella.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

1,028 Milliarden oder 1028 Millionen Franken: Diese Summe verteilten die 30 grössten Schweizer Unternehmen letztes Jahr an ihre Geschäftsleitungsmitglieder und Verwaltungsräte – 234 Manager und 296 Verwaltungsräte, insgesamt 530 Köpfe. Berechnet hat die Zahl die Unternehmensberatung Towers Watson. Im Fokus stehen jene 30 Firmen, die im Swiss-Leader-Index (SLI) der Schweizer Börse zusammengefasst sind.

Die 1028 Millionen lassen sich durch die 530 Spitzenleute dividieren, was eine Summe von 1,939 Millionen Franken pro Kopf ergibt. Es ist ein blosser Durchschnittswert, der vertuscht, dass Novartis-Mann Daniel Vasella mit 19,95 Millionen das Zehnfache zugesprochen erhielt, die Präsidenten von Sonova (Andy Rihs) oder SGS (Sergio Marchionne) dagegen «nur» je 0,57 Millionen.

Novartis legte am meisten zu

Die 1,028 Milliarden liegen nicht nur um 3 Prozent über der Vorjahressumme, sondern auch um 1 Prozent über jener des Jahres 2007 (siehe Tabelle). Die Abgeltungen der Spitzenleute haben also wieder das Niveau der Vorkrisenzeit erreicht, ja sogar leicht überschritten.

Dabei fällt auf, dass die Zahlungen an die Verwaltungsräte einen anderen Verlauf nehmen als jene an die Konzernleitungsmitglieder. Während Letztere immer noch gute 3 Prozent unter dem Gesamtwert von 2007 liegen, haben die Verwaltungsräte kräftig zugelangt. Ihre Gesamtabgeltung stieg gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent, gegenüber dem Vorkrisenjahr 2007 gar um 33 Prozent.Ein Blick in die Tabelle zeigt, dass die Verwaltungsratsentschädigungen bei Novartis mit einem Plus von 323 Prozent explodiert sind, was wiederum dem Namen Vasella zuzuschreiben ist. Bemerkenswert ist auch der Sprung von 94 Prozent beim Stäfner Unternehmen Sonova, das derzeit mit dem Verdacht auf Insidervergehen für Schlagzeilen sorgt. Bei anderen Gesellschaften sind die Entschädigungen für die Verwaltungsräte gesunken – etwa bei Roche und den beiden Grossbanken CS und UBS.Laut den Berechnungen von Towers Watson liegt das Durchschnittshonorar des Verwaltungsratspräsidenten einer SLI-Gesellschaft bei 2,98 Millionen Franken – 37 Prozent mehr als im Vorjahr und leicht über der Zeit vor der Finanzkrise. Der Konzernchef hingegen musste im Schnitt Abstriche verbuchen: Hatte er 2007 noch 7,49 Millionen Franken erhalten, waren es letztes Jahr 5,56 Millionen. Geschäftsleitungsmitglieder verdienten im Durchschnitt 3,4 Millionen, Verwaltungsräte 367'000 Franken.

Anstieg «angemessen»

Towers Watson gelangt zum Schluss, dass sich der Anstieg der Entschädigung «in einem durchaus angemessenen Rahmen» bewege. Martin Emmerich, Experte für Vergütungen von Topmanagern, sagt: «Die wirtschaftliche Situation hat wieder angezogen. Das spiegelt sich in der Entschädigung wider.» Die Berater stellen auch eine Korrelation zwischen dem Anstieg der Abgeltungen und dem Nutzen für die Aktionäre fest. Die Entwicklung von Aktienkurs und Dividende (Total Shareholder Return) der 30 SLI-Unternehmen hat sich seit 2007 fast parallel zu den Vergütungen an die Topleute bewegt. Vor allem Besitzer von Finanzaktien dürften dieser Einschätzung allerdings widersprechen.

Towers Watson kritisiert die mangelnde Transparenz der Unternehmen. «Da hat sich in den letzten Jahren nichts bewegt. Es wird nur gemacht, was man machen muss», sagt Hans Münch, der Autor der Studie. Nur 6 der 30 untersuchten Gesellschaften legen die Vergütungen aller Geschäftsleitungsmitglieder einzeln offen. Die andern tun das nur – wie vorgeschrieben – bei den Verwaltungsräten. «Die Musik spielt nicht beim Verwaltungsrat, sondern beim Konzernchef und der Geschäftsleitung», sagt Münch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.04.2011, 06:26 Uhr

102

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

102 Kommentare

Stefan Marti

20.04.2011, 06:46 Uhr
Melden 60 Empfehlung

Ah, jetzt verstehe ich, warum unsere bürgerlichen Parteien die Steuersätze für Gutbetuchte noch weiter senken wollen. Wer schon abzockt, soll nicht noch Steuern bezahlen. Wäre ja unfair. Ist schon verrückt, diese unheimliche Arroganz dieser sogenannten Verwaltungsräten. Und wenn's kriselt in der Firma, hat man von nix gewusst. Verantwortung? Die wissen nicht mal, wie man dieses Wort schreibt. Antworten


Bart Wakker

20.04.2011, 07:00 Uhr
Melden 45 Empfehlung

Einkommenssteuer von 100% oberhalb von 1 milion wäre richtig. Keine einzelperson kann mehr wert sein. Es wird ja heute in den unternehmen immer gesagt das jeder mitarbeite ersetzbar ist. Soll das dann nicht auch für die geschäftsleitung gelten? Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Telefonbuch

Marktplatz

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!