Verladen und umschiffen
Von Rudolph Chimelli. Aktualisiert am 03.09.2010 10 Kommentare
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Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad meint, dass Sanktionen sein Land selbstbewusster, unabhängiger vom Ausland und letztlich stärker machen werden. Seine Worte bezogen sich auf die Serie Sanktionen, die jüngst vom Weltsicherheitsrat beschlossen wurden, und auf die weitergehenden Massnahmen, welche die USA und die EU zusätzlich verhängten. Leon Panetta, der Chef der amerikanischen CIA, antwortete in einem Fernsehgespräch auf die Frage, ob sich der Iran durch Sanktionen von seinem Atomprogramm abbringen lassen werde: «Wahrscheinlich nicht.»
Das eigentliche politische und strategische Ziel der Boykott- und Embargomassnahmen erscheint damit ausser Reichweite. Panettas Skepsis ist noch aus anderen Gründen berechtigt: Die Iraner haben lange Erfahrung im Umgang mit Sanktionen. Es unterhält Scheinfirmen mit englisch klingenden Namen an unverdächtigen Adressen von Hongkong bis Venezuela. Ganze Flotten, die eigentlich der staatlichen Reederei IRISL gehören, segeln unter falschen Flaggen. Wichtige Partnerländer, vor allem China, Russland, die Türkei, der Irak und Syrien, unterlaufen den Boykott.
Niederlassungen in Dubai
Für die Iraner sind die Vereinigten Arabischen Emirate der wichtigste Umschlagplatz für Güter, die sie nicht direkt beziehen können. Von den 6 Millionen Einwohnern der Emirate sind 400?000 iranische Staatsbürger.
Ferner ist eine nicht erfasste Zahl Einheimischer in den Emiraten persischer Abstammung. Es gibt keine bedeutende Firma in Teheran, die keine Niederlassung in Dubai hätte. Insgesamt sind dort 8000 iranische Handelsgesellschaften registriert. Sogar die Revolutionswächter, die einen erheblichen Teil der Wirtschaft und besonders der Rüstung beherrschen, haben dort Strohfirmen.
Neu verpacken und umladen
Der Reexport importierter Güter in den Emiraten ist hoch: Er liegt bei 80 Prozent. Dessen Wert entspricht 87 Prozent der Erdölausfuhr, der wichtigsten Finanzquelle der Föderation. Vieles davon geht in den Iran, wobei der Schwarzhandel nicht enthalten ist.
Güter, die auf der Boykottliste stehen und an irgendeinen Abnehmer irgendwo auf der Welt via Dubai verschifft wurden, können im Hafen leicht neu verpackt und umgeladen werden. Daneben nutzen die Iraner noch das bescheidenere Emirat Ras al-Khaima. Es hat zwar nur eine Viertelmillion Einwohner, aber einen beachtlichen Containerhafen und einen Flughafen, der in raschem Ausbau begriffen ist. An beiden Einrichtungen sind Iraner massgeblich beteiligt.
Wichtiger als Amerika
Da der Iran zwar die zweitgrössten Erdölreserven der Welt, aber zu wenig Raffinerien hat, muss das Land 30 bis 40 Prozent seines Benzins importieren und ist hier sanktionsempfindlich. Doch die Hauptlieferanten sind China, Malaysia, Kuwait und Russland – alles Länder, welche die erweiterten Sanktionen nicht anwenden. Russische Firmen, unter ihnen Rosneft und Gasprom, sind mit Teheran im Gespräch über zusätzliche Lieferungen ab September. Die Türkei will nach den Worten ihres Energieministers Taner Yildiz Benzinexporte in den Iran unterstützen. Die einzige Raffineriefirma der Türkei, Tupras, bezieht ein Drittel ihres Rohöls aus dem Iran.
«Für uns ist der Iran wichtiger als Amerika», zitiert Reuters einen Tupras-Sprecher. Doch auch für Benzin gibt es einen parallelen Markt. Etwa 1000 Tankwagen passieren täglich von Penjvin im irakischen Kurdistan aus die iranische Grenze. Und der Iran will bis zum übernächsten Jahr seine Benzinproduktion verdoppeln.
Milliardenverträge mit China
China ist in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Wirtschaftspartner des Irans avanciert und macht keine Anstalten kürzerzutreten. Der bilaterale Handel betrug 2009 etwa 21 Milliarden Dollar – 50 Prozent mehr als vor drei Jahren. Noch ist der Iran nur der drittwichtigste Erdöllieferant Chinas nach Saudiarabien und Angola. Aber die energiehungrigen Chinesen haben mit Teheran bereits Verträge über 15 bis 20 Milliarden Dollar für Gas- und Öllieferungen und für den Ausbau von Förderanlagen geschlossen. Über weitere Verträge in gleicher Höhe wird derzeit verhandelt. Bereits jetzt ist China der wichtigste ausländische Investor in der Islamischen Republik.
Warenmangel herrscht bisher in Teheran als Folge der Sanktionen nicht. Es gibt in den Läden alles zu kaufen – auch amerikanische Konsumgüter jeder Art. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.09.2010, 20:43 Uhr
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10 Kommentare
Man kann vom Iran halten was man will, aber einen gewissen Respekt habe ich denen gegenüber schon. Vielleicht könnte sich die Schweiz eine Scheibe davon abschneiden. Nicht immer einknicken wenn von EU und USA gedroht wird. Abwarten und schauen, was passiert. Und gleichzeitig andere Allianzen schmieden. Antworten
Die Iraner sind offensichtlich schlauer als wir alle zusammen, insbesondere als die USA und die EU. Und als lachende Dritte profitieren wie immer andere, die nicht mitmachen. Was soll denn ein Embargo, das von der halben Welt nicht beachtet wird ? Antworten
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