Überrumpelte Spekulanten – und das Comeback des Euro
Dossiers
Artikel zum Thema
Wer die letzten acht Wochen auf einer einsamen Insel zugebracht und keine Nachrichten von den Finanzmärkten empfangen hat, reibt sich die Augen. Die Schuldenkrise im Euroraum, die Angst vor einem Staatsbankrott und vor Bankzusammenbrüchen in Südeuropa sind heute kaum mehr ein Thema für die Marktakteure. Ihr Fokus hat sich auf die USA verschoben, und ihre Kernfrage lautet: Wohin treibt die weltgrösste Wirtschaft? Hält sie sich auf ihrem schmalen Wachstumspfad, oder rutscht sie in eine neuerliche Rezession oder gar in eine Deflation ab?
Radikaler Stimmungswandel
Der radikale Stimmungswandel auf den Märkten widerspiegelt sich im Euro-Wechselkurs zum Dollar. Hatte die Gemeinschaftswährung Anfang Juni mit knapp unter 1.19 Dollar ein Vierjahrestief erreicht und aus Sicht mancher Beobachter bereits Kurs auf die Dollar-Parität genommen, pendelt ihr Aussenwert jetzt in einer Bandbreite von 1.30 bis 1.35 Dollar. Gestern notierte der Euro deutlich über 1.32 Dollar.
Parallel dazu haben sich die Währungsspekulanten neu positioniert: Sie sind inzwischen mehr oder weniger neutral gegenüber dem Euro, nachdem sie zuvor in grossem Stil dagegen gewettet – und viel Geld verloren haben. Noch Mitte Mai überwog die Zahl der Verkauf- gegenüber den Kaufkontrakten für Euro an der US-Terminbörse CME im rekordhohen Ausmass von etwa 114'000. Aktuell beträgt dieser Saldo gerade mal rund 7'000. Etliche Hedgefonds sahen sich in den vergangenen Wochen genötigt, Euro zu kaufen, als sich ihre Wetten gegen die Gemeinschaftswährung je länger, desto mehr als Fehlschlag erwiesen.
Wie konnte die Marktströmung in so kurzer Zeit so stark drehen? Auf einen kurzen Nenner gebracht: In dem Masse, in dem Europa ab Ende Mai für positive Nachrichten sorgte, häuften sich die negativen Meldungen jenseits des Atlantiks. Laut Marcus Hettinger, Devisenspezialist der Credit Suisse, haben die Etablierung der Rettungsfonds in der Eurozone im Volumen von Hunderten von Milliarden Euro – erst für Griechenland, dann für andere allfällige Wackelkandidaten im Währungsraum – ebenso zur Vertrauensbildung beigetragen wie die unerwartet guten Ergebnisse der europäischen Banken-Stresstests.
In den letzten drei, vier Wochen hätten die grossen Eurostaaten Deutschland, Frankreich und Italien darüber hinaus mit, so Hettinger, «ermutigenden» Wirtschaftsdaten aufgewartet. Insbesondere die Deutschen profitierten von der Euroschwäche und konnten ihre Ausfuhren etwa nach Asien massiv steigern. In der Folge ist der vielbeachtete Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts im Juli auf den höchsten Stand der letzten drei Jahre geklettert.
Neue Geldspritzen in den USA?
Anders in Amerika: Ob Wohnungsbau, Konsumentenstimmung, Wirtschaftswachstum oder Arbeitsmarkt – sämtliche Daten blieben zuletzt unter den Erwartungen und bestärkten Experten in der Einschätzung, dass der US-Konjunkturaufschwung erlahmt. Entsprechend gross ist die Spannung vor dem heutigen Treffen des Offenmarktausschusses der Notenbank. Wird sich das geldpolitische Steuerungsgremium auf neue Stimulierungsmassnahmen verständigen, nachdem es erst vor vier Monaten die immensen Geldspritzen durch den Ankauf von hypothekenbesicherten Wertpapieren und Staatsanleihen gestoppt hat?
Erwartet wird überwiegend ein «Zwischenschritt»: dass die Notenbank künftig jene Mittel, die ihr nach der Rückzahlung der fällig gewordenen Wertpapiere aus besagten Ankäufen zufliessen, in US- Staatsanleihen reinvestiert. Auf diese Weise würde die Geldmenge nicht mehr (leicht) schrumpfen, sondern konstant bleiben. Auf Dauer rechnen die Märkte allerdings mit noch aggressiveren geldpolitischen Massnahmen. Ein Indiz dafür sind die zuletzt drastisch gesunkenen Zinssätze: Die Rendite für zweijährige US-Staatspapiere beträgt nur mehr rund 0,5 Prozent – was einen neuen Rekord bedeutet –, und die Rendite fünfjähriger Titel ist innert Monatsfrist von 2 auf rund 1,5 Prozent gesunken. Das dürfte die Erholung der europäischen Währung zusätzlich befördern.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.08.2010, 22:15 Uhr
Wirtschaft
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!



